Begraben: Passau, Kloster Niedernburg
Älteste Tochter des Herzogs
Heinrich II. der Zänker von Bayern und der Gisela
von Burgund, Tochter von König
Konrad; Urenkelin von König HEINRICH
I.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1465
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Gisela, Königin von Ungarn
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* um 985, + 7. Mai ca. 1060
Passau
Begraben: Passau, Kloster Niedernburg
Tochter Herzog Heinrichs II. von Bayern und der Gisela von Burgund
oo 995/96 Stephan I.
Sohn des ungarischen Großfürsten Geza nach glaubwürdiger Tradition in Scheyern
Von mehreren zwischen 1000 und 1010 geborenen Söhnen erreichte nur Emmerich das Mannesalter. Gisela gilt als Stifterin der Domkirche in Veszprem ("Gisela-Kapelle"), wohl daher der Kirchturm in ihrer Hand auf dem ungarischen Krönungsmantel. Das Gisela-Kreuz in München stiftete sie für das Regensburger Grab ihrer Mutter. Die vom Nachfolger Stephans, König Peter, unwürdig behandelte Witwe kehrte vermutlich 1043 nach Bayern zurück, wo sie als Äbtissin des Klosters Niedernburg starb.
Literatur:
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LThK IV, 401f. - Sz. de Vajay, Gfs. Geysa, Familie und
Verwandtschaft, SOF 21, 1962, 59f., 90-92 - T. v. Bogyay, Stephanus rex.
Versuch einer Biogr., 1975, 18f. - A. Uzsoki, Das Grab G.s, der ersten
Kgn. Ungarns, Veszprem Megyei Muzeumok Közlemenyei 16, 1982, 125-168.
Vater:
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Herzog Heinrich II. der Zänker (951-995)
Mutter:
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Gisela von Burgund (+ 1007)
oo um 996 König Stephan der Heilige von Ungarn
Erziehung in einem Regensburger Kloster (Niedermünster?)
Schülerin des heiligen Wolfgang von Regensburg.
Nach der Heirat besondere Sorge um die Christianisierung
Ungarns.
1038 nach Stephans Tod
den Anfeindungen der heidnischen Partei ausgesetzt.
Befreiung Giselas
durch König HEINRICH III.
Eintritt in das Kloster Niedernburg in Passau, wo Gisela
bis
zum Tode als Äbtissin wirkte.
Durch Gisela
erhielt
das Kloster zahlreiche Schenkungen.
Literatur:
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A. Grüneis, Die Kgn. U. Äbtissin G. und ihr
Grab in d. Klosterkirche v. Niedernburg, in: Jahresbericht Passau 1953;
M. Birgit-Hielscher, Gisela, Königin von Ungarn u. Äbtissin v.
Passau-Niedernburg, i: OG 10, 1968; A. Leidl, Die sel. G., Kgn. v. Ungarn
(um 985-um 1060), in: Bavaria Sancta, III, 1973.
GISELA
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* 985, + Passau 7.V. 1065
Bebraben: ibidem Kloster Niedernburg
oo 996
STEFAN I. DER HEILIGE,
997 Großfürst, 1000 König von Ungarn (ARPADEN)
+ 15-. VIII. 1038
GISELA
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+ 1033
995
oo STEPHAN DER HEILIGE, König von Ungarn
+
VI, 33 GISELA
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Im Zusammenhang mit unserer Besprechung der Rolle der
Richeza
bei der Aussöhnung zwischen Polen und dem Reich bietet es sich an,
noch kurz auf die Vermählung der Schwester HEINRICHS
II., der Gisela, mit König
Stephan dem Heiligen von Ungarn einzugehen.
Da wir den Zeitpunkt der Vermählung nicht auch nur
annähernd bestimmen können, ist ein Zuordnung zu einer politischen
Großkonstellation nicht möglich. Nur soviel läßt
sich sagen, dass die Heirat wohl im Zusammenhang oder kurz vor der Königskrönung
Stephans
erfolgt sein dürfte; ein Ansatz auf die Zeit der Gründung des
ungarischen Erzbistums in Gran (1001) dürfte zeitlich zu spät
sein, während die Überlegungen von Mathilde Uhlirz, die die Taufe
Stephans
erst durch den heiligen Adalbert 996 vornehmen läßt und in diesen
Zusammenhang auch die Hochzeit
Stephans
einbezieht, zu gelehrt und konstruiert sind, um ernsthaft als Hypothese
für den historischen Ablauf in Erwägung gezogen werden.
Je nachdem, wie das Jahr der Eheschließung vermutet
wird, wäre die Funktion der Ehe im Rahmen der bayerischen Grenzsicherung
oder aber in der Konzeption der imperialen Politik Kaiser
OTTOS III. zu sehen. In jedem Fall steht von ungarischer Seite
aus die Heirat in Zusammenhang mit der Westöffnung dieses einstigen
Nomadenvolkes, die mit dessen Christianisierung unter Großfürst
Geysa, dem Vater Stephans,
Hand in Hand geht. Dies hat Hermann von Reichenau schon ganz richtig gesehen,
wenn er Gisela eine "Geisel des Glaubens"
nennt.
Gerade Bayern, das Heimatland Giselas,
hatte immer besonders unter den Ungarneinfällen zu leiden gehabt;
doch war auch der friedliche Kontakt zwischen dem Reitervolk und Bayern
hier am intensivsten. Es sei nur an die Flucht Herzog Arnulfs des Bösen
von Bayern zu den Ungarn erinnert oder an die engen Beziehungen zwischen
den bayerischen LUITPOLDINGERN und den Ungarn während des Liudolfaufstandes
und zur Zeit der Lechfeldschlacht. Auch nachdem als Folge der ungarischen
Niederlage auf dem Lechfeld die Reiterhorden ihre Raubzüge in das
Reichsgebiet aufgegeben hatten, waren die Beziehungen Bayerns in die Donauebene
nicht abgebrochen. So lag es durchaus nahe, für den Nachfolger und
Sohn Großfürst Geysas gerade
in dem angrenzenden Herzogtum um eine Braut zu werben.
In den größeren, das gesamte Reich betreffende
Zusammenhängen ist die Heirat der Gisela
in das Konzept der "Renovatio imperii Romanorum" einzureihen, mit dem die
Herrschaft von der Ebene des "regnum" auf die des "imperium" verlagert
werden sollte, das Konzept der letzten Regierungsjahre Kaiser
OTTOS III. Im Rahmen dieses "Renovatio"-Gedanken hatte der Kaiser
mit dem Polenherzog einen Freundschaftsbund begründet, ihn zum "frater
et cooperator imperii" ernannt und zum "amicius populi Romani" gemacht,
wobei Boleslaw auch eine Nachbildung der Heiligen Lanze überreicht
wurde. Parallel zur politischen Neuordnung wurde auch die Kirchenorganisation
durch die Errichtung eines eigenen polnischen Erzbistums in Gnesen vorgenommen.
Und in der gleichen Weise wurde auch Ungarn in die neue Politik integriert.
Der Einfluß der Gemahlin König
Stephans ist deutlich an der Namensgebung für die Kinder
des Ehepaares abzulesen. Die beiden einzigen Namen, die wir überhaupt
kennen, sind Emmerich (für Heinrich)
und Otto: beides typische OTTONEN-Namen.
Und wenn wir der Nachricht, die uns der bayerische Historiker Aventin im
16. Jahrhundert überliefert hat, Glauben schenken dürfen, so
hat König Stephan von Ungarn 1027
oder 1029 auf einem Reichstag zu Regensburg das bayerische Herzogtum für
seinen Sohn Emmerich als Nachkomme (Enkel) Herzog
Heinrichs des Zänkers gefordert. Die Forschung hat zwar
keine Einmütigkeit über die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht
erzielen können, doch scheint sich die Waage eher in einer positiven
Wertung zuzuneigen, zumal die Ablehnung der Ansprüche Emmerichs durch
König
KONRAD II. eine plausible Motivation für die gut bezeugten
und mit anderen Gründen nicht erklärbaren Grenzkonflikte zwischen
dem Reich und Ungarn liefern würden.
Auch die Vermählung der Gisela
mit Stephan von Ungarn ist in erster
Linie als Friedensstiftung zwischen dem Reich/Bayern und den Ungarn zu
werten. Doch zugleich war mit der Person Giselas ein Missionarsauftrag
verbunden, der letztlich auch wieder der Erweiterung des Herrschaftsbereiches
dienen sollte.
Gisela war die Eventualerbin des Herzogtums Bayern.
Lechner Karl: Seite 66,72
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich
976-1246"
Es gab zunächst ein langsames Vorschieben gegen Ungarn,
das in enger Beziehung zu Kaiser HEINRICH II.und
Bayern stand. HEINRICHS Schwester Gisela
(Tochter Giselas von Burgund) war mit
König
Stephan von Ungarn verheiratet. Mit ihr kam eine Reihe von deutscher
Adelsgeschlechtern nach Ungarn.
König Peter,
der Nachfolger ihres Mannes, bedrückte die Königin-Witwe
Gisela.
Weinfurter Stefan: Seite 28
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"Kaiser Heinrich II. - Bayerische Traditionen und europäischer
Glanz" in: Kaiser Heinrich II. 1002-1024. Begleitband zur Bayerischen
Landesausstellung 2002
Weit mehr als auf Italien hat HEINRICH II. seinen Blick auf den Osten gerichtet. Zu Ungarn bestanden von Beginn an enge Verbindungen. Seine Schwester Gisela (+ 1060) war noch vor dem Jahre 1000 die Gemahlin Stephans von Ungarn (+ 1038) geworden und vermittelte den Austausch kultureller und religiöser Impulse.
Wolfram Herwig: Seite 246-247
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"Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche."
Im Jahre 991 "triumphierte Herzog
Heinrich über die Ungarn." Das ungarische Herrscherhaus
der ARPADEN mußte daher wieder
zu einer Annäherung an den westlichen Nachbarn finden, noch zu Lebzeiten
seines Vaters heiratete der 994/95 getaufte Stephan
(der Heilige) Gisela, die Tochter Heinrichs
des Zänkers und Schwester desssen gleichnamigen Sohnes,
der soeben Herzog geworden war. Da diese Verbindung im Einvernehmen mit
dem ottonischen Königshof erfolgte
und der Schwager Stephans der spätere
Kaiser HEINRICH II. wurde, waren die guten Beziehungen Ungarns
zum Reich auf dauerhaftere Grundlagen gestellt. Mit der bayerischen Gisela
kamen nicht nur vermehrt christliche Missionare, sondern auch ein stattliches
Gefolge ins Land. Der Einfluß dieser "Gäste" reichte von militärischen
Belangen - mit bayerischer Hilfe hatte Stephan
nach
dem Tod des Vaters die Herrschaft behauptet - bis zum Urkundenwesen und
der Gesetzgebung.
Mit dem Tod HEINRICHS II.
waren auch die guten Beziehungen zwischen dem Reich und
Stephan I., dem Schwager des Verstorbenen, zu Ende. Warum KONRAD
II. mit der Politik seines Vorgängers gegenüber Ungarn,
aber auch gegenüber Venedig brach, liest man in keiner Quelle.
Eine Schlüsselfigur des Geschehens könnte der
Augsburger Bischof Bruno gewesen sein. Er war ja nicht nur Gegner
der Politik seines kaiserlichen Bruders HEINRICH,
sondern auch durch seine Schwester Gisela
der Schwager Stephans I.
Anscheinend war es aber die Kränkung des Thronfolgers
Heinrich-Emmerich, die den Gegensatz zwischen
SALIERN und ARPADEN auslöste.
Laut einer isolierten, sehr späten Nachricht habe sich Heinrich-Emmerich
Hoffnungen auf das Herzogtum Bayern gemacht, das er als Sohn der bayerischen
Herzogs-Tochter Gisela erben wollte. Man
fragt sich zwar, warum die Ungarn nicht schon 1017/18 das Herzogtum verlangt
hatten, als es wieder an den luxemburgischen Bruder
Kunigundes
gegangen war und die Kaiserin dabei sehr selbständig dessen Interessen
vertreten durfte; aber unglaubwürdig ist der überlieferte Anspruch
Emmerichs auf Bayern keineswegs [114
Thietmar,
Chronicon VII 66 und VIII 18. BG 1916a und 1934 b. - Schünemann, Deutsche
in Ungarn 30, und Bresslau, Jahrbücher I, 296f. Vgl. Reindel, Bayern
314 mit Anm. 84: Anspruch
Emmerichs
auf Bayern nach Aventin.].
995
oo Stephan I. der Heilige König von Ungarn
um 970-15.8.1038
Kinder:
Emerich der Heilige
1007-2.9.1031
(Agathe)
-
oo Eduard Prinz von England, Sohn König Edmunds
II.
-
Literatur:
-----------
Balazs György/Szelenyi Karoly: Die
Magyaren. Geburt einer Nation. Corvina Kiado Budapest Seite 23,25 - Beumann,
Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite
141,160 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart
Berlin Köln 1987, Seite 34,75,120 - Bresslau, Harry: Jahrbücher
des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker & Humblot
Leipzig 1879 Band I Seite 102,295,296,314,316 -
Erkens, Franz-Reiner:
Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich
Puset Regensburg 1998, Seite 14,152 - Giese, Wolfgang: Der Stamm
der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner
Verlag Wiesbaden 1979, Seite 145 - Glocker Winfrid: Die Verwandten
der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln
Wien 1989 Seite 305 - Hielscher,
Birgit M.: Gisela Königin von Ungarn und Äbtissin von Passau-Niederburg,
in: Ostbayerische Grenzmarken 10 1968 Seite 265-289 - Hlawitschka
Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des
11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich
klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1987, Seite 169 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 346,376,384
- Homan Balint: König Stephan I. der Heilige. Die Gründung
des ungarischen Staates. Wilhelm Gottlieb Korn Verlag Bresslau - Isenburg,
Wilhelm Karl Prinz von: STAMMTAFELN zur Geschichte der EUROPÄISCHEN
STAATEN Die deutschen Staaten, Verlag J. A. Stargardt Marburg 1953 Teil
I Tafel 3 - Kaiser Heinrich II. 1002-1024. Begleitband zur Bayerischen
Landesausstellung 2002 Konrad Theiß Verlag GmbH 2002 Seite
28 - Keller, Hagen: Die Ottonen. Verlag C.H. Beck München 2001
Seite 73 - Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier. Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 2002 Seite 48 - Lazar Istvan: Kleine
Geschichte Ungarns. Österreichischer Bundesverlag Wien 1990 Seite
55,80 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von
Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992,
Seite 60,66,69,72,74,319 A 18 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger.
Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite
71,99 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales
Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 139,285, 379,381 -
Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band
I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 10 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993
Tafel 13 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches
unter Heinrich III. 1. und 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1963 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 174 - Trillmich Werner: Kaiser
Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 - Vajay
Szabolcs de: Großfürst Geysa von Ungarn. Familie und Verwandtschaft.
in: Südostforschungen Band XXI R. Oldenbourg Verlag München 1962
Seite 59,90-92 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024)
Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999,
Seite 90,114 - Wolfram Herwig: Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche.
Verlag C.H. Beck München 2000 Seite 246-247 -