Begraben: Kloster St. Emmeran zu Regensburg
Ältester Sohn des Markgrafen
Luitpold von Bayern aus dem Hause der LUITPOLDINGER
und der Kunigunde von Schwaben,
Tochter
von Pfalzgraf Berchthold
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1015
********************
Arnulf, Herzog von Bayern
----------
†
14. Juli 937
Regensburg
Arnulf folgte
seinem
in der Ungarnschlacht vor Pressburg 907 erschlagenen Vater Markgraf
Luitpold mit Zustimmung der bayerischen Großen und nahm schon
früh den Herzogstitel an. Die Vernichtung des bayerischen
Heerbannes
907 und die folgenden Ungarneinfälle erzwangen zunächst den
Neuaufbau
eines Heeres. Um seine Vasallen mit Besitz auszustatten, zog der Herzog
Ländereien von Kirchen und Klöstern ein. Bereits 909 und 910
errang er erste Siege über die ungarischen Reiterheere, die er
dann
913 am Inn entscheidend schlug. Er setzte den Abschluss eines Vertrages
durch, infolgedessen Bayern im Gegensatz zu den anderen
Herzogtümern
auf Jahrzehnte vor weiteren Einfällen nahezu verschont blieb.
Gegenüber dem Königtum verfolgte Arnulf
eine
eigenständige Politik. Diese zwang bereits Ludwig
das Kind, den Schwerpunkt seiner Herrschaft aus Bayern in
die
Rhein-Main-Lande zu verlagern. Trotz Verwandtschaft erhob Arnulf
nach
dessen Tod 911 keinen Anspruch auf Nachfolge und beteiligte sich an der
Wahl KONRADS I. Auch ihm
gegenüber
suchte er eine Politik der Abgrenzung, die dieser jedoch nicht hinnahm.
KONRAD
I. heiratete 913 die aus Schwaben stammende Mutter Arnulfs,
Kunigunde,
um so die beiden Herzogtümer enger an das Ostfränkische Reich
zu binden. Als Arnulf 914 in
innerschwäbischen
Auseinandersetzungen für seine
Onkel Erchanger und Berthold
Partei
ergriff, während der König die Gegenseite begünstigte,
fiel
KONRAD
I. in Bayern ein und vertrieb den Herzog, der bei den Ungarn
Zuflucht suchte. Nachdem er 916 zurückgekehrt war, verjagte ihn
der
König abermals nach Ungarn und setzte seinen Bruder Eberhard
als Statthalter in Bayern ein. Weiterhin verbündete er sich mit
dem
Episkopat, der auf der Synode von Hohenaltheim (916) die aufstrebenden
Stammesgewalten energisch vor weiteren Widerstand gegen das
Königtum
warnte. Dennoch verdrängte Arnulf
bereits
917 den königlichen Statthalter; bei einem erneuten Angriff gegen
Arnulf
erlitt
KONRAD
I. eine tödliche Verwundung. Bei
KONRADS Tod beherrschte
Arnulf
sein
Herzogtum unangefochten.
An der Erhebung HEINRICHS I.
zum Nachfolger in Fritzlar nahm Arnulf
nicht teil. Vielmehr wurde er wohl selber in Bayern zum
König ausgerufen.
Es ist umstritten, ob dieser mit Überlieferungsproblemen belastete
Eintrag ein Gegen-Königtum
gegen HEINRICH
oder aber ein an das spätkarolingische Regnum
Bavariae anknüpfendes
bayerisches Sonder-Königtum
bezeichnet.
HEINRICH
I. setzte aber die Anerkennung seiner Herrschaft auch in
Bayern
durch. Die wechselhaften Kämpfe 919-921 wurden durch den
Regensburger
Vertrag abgeschlossen, in dem Arnulf
eine
lose Oberhoheit HEINRICHS I.
anerkannte
und damit Bayern dem ostfränkischen Königtum HEINRICHS
I. unterordnete, dafür freie Hand bei der Gestaltung
der
Innen- und Außenpolitik zugestanden erhielt. In der Folgezeit
ernannte
er die Bischöfe seines Herzogtums und versammelte diese zu eigenen
Landessynoden. 922 führte er sein Heer gegen die Böhmen, um
deren
herkömmliche Abhängigkeit von Bayern zu erneuern. Weiterhin
hat
er Münzen prägen und Urkunden ausstellen lassen, die die Form
der Königsurkunde übernahmen, die bayerischen Grafen
befehligt,
seinen Sohn Eberhard zum
Nachfolger designiert. Ein Feldzug nach
Italien 933-934 sollte Eberhard die ihm angetragene
langobardische
Königskrone einbringen. Diese selbstbewusste Ausübung des
Herzogtums
hat HEINRICH I., der seit 921 mit Arnulf
in
Frieden lebte, anerkannt. 936 heiratete schließlich der Königs-Sohn
Heinrich die Tochter des
Herzogs, Judith. Bei der
Krönung
OTTOS
I. 936, wenige Monate vor seinem Tod in Aachen, übte Arnulf
das
Amt
des Marschalls aus. - Sein Lebenswerk, die Begründung des
jüngeren
Herzogtums in Bayern nach dem Zerfall des karolingischen
Reiches, konnte von seinen Söhnen nicht weitergeführt werden,
da ihnen OTTO I. bereits 938 die
Herrschaft
entriss. Wegen der Säkularisationen und des Königsplanes ist
das Bild Herzog Arnulfs in
späteren
Jahrhunderten sehr verdunkelt worden.
Literatur:
-----------
K. Reindel, Die bayer. Luitpoldinger 893-989, Slg. und
Erl. der Quellen, 1953 - F. Tyroller, Zu den Säkularisationen des
Hzg.s A., Stud. und Mitt. 65, 1953-1954, 303-312 - K. Reindel, Ein
neues
Gedicht zum Tode Hzg. A.s v. Bayern, ZBLG 20, 1957, 153-160 - K. Bosl,
Das jüngere bayer. Stammeshzm. der Luitpoldinger (Ders., Zur
Gesch.
der Bayern, 1965) - W. Kienast, Der Herzogtitel in Frankreich und Dtl.
(9-12. Jh.), 1968 - E. Müller-Mertens, Regnum Teutonicum.
Aufkommen
und Verbreitung der dt. Reichs- und Königsauffassung, 1970 - K.
Reindel,
Hzg. A. und das Regnum Bavariae (H. Kämpf, Die Entstehung des dt.
Reiches. Dtl. um 900, 1956, 1971) - A. Schmid, Das Bild des Bayernhzg.s
A. (907-937) in der dt. Geschichtsschreibung von seinen Zeitgenossen
bis
zu W. Gisebrecht, 1976 - Ders, Die Herrschergüter in St. Emmeran
...,
DA 32, 1976, 333-369 - H.-W. Goetz,“Dux“ und „ducatus“. Begriffs- und
verfassungsgesch.
Unters. zur Entstehung des sog. „jüngeren“ Stammesherzogtums an
der
Wende vom 9. Jh. Zum 10. Jh. [Diss. Bochum 1977].
Vater:
-------
Markgraf Luitpold († 907)
Mutter:
----------
Kunigunde von Schwaben
1. oo Agnes
2. oo Judith vom Sülichgau (?)
907 Herzog von Bayern.
In dieser Zeit „Säkularisation“ der Klöster,
die eingezogenen Güter gingen als Lehen an seine Vertrauten.
Beispielsweise
hatte das Kloster Tegernsee vorher mehr als 11.000 Bauernhöfe,
nach
der Konfiskation nur noch 114.
Die Kirche gab ihm daher den Beinamen „der
Böse“.
Gegen-König gegen
HEINRICH
I. (rex in regno Teutonicorum).
933 unternahm Arnulf
einen
Heereszug nach Verona, um für seinen Sohn Eberhard die
langobardische
Königskrone zu erwerben, Niederlage bei Bussolengo.
Grabmal in St. Emmeram in Regensburg aus der 2.
Hälfte
des 12. Jahrhunderts.
Literatur:
-----------
NDB 1; BWB 1; K. Bosl, D. jüngere bayer.
Stammeshzgtum
d. Luitpoldinger, in: ZBLG 18, 1955.
Anmerkungen:
------------------
VI. 38. Ergänzungen (Werner):
Hugo II., *ca. 920/25, † vor
992, 939/55 Graf vo Maine. [VI 48]
Arnulf und Berthold, Brüder aus der Familie der LUITPOLDINGER, Nachkommen KARLS DES GROSSEN ohne Anschluß.
39. Ergänzung (Werner):
------------------------------
Arnulf, † 14. VII. 936, 907 Herzog
von Baiern
Gemahlin: N. [VI 49]
VI. Generation
49-50
--------
Die Luitpoldingischen Brüder, Herzog
Arnulf
von Baiern und Herzog Berthold (Teil-Herzog in
Kärnten)
werden hier als zweifellose KAROLINGER-Nachkommen
der 6. Generatiom aufgeführt, auch wenn die Filiation, die von
KARL DEM GROSSEN zu ihnen hinführt, nicht genau bekannt
ist. Die Namengebung von drei Kindern Arnulfs: Judith, Ludwig,
Arnulf,
ist ohne karolingische Abkunft
nicht
denkbar.
Zu meiner Vermutung, daß karolingische
Abkunft
und Namengut durch die Mutter Herzog Arnulfs,
Kunigund,
die Gattin Luitpolds und späteren
Gattin König
KONRADS I., in das bairische Herzogshaus eingebracht wurden,
siehe oben Anmerkung zu IV, 20.
Die Daten der LUITPOLDINGER in großer
Genauigkeit
bei K. Reindel, Die bayerischen Luitpoldinger 893-898, 1953
(regestenartig
angelegt zu den jeweiligen Jahren).
ARNOLF
-------------
† 14. VII 937
Begraben: Regensburg St. Emmeran
908 Graf im NORDGAU und HERZOG VON BAYERN
Herzog von Bayern,
Herzog von Kärnten 907-937
(†)
908. Februar 5. Der Nordgau als in der Grafschaft Arnulfs
gelegen, bezeichnet: Reindel S. 76f.
907-914. Herzog Arnulf säkularisierte
den Besitz zahlreicher Klöster und Kirchen in Bayern: Reindel S.
80-92.
916. September 20. Von einer Synode zu Hohenaltheim
werden
Herzog
Arnulf und sein
Bruder Berthold für ihr
bisheriges
Verhalten getadelt und es wird ihnen auferlegt, sich vor einer neuen
Synode
zu Regensburg zu verantworten: Reindel S. 114 f.
924 und 927. Auf Befehl Herzog
Arnulfs und in
Gegenwart herzoglicher Gesandter findet ein
Tausch
zwischen Erzbischof Odalbert von
Salzburg und der Edlen Frau
Rihni
statt:
Reindel S. 134-138.
933/34. Herzog Arnulf unternimmt
einen Heereszug nach Verona, um für seinen Sohn Eberhard die
langobardische
Königskrone zu erwerben: Reindel S. 163-170.
935. Juli 22. Herzog Arnulf
überträgt
seinem ältesten Sohn Eberhard die Nachfolge in Bayern und
lässt
ihn vor den Bewohnern Reichenhalls huldigen: Reindel S. 170 f.
937. Juli 14. Herzog
Arnulf von Bayern stirbt: Reindel S. 175-181.
F. u. eV.
907 in qua congressione (Pressburg) Liutbaldus
dux occisus est, cui filius
suus Arnulfus
in
ducatum successit Constinuator Regionis ed. Kurze 154 Reindel n 46
908 5/2 Eichstätt im Nordgau liegt in der
Grafschaft
(an der unteren Altmühl) des Arnolf
Reindel n 47;
914 empört sich gegen
KONRAD
I. und flieht mit Gattin
und Kindern nach Ungarn Liudprand,
Antapodosis II 19 Reindel n 55
(919 Anfang) Arnaldus cum
uxore et filiis rediens honorifice a Bagoariis atque ab orientalibus
suscipitur
Francis Liudprand II 21 Reindel n 61
(933/34) Longobardi Eparhardum filium Arnolfi
ducis in dominum acceperunt, eodem anno Arnolfus
dux
et Udalpertus
archiespiscopus cum Baiowariis iter hostile
in Italien fecerunt (gegen König Hugo)
Annales Juvavenses maximi, vgl. Liudprand II 49-52 Reindel n 86;
IV. 936 August Herzog Arnulf
bei der Krönung OTTOS I. in
Aachen
zugegen Reindel n 88
† 937 14/7 und in St. Emmeram begraben Reindel
n 91
Gemahlin:
------------
siehe oben 914 und 919 Anfang, die Vermählung wird
908/09 anzusetzen sein.
Ihre Herkunft und ihr Name sind aus den Namen ihrer
Kinder
Eberhard,
Hermann,
Judith und Ludwig zu erschließen. Sie entstammte
dem
Geschlechte der UNRUOCHINGER
und war allem Anschein nach eine
Tochter
des Grafen Eberhard, der sich 888 mit (seinem Bruder)
BERENGAR in die Grafschaft über Dußlingen teilte
DD Karol. 3, 55 f. n 37 - beide können mit großer Gewissheit
als Söhne des Unruoch, Markgrafen von Friaul (zuletzt 872),
des
älteren
Sohnes des Markgrafen Eberhard († 864/66) gelten, der bekanntlich mit Gisela,
einer Tochter LUDWIGS DES FROMMEN
und
der WELFIN Judith, vermählt
war.
Hermann aber hieß 938 der Graf
des Pfullichgaues, den im 11.
Jh. die von den UNRUOCHINGERN stammenden Grafen von Achalm
besaßen.
Er wird wie die Gattin des Herzogs Arnulf den
Grafen Eberhard von 888 zum Vater gehabt
haben. Der Name der Gattin war
offenbar Judith, da dieser Name nicht nur der einer Tochter Arnulfs
war, sondern auch bei den Nachkommen der Markgrafen Berthold und Liutpold
erscheint,
die ebenfalls zu Arnulfs Kindern
gehören.
Besonders beweisend für die Abstammung Judiths von den UNRUOCHINGERN
sind die Ereignisse in Italien, wo BERENGAR I.,
Nachfolger seines Bruders Unruoch
in der Markgrafschaft Friaul, 888
König
geworden war. Als
BERENGAR 924 ermordet
wurde, suchten Missvergnügte in Italien gegen den neuen
König
Hugo Anlehnung bei Herzog Arnulf und
riefen 933/34 (siehe oben) dessen Sohn
Eberhard zum König
aus,
offenbar mit Rücksicht auf dessen Abkunft von den
UNRUOCHINGERN.
Das Unternehmen hatte keinen Erfolg. Aber als
Berengar II., des älteren
BERENGAR
Enkel, 950 König von
Italien geworden war, kam es bezüglich
der
Herrschaft in Italien zu einem Ausgleich zwischen den Nachkommen
Unruochs
und BRENGARS I., indem OTTO
I. seinem mit Judith, der Schwester Eberhards,
vermählten Bruder, den Bayern-Herzog
Heinrich
I., dem 951 ein Sohn geboren war, 952 mit dem Nordosten des
Königreiches, der Mark Verona,
Berengar II.
samt seinem Sohne hingegen mit dem übrigen Italien belehnte.
910
oo Judith von Friaul, Tochter des Grafen
Eberhard
im Sülichgau
†
Großnichte von Kaiser
BERENGAR I.
Kinder:
Eberhard
um 912 † um 940
Arnulf Pfalzgraf
† 22.7.954
Hermann
† 954
Heinrich
†
Ludwig
um 930 † nach 974
Judith
919/25 † 29.7. nach 984
oo Heinrich I. Herzog von Bayern
† 1.11.955
Tochter
†
oo Burchard Graf von Geisenhausen
† 973
Berthold Markgraf von Schweinfurt
† 15.1.980
Quellen:
----------
Adalbert:
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Reichschronik Seite 29 - Hermann
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Literatur:
-----------
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- Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge
Band
I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 83 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen
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Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des
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Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München Seite
207-215,226,296-300,302,305, 312,358,366,377,406,441 - Störmer
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Göttingen
1962-1969 Seite 72 - Weinfurter,
Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag
Friedrich
Pustet Regensburg 1999, Seite 18 - Weller
Tobias: Die Heiratspolitik des
deutschen
Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag
Köln
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Karl Ferdinand: Die
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Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) Band IV
in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben.
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Ernst W.:
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