Begraben: S. Maria del Carmine/Neapel
Einziger Sohn des Königs
KONRAD IV. aus dem Hause der STAUFER
und der Elisabeth von Bayern, Tochter
von Herzog Otto II.
Lexikon des Mittelalters: Band V. Seite 1368
********************
Konradin, König von Sizilien und Jerusalem, Herzog
von Schwaben aus dem Hause der STAUFER
------------
* 25. März 1152, + 29. Oktober 1268 hingerichtet
Burg Wolfstein Neapel
nö von Landshut
Begraben: S. Maria del Carmine/Neapel
Eltern: KONRAD IV. und Elisabeth von Wittelsbach, Tochter Herzog Ottos II.
Sept. 1266
oo Sophia, Tochter des Markgrafen Dietrich von
Landberg
-
Konradin (Verkleinerungsform zuerst ironisch in Italien) wuchs in Bayern und Schwaben unter der Obhut Herzog Ludwigs II. und Herzog Heinrichs XIII. auf. Von den Päpsten Innozenz IV., Alexander IV., Urban IV. und Clemens IV. nur als König von Jerusalem und Herzog von Schwaben (seit 1262) anerkannt, hielt er seine Erbansprüche auf das Königreich Sizilien aufrecht, wo seit 1258 König Manfred herrschte. Versuche, ihn gegen RICHARD VON CORNWALL zum deutschen König zu erheben, scheiterten 1261/62 am Widerstand Otakars II. Premysl und an Papst Urban IV., 1265/67 an Papst Clemens IV. Nach dem Tod Manfreds bei Benevent (26. Februar 1266) wurde ein Italienzug zur Eroberung des Erbreichs geplant, wozu Konradin die kaiserliche Partei in Oberitalien, die Ghibellinen der Toskana und vor allem von Karl I. von Anjou vertriebene Exulanten (vor allem Petrus de Prece) aus dem Königreich Sizilien ermutigten. Im September 1267 brach das Heer von Augsburg aus auf und gelangte über Verona nach Pavia und Pisa. Am 18. November 1267 wurde Konradin von Clemens IV. exkommuniziert, der am 5. April 1268 ihm das Königreich Jerusalem entzog und am 17. April Karl von Anjou zum Reichsvikar in der Toskana ernannte. Durch Übereinkunft mit dem von Karl enttäuschten Senator von Rom, Heinrich von Kastilien, zog Konradin am 24. Juli 1268 in Rom ein. Dort wurde der Weitermarsch nach Lucera beschlossen, doch in der Palentinischen Ebene östlich von Tagliacozzo trat ihm Karl entgegen und errang am 23. August einen entscheidenden Sieg. Der flüchtige Konradin wurde Anfang September bei Astura von Giovanni Fangipani gefangengenommen und an Karl ausgeliefert. Nach einem in Einzelheiten unbekannten Prozeß wurde Konradin zum Tode verurteilt und am 29. Oktober 1268 auf dem Marktplatz von Neapel hingerichtet.
Literatur:
-----------
DBI XXIX, 364-378 [Q., Lit.] - NDB XII, 557-559 [Lit.]
- K. Hampe, Gesch. K.s v. Hohenstaufen, 1894 [Nachdr. mit Anhang H. Kämpf,
1940/42] - P. Herde, Die Schlacht bei Tagliacozzo, ZBLG 25, 1962, 679-744
- A. Müller, Das K.bild im Wandel der Zeit, 1972 - E. Thurner, K.
als Dichter, DA 34, 1978, 551-560 - Das Hl. Land im MA, hg. W. Fischer
- J. Schneider, 1982, 83-93 [P. Herde] .
KONRADIN
-----------------
* 25.3.1252, + 29.10.1268
Burg Wolfstein Neapel
(bei Landshut)
Rom quillt über von bunten Bändern, Fahnen,
Lorbeerzweigen und Blumengebinden, alle Häuser und Fenster sind an
diesem Julitag des Jahres 1268 geschmückt, die Kirchenglocken dröhnen,
die schönsten Frauen und Mädchen der Stadt strömen zusammen,
um den Jüngling aus Deutschland mit Gesang, Tanz und Musik zu empfangen.
Und da reitet er durch die jubelnde Menge und erreicht endlich das Kapitol,
umgeben von Fürsten und Edlen, der 16-jährige, der gekommen ist,
sich ein Königreich zu erobern, „Corradino“,
der kleine Konrad,
wie ihn die Römer zärtlich nennen, und die Begeisterung kennt
überhaupt keine Grenzen mehr. Aller Glanz der STAUFER-Zeit
schien noch einmal wiederbelebt, als der Enkel FRIEDRICHS
II. mit dem Namen Konrad
(der, dem italienischen Beispiel folgend, in der Verkleinerungsform Konradin
erhalten
blieb) nach Italien kam. Er war der Sohn KONRADS
IV., hatte den Vater jedoch nie gesehen, denn dieser war noch
vor Konradins Geburt zum Zug in den
Süden aufgebrochen, von wo er nicht wiederkehren sollte. Konradin
hatte seine Kindheit in Deutschland verbracht. Versuche der STAUFER-Partei,
den kleinen Herzog von Schwaben zum deutschen König
zu erheben, waren fehlgeschlagen. Es blieb der Erbanspruch auf das sizilische
Königreich, und als nach dem Tod Manfreds
in der Schlacht bei Benevent (1266) die kaiserliche Partei in Oberitalien,
die Ghibellinen in der Toskana und die von Karl
von Anjou unterdrückten Adligen im Königreich Sizilien
Hilfe aus Deutschland erbaten, hatte sich Konradin
entschlossen (oder war von seinen Ratgebern dazu gedrängt worden),
dem Beispiel seines Vaters zu folgen und – als letzter seines Geschlechts
– die Fahrt in den Süden anzutreten. Ein Unternehmen, das eigentlich
nur scheitern konnte. Dennoch, zunächst ließ es sich gut an.
In Augsburg sammelten sich die Truppen und im September 1267 brach man
auf und gelangte über Verona nach Pavia und Pisa. Der Bannfluch Papst
Klemens’ IV. vom 18. November 1267 blieb wirkungslos. Ein Abenteurer namens
Heinrich
von Kastilien, Senator in Rom, ebnete dem jungen STAUFER
den Weg in die Ewige Stadt. Von dort sollte es weitergehen in Richtung
Lucera (Apulien), wo sich die sarazenische Besatzung im Aufstand gegen
Karl
von Anjou befand. Doch dessen Heer zog den Deutschen entgegen
und schlug sie am 23. August 1268 bei Tagliacozzo.
Konradin
floh mit wenigen Getreuen. Bei Astura an der Küste südlich von
Anzio wurde er Anfang September gefangengenommen und an Karl
ausgeliefert, der ihn in Neapel als „Räuber, Empörer, Aufwiegler
und Verräter“ zum Tod verurteilen ließ. Zusammen mit seinem
Freund Friedrich von Österreich und einigen anderen Gefährten
musste Konradin das Blutgerüst
besteigen. Nach dem Bericht eines Chronisten waren seine letzten Worte
ein Gedenken an seine Mutter Elisabeth von Wittelsbach:
„O Mutter, welches Leiden bereite ich dir!“ Die Leichen der Hingerichteten
wurden auf Befehl Karls
am Strand verscharrt.
Erst im folgenden Jahr gestattete der
ANJOU
eine Beisetzung in der Kirche Santa Maria del Carmine. Der Tod des schönen
jungen STAUFERS wurde alsbald von Sagen
und Legenden umrankt: Ein Adler stürzt herab auf die Richtstätte,
taucht seine Schwingen in das Blut des Hingerichteten und fliegt davon;
am Platz, wo Konradins Haupt fiel,
bleibt ein feuchter Fleck, der niemals trocknen will... Die Tragödie
Konradins
wurde zu einem Lieblingsthema der deutschen Dichtung – kein Wunder, enthält
sie doch alle Ingredienzen, die Schauer und Rührung hervorrufen können.
Hier Lichtgestalt, dort finsterer Tyrann. Hier, beim 16-jährigen Königs-Sohn,
Schönheit, Naivität und Arglosigkeit der Jugend und eine glühende
Begeisterung, die nichts weiß von der Schlechtigkeit der Welt, dort,
beim Gegenspieler
Karl, die dünne,
eisige Luft der Politik, in der nur überlebt, wer zu jeder List und
Gewalttat fähig ist. In mehr als 100 Konradin-Dramen
und – Fragmenten, von Johann Jakob Bodmers „Conradin von Schwaben“ (1771)
bis zu Konrad Weiß’ „Konradin von Hohenstaufen“ (1938), wird der
tragische Gegensatz entfaltet. Auf die Spitze getrieben, nämlich mit
dem Idealismus der Jugendbewegung und der Opferbereitschaft der Weltkriegsgeneration
verbunden, erscheint der Konradin-Mythos
in der Erzählung „Konradin reitet“ von Otto Gmelin (1933): Reiten,
unterwegs sein, einer Sehnsucht folgend, die sich nicht genügt, ist
das Schicksal des adligen Kindes, „reiten in die Welt, in den Kampf, in
die Ferne, in den Tod und bereit auch zum Opfer.“ Auch wer an der Drehbank
steht, am Schreibtisch sitzt oder hinterm Pflug geht, so der Dichter, soll
sich wie der STAUFER fühlen, denn
„solange Jugend sucht und leidet, träumt und flammt, glaubt und handelt,
bist du nicht tot, Konradin.“
XI. GENERATION
108 (89) KÖNIG KONRAD (KONRADIN)
-------------------------------------------------------
* 25.3.1252, + 29.10.1268 enthauptet
Burg Wolfstein Neapel
zunächst ohne kirchliche Bestattung am Strand von Neapel verscharrt, später in Santa Maria del Carmine beigesetzt
Herzog von Schwaben 1254-1268
führte den Titel eines Königs
von Jerusalem
oo (desponsatio per procuratinem) vielleicht Bamberg
oder Nürnberg Anfang Oktober 1266
SOPHIA VON LANDSBEERG
aus
dem Hause WETTIN
* um 1258/59, + 14.8.1318
Kloster Weißenfels
(?seit 1275) Nonne, später Äbtissin in Weißenfels
Tochter des Markgrafen Dietrich des Weisen von Landsberg
und der Helene von Brandenburg, Tochter von Markgraf Johann I.
KONRDA(IN)
-------------------
* Burg Wolfstein/Isar 25. III 1252, + enthauptet Neapel
Plazza del Mercato 29. X 1268
Begraben: Neapel Sta. Maria del Carmino
1254/68 Herzog von SCHWABEN, König von JERUSALEM
DIE NACHKOMMEN KAISER FRIEDRICHS II.
2. KONRAD IV.
----------------------
* 25. (26.?) 4.1228 in Andria
+ 21.5.1254 bei Lavello
Grabstätte Herz und Eingeweide in Melfi beigesetzt, Körper vor endgültiger Beisetzung in Messina verbrannt (1259)
oo verlobt mit
N ((Irmgard?)
* um 1227,
nach Oktober 1235
Tochter des Herzogs Otto II. von Bayern (+ 1253) und der Agnes von Braunschweig (+ 1267), Tochter Heinrichs von Braunschweig (WELFE) und der STAUFERIN Agnes (siehe Seite 277)
oo 1.9.1246 Vohburg bei Ingolstadt
ELISABETH VON BAYERN
* wohl um 1230/31,
+ 9.10.1273
Grabstätte: Zisterzienserbatei Stams
Eltern: Herzog Otto II. von Bayern (+ 1253) und Agnes von Braunschweig (+ 1267) (siehe oben)
Februar 1237: in Wien zum römischen König gewählt
Kinder:
1. KONRADIN
* 25.3.1252 auf Burg Wolfstein bei Landshut
+ 29.10.1268 in Neapel (enthauptet)
Grabstätte: zuerst am Strand von Neapel verscharrt, später Beisetzung in S. Maria del Carmine in Neapel
oo Anfang Oktober 1266 in Bamberg oder Nürnberg
SOPHIA VON LANDSBERG
* um 1258/59, +
14.8.1318 im Kloster Weißenfels
Eltern: Markgraf Dietrich der Weise von Landsberg (+ 1285) und Helene (+ 1304), Tochter des Markgrafen Johann I. von Brandenburg
1254-1268: Herzog von Schwaben, König von Jerusalem
Mühlbacher Josef: Seite 195
***************
"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"
War schon Konradins Vater
als schön wie Absalom beschrieben worden, übertraf ihn der Sohn
noch an Anmut und Leibesschönheit, an Vornehmheit und Würde.
"In dem Jüngling Konradin
endete das edelste Geschlecht, das je die deutsche Krone getragen. Wenig
nur wissen die Zeitgenossen über die Persönlichkeit des Sohnes
KONRADS
IV. und der Elisabeth, doch
darin sind sich Deutsche und Italiener einig, seine jugendliche Schönheit
zu preisen. Wenn er als sehr groß bezeichnet wurde, so weicht das
Längenmaß überraschend von der überlieferten Mittelgröße
der STAUFER ab. Ob sich hier das WITTELSBACHER
Erbe der Mutter oder die Körpergröße des Urgroßvaters
Johann von Brienne auswirkte, ist nicht zu entscheiden." (Erich
Maschke)
1266
oo Sophia von Landsberg, Tochter des Grafen Dietrich
1258/59-24.8.1318
Literatur:
-----------
Akermann Manfred: Die Staufer. Ein europäisches
Herrschergeschlecht. Konrad Theiß Verlag Stuttgart 2003 - Bedürftig
Friedemann: Taschenlexikon Staufer. Piper Verlag GmbH München 2000
Seite 130 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft
Wiesbaden 1993, Seite 14,28 - Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der
Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart
1977 Band III Seite 369 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W.
Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 158-161,166,168 - Großer
Bildatlas der Kreuzzüge. Sechs Jahrhunderte abendländischer Kultur-
und Glaubensgeschichte. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 78,
80 - Hampe, Karl Dr. phil.: Geschichte Konradins von Hohenstaufen.
K.F. Koeler Verlag Leipzig 1894 - Horst, Eberhard: Friedrich der
Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf 1989, Seite 202,204,337,340-342
- Jäschke Kurt-Ulrich: Europa und das römisch-deutsche
Reich um 1300. Verlag W. Kohlhammmer Stuttgart Berlin Köln 1999 Seite
75,132 - Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta
Verlag Stuttgart 1991, Seite 24,197,302,619 - Kiesewetter, Andreas:
Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295).
Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum
zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 31,48,160,383
A., 437,438 A.,439,529 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta
Stuttgart 2000 Seite 641 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer
Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 379 - Lehmann, Johannes:
Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom
Verlag Bindlach 1991, Seite 10,305,352,355,358 - Mayer, Hans Eberhard:
Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 214,220,238,240,248
- Mühlbacher, Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen
Frauen, Bechtle Verlag Esslingen 1977Seite 195 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band III Seite 260,306 - Posse, Otto: Die
Wettiner. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig
GmbH 1994 Seite 55 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1059,1062,1067,1068-1069,1107
- Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern.
Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln
1990 Seite 276,351,357 - Schwarzmaier, Hansmartin: Die Heimat der
Staufer. Bilder und Dokumente aus einhundert Jahren staufischer Geschichte
in Südwestdeutschland, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1976 Seite
11 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge
Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 15 -
Sippel
Hartwig: Die Templer. Geschichte und Geheimnis. Amalthea Verlag 1996 Seite
173, 185 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen
Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang
des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München
- Stälin, Paul Friedrich: Geschichte
Württembergs, Gotha 1882 Seite 306-314 - Thiele, Andreas:
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte
Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 19 -
Uehli, Ernst: Die drei großen Staufer. Friedrich I. Barbarossa
- Heinrich VI. - Friedrich II., VMA-Verlag Wiesbaden 1997 - Zettler,
Alfons: Geschichte des Herzogtums Schwaben. Verlag W. Kohlhammer GmbH Stuttgart
2003 Seite 194,196,202 -