Begraben St. Martin
Tochter des schwäbischen Grafen Welf und der
Sächsin Eigilwicha (Heilwich)
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 797
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Judith, Kaiserin
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+ 19. April 843
Begraben St. Martin
Tochter des Grafen Welf und der edlen Sächsin Eigilwi/Heilwig
Zweite Gemahlin Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN
Erste Erwähnung Februar 819 anläßlich der Brautschau LUDWIGS unter den fränkischen Adelstöchtern und der folgenden Heirat in Aachen. Willensstark und sehr schön (Thegan 26: "pulchra valde"), gewann sie bald großen Einfluß auf LUDWIG, dem sie nach der Tochter Gisela (819/22) den Sohn KARL (DEN KAHLEN) schenkte. Darauf bedacht, ihrem Sohn nebst seinen Brüdern aus 1. Ehe des Kaisers einen Reichsteil zu verschaffen, stieß LUDWIG auf ihr Betreiben seine ordinatio imperii (817) um, indem er statt der Drei- eine Vierteilung des Reiches vornahm und KARL 829 Schwaben, Elsaß und Teile Burgunds übertrug; er löste damit heftige innere Kämpfe aus, in denen die Söhne sich in wechselnden Allianzen gegen ihn und Judith erhoben. Besonders an Judith schieden sich die Geister: Bewunderern wie Walahfrid Strabo standen scharfe Gegner wie Wala von Corbie gegenüber, die unter der Anschuldigung des Ehebruchs mit dem Grafen Bernhard von Barcelona zeitweise sogar ihre Verbannung vom Hof bewirkten. Nach der Rückkehr setzte Judith die Bemühungen fort, KARL einen noch größeren Reichsteil zu verschaffen - mit dem Ergebnis, dass er schließlich 839 W-Franzien erhielt. Durch Judith war LUDWIG DER FROMME vom Verfechter der Reichseinheit zum Vorkämpfer der Reichsteilung geworden und das Geschlecht der WELFEN in die Spitzengruppe des großfränkischen Adels aufgerückt.
Literatur:
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E. Dümmler, Gesch. des Ostfrk. Reiches, 3 Bde, 1887-1888
- Fr. v. Bezold, Ksn. Judith und ihr Dichter Walahfried Strabo, HZ 130,
1924.
II. Generation
6 c
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Zur Familie Judiths
("Welfen",
fränkisches Adelshaus im Metzer Raum) siehe J. Fleckenstein, in: Tellenbach,
St. und V 7ff.
JUDITH
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+ 19.4.843
Necr. A/B 19.4. "Iudit regina", Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN
Literatur:
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AdB 14 Seite 655; Fleckenstein, Über die Herkunft,
bes. Seite 95ff.;
Werner, Nachkommen Tafel Nr. II/6 c; NDB 10 Seite 639f. (dort fälschlicherweise der 13.4. als Todestag); Biograph. Wörterbuch 2 Spalte 1357f.; Konecny, Die Frauen Seite 89-94 und Seite 97-102; Lexikon des Mittelalters 5 Spalte 797; Ward, Caesars's wife. Zum Todestag: Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reiches 1 Seite 188 Anmerkung 2.
Judith, die Tochter
des Grafen Welf und Schwester der Gemahlin Ludwigs
des Deutschen,
Hemma, war
seit 819 mit LUDWIG DEM FROMMEN verheiratet
(BM² 683a). Ihre Brüder Rudolf und Konrad waren
Grafen im Bodenseeraum bzw. im Zürichgau; vgl. neuerdings Borgolte,
Grafen Seite 165ff. und Seite 226ff.
Über Walahfrid, der ab 829 für längere
Zeit am kaiserlichen Hof weilte und der Kaiserin mehrere Gedichte widmete,
kam es zu engeren Beziehungen zur Reichanau. Er gilt sogar als Erzieher
von Judiths Sohn KARL
DEM KAHLEN; vgl. Beyerle, Von der Gründung Seite 92f.,
Seite 97ff., BM² 863a, Bergmann, Dichtung Seite 732ff., Önnerfors,
Walahfrid Strabo Seite 101, Bezold, Kaiserin Judith Seite 377ff. und Haubrichs,
Nekrologische Notizen Seite 15 mit Anmerkung.
Wahrscheinlich hat LUDWIG DER
FROMME
im Jahre 838 versucht, Walahfrid als Abt auf der Reichenau einzusetzen;
vgl. oben Seite 296f. und Beyerle, Von der Gründung Seite 99ff.
Zu Gedenkbucheinträgen mit
Judith in den Verbrüderungsbüchern von Reichenau;
Pfäfers und St. Gallen vgl. Tellenbach, Welfen Seite 335ff., Beyerle,
Das Reichenauer Verbrüderungsbuch Seite 114f. und vorläufig Libri
confrat. Seite 546.
Schieffer Rudolf:
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"Die Karolinger"
Unter den durch Heirat in Königsnähe gerückten
Geschlechtern gewannen vorerst die WELFEN
den größten Einfluß, was kaum zu Unrecht dem energischen
Ehrgeiz der neuen Kaiserin Judith zugeschrieben
wird. Jedenfalls muß auffallen, dass ihre Mutter Heilwig die
Leitung der vornehmen Königsabtei Chelles erhielt, der eine Bruder
Rudolf
sich
die Verfügung über die Klöster Saint-Riquier und Jumiges
sicherte und der andere, Konrad, zum wichtigen Machthaber in Alemannien
wurde, überdies verheiratet mit Adelheid, einer weiteren Tochter
Hugos von Tours und damit Schwägerin LOTHARS
I.
Nach der am 13.6.823 erfolgten Geburt KARLS
DES KAHLEN war Judith klug
genug, gerade LOTHAR die Patenschaft
anzutragen und ihm eine nicht weiter konkretisierte Zusage für ein
künftiges Erbteil KARL zu
entlocken.
Diwald Hellmut: Seite 102
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"Heinrich der Erste"
Judith vergaß niemals ihre Abkunft. Dazu kam noch der gewaltige Einfluß, den sie auf LUDWIG DEN FROMMEN hatte. Der Kaiser war ihr derart verfallen, dass seine mönchischen Versuchungen keinerlei Einfluß mehr auf seine Entschlüsse ausübten, nicht zuletzt deshalb, weil Judiths politische Vorstellungen kaum weniger deutlich ausgeprägt waren als ihr physischen Reize. Die Kaiserin förderte und umsorgte die sächsischen Reichsabteien, als wären es ihre eigenen Schöpfungen. Noch sieben Jahrhunderte später war ein kostbares Kreuz, das sie Corvey geschenkt hatte, im Kloster vorhanden. Ebenso wurde dort bis zur Säkularisation im Jahr 1803 jährlich das Judithenbrot gespendet, eine reichhaltige Armenspeisung.
Schmid Karl: Seite 425
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"Welfisches Selbstverständnis"
Judith, die Tochter Welfs und Heilwigs, Gemahlin Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN und Mutter KARLS DES KAHLEN, stand im Brennpunkt der karolingischen Bruderkämpfe um das Reich. Sie war die Mittlerin kaiserlicher Gunst für ihre Brüder und Verwandten. Diesen kam nun die Nähe zur Stirps regia, die Teilhabe am Königsgeblüt, zu. Der persönlichen Bindung an den kaiserlich-karolingischen Hof verdankten sie es, dass sie im ganzen Reich neuen Besitz und hohe Stellungen königlichen Dienstes erhielten. Wechselreich wirkten sie in Alemannien, Bayern, Rätien, Burgund und Lotharingien und vor allem im Reich KARLS DES KAHLEN, im Reich von Judiths Sohn. Hemma, die Schwester der Kaiserin, wurde die Gemahlin Ludwigs des Deutschen. Hugo, mit dem Beinamen Abbas, vereinigte in seiner Hand die reichsten und bedeutendsten Königsklöster im W-Frankenreich, während Konrad der Ältere und sein Sohn Konrad wie auch der ältere Rudolf versuchten, in Auxerre und Sens, in St. Maurice d'Agaune, in Jumieges, St. Riquier, Valenciennes und anderswo ihrem Streben nach Herrschaft Rückhalt zu geben und Positionen des politischen Einflusses aufzubauen. Sosehr jedoch die Quellenzeugnisse diese Großen nach der Vermählung Judiths mit Kaiser LUDWIG DEM FROMMEN aus der Breite des Adels herausheben, bald sollte dies nicht mehr der Fall sein. Die Nachfahren der Brüder der Kaiserin Judith nämlich gingen vom ausgehenden 9. Jahrhundert an wieder in der Weite der adeligen Geschlechter unter, als sich die KAROLINGER-Herrschaft auflöste. Nur Rudolf, der Großneffe der Kaiserin Judith, vermochte es, da er in Hoch-Burgund im Jahre 888 das Königtum erlangte, eine geschichtliche Tradition seiner Familie über mehrere Generationen hinweg zu begründen.
Ennen, Edith: Seite 58-593
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"Frauen im Mittelalter"
LUDWIG heiratet in
zweiter Ehe die junge schöne Judith,
eine WELFIN, eine sehr gebildete Dame;
ja, ihre Verbindung zur Welt der Gelehrten und Dichter war enger als die
ihres Gemahls. Sie suchte vor allem die Zukunft ihres Sohnes KARL
zu sichern, der 823 geboren wurde, also viel jünger als LUDWIGS
Söhne erster Ehe: LOTHAR geboren
795, Pippin geboren um 803 und Ludwig
geboren um 806. Auf die Teilungspläne des Reiches, die Anlaß
vieler Wirren boten, in die Judith
sich einmischte, haben wir hier nicht näher einzugehen; wir bemerken
nur, daß KARL DER GROSSE 806
eine Teilung des Reiches unter seine Söhne vorsah, die nur unterblieb,
weil zwei von ihnen vor dem Vater starben.
LUDWIG
DER FROMME wollte unter kirchlichem Einfluß 817 in der
vielberedeten Ordinatio Imperii den fränkischen Brauch der Reichsteilung
insofern abändern, als er LOTHAR
die Kaiserwürde, den beiden jüngeren Brüdern nur Unterkönigreiche
zugestand, hat sich aber 829/30, als er wieder stärker unter den Einfluß
weltlicher Großer geriet, erneut dem Teilungsbrauch zugewandt.
Judith ging es um
ihren Sohn. Sie setzte zunächst auf den Paten ihres Sohnes LOTHAR.
Ihr engster Vertrauter wurde Bernhard von Septimanien, dessen Berufung
an den Hof sie bewirkte. Sie geriet in den Verdacht eines Verhältnisses
mit ihm und auch in den Verdacht der Zauberei. In dem großen Aufstand
von 830 gegen LUDWIG mußte Bernhard
nach
Barcelona fliehen, Judith wurde in
das Radegundiskloster nach Poitiers gebracht und hart bedrängt,
LUDWIG
zur Abdankung zu bewegen. Es kam aber zu einem Umschwung,
Judith wurde 831 in Aachen rehabilitiert. Bei dem gemeinsamen
Aufstand der Söhne gegen LUDWIG
833/34 wurde sie anch Tortona in Italien verbannt, fand aber Wege, Botschaften
über die Alpen zu bringen; noch einmal konne LUDWIG
sich durchsetzen, aber die Ausstattung von Judiths
Sohn KARL blieb eine offene Frage.
Erst Pippins Tod machte den Weg frei
für die von Judith angestrebte
Lösung. Bevor sie Wirklichkeit wurde, starb LUDWIG.
Judith half ihrem Sohn nach bestem Vermögen im Kampf um
sein Erbe und führte ihm ein Heer zum Entscheidungskampf bei Fontanetum
(Fontenay sw. Auxerre) zu.. Es kam dann aber zu einer Entfremdung zwischen
Mutter und Sohn; vor dem Abschluß des Vertrages von Verdun (im August
843), der das Reich KARLS DES GROSSEN
unter die Enkel aufteilte, eine Teilung, die nicht mehr rückgängig
gemacht werden sollte, ist Judith am
11.
April 843 gestorben.
819
oo 2. LUDWIG I. DER FROMME
16.4.778-20.6.843
Kinder:
Gisela
819- nach 1.7.874
836
oo Eberhard Markgraf von Friaul
um 810- 866
KARL II. DER KAHLE
13.6.823-6.10.877
Literatur:
-----------
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