Bernhard II.                                  Edelherr zur Lippe (1167-1203)
---------------                                 Bischof von Selonien
um 1140-30.4.1224
               Selburg
 

2. Sohn des Edelherrn Hermann I. zur Lippe
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1989
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Bernhard II. zur Lippe, Bischof von Selonien
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* um 1140, + 29. oder 30. April 1224

2. Sohn des Edelherrn Hermann I. zur Lippe

Ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt und an der Domschule in Hildesheim erzogen, wurde er nach dem Tode seines älteren Bruders zur Übernahme des väterlichen Erbes in den Laienstand zurückberufen (1167), vermählte sich 1174 mit der Grafen-Tochter Heilwig von Altenahr (Mittelrhein), wurde ein getreuer Gefolgsmann Heinrichs des Löwen, hielt nach dessen Sturz (1180) mühsam seinen Gegnern stand, wurde aber 1184 vom Kaiser begnadigt. 1185 gründete er mit vielen anderen westfälischen Adligen das Zisterzienserkloster Marienfeld bei Warendorf; 1189 wurde er Vogt des Augustinerklosters Freckenhorst, erbaute die Stadt Lippstadt und wohl auch Lemgo. Eine schwere Erkrankung veranlaßte ihn, die Herrschaft über seine Besitzungen seinem ältesten Sohn Hermann II. zu überlassen und in das Kloster Marienfeld einzutreten (nach 1198, wahrscheinlich 1203), wo ihm eine Wunderheilung zuteil wurde. Hier kam er durch den Besuch des Abtes Theoderich von Dünamünde und des Liven-Fürsten Caupo mit der Livlandmission in Berührung und nahm das Kreuz. 1211 zog er mit Mönchen aus Marienfeld nach Dünamünde und wurde Abt dortselbst; 1218 weihte ihn sein Sohn Otto, seit 1215 Bischof von Utrecht zum Bischof von Selonien. Während seines vielfältigen Wirkens in Livland war er Parteigänger des Schwertbrüderordens und nahm an den Kämpfen in Estland teil. Auf ihn geht wohl die Stadtanlage in Fellin, vielleicht auch die von Kokenhusen zurück. Als Zisterzienser war er politisch und kämpferisch tätig, hat zeitweise das als wunderwirkend verehrte Freckenhorster Kreuz (mit einer Partikel aus dem Kreuz Christi) auch in Livland eingesetzt und wurde von den Zisterziensern nach seinem Tode als Seliger verehrt. Um 1260 widmete ihm Magister Justinus sein "Lippiflorium"

Literatur:
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M. Hellmann; Das Lettenland im MA, 1954, 149f. - P. Johansen, Lippstadt, Freckenhorst und Fellin in Livland. Werk und Wirkung B.s II. zur Lippe im Ostseeraum (Westfalen, Hanse, Ostseeraum, 1955), 95-160 [umfassende Lit.]



Bernhard II. wurde Domherr zu Hildesheim und folgte seinem in Italien umgekommen Bruder Hermann als Edelherr zur Lippe. Er war der einzige westfälische Große, der Heinrich den Löwen bis zuletzt unterstützte, da er ihm seine Machthöhe verdankte. Er machte dessen Feldzüge gegen die Friesen und 1179/80 gegen Erzbischof Philipp von Köln mit und scheiterte 1179 mit einem Überfall auf Soest. Er verlor 1179 die Schlacht bei Halerfeld gegen Erzbischof Philipp und wurde von diesem bis 1181 verjagt. Er behauptete bis 1181 Burg Haldesleben für Heinrich den Löwen, unterwarf sich Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA und wurde in Besitz und Rechten bestätigt. Er war der erste große Städtegründer des Hauses: Lippstadt und Lemgo entstanden und mit der Burg Falkenburg am Teutoburger Wald die älteste Landesfestung. Er geriet wegen ihr gegen die Grafen von Ravensberg, deren Interessengebiet berührt wurde, woraus jahrhundertelange Streitigkeiten und Fehden beider Häuser resultierten. Er wurde für Falkenburg Vasall der Bischöfe von Paderborn als Schutz, für Lippstadt der des Erzbischofs von Köln als besserer Schutz gegen Paderborn und bekam die Vogtei Geseke dazu. Er legte mit welfischen Rechtstiteln und den Vogteirechten die Grundlagen der lippischen Landesherrschaft. Er gewann auch die Herrschaft Rheda mit den Vogteien Liesborn und Freckenhorst und etlichen Freistühlen, sowie die Herrschaft Brake mit Wiembeck und dem Freistuhl Biest. Er war viele Jahre im engsten erzbischöflichen Gefolge zu finden, gründete das Kloster Marienfeld, wo er die Vogtei übernahm und zog sich dorthin als Zisterzienser zurück. Die Lehensverhältnisse mit den Bischöfen von Osnabrück, von Münster und von Paderborn und mit den Erzbischöfen von Köln waren Anlaß für jahrhundertelange Streitigkeiten und bestimmten die Geschichte von Lippe bis in die Neuzeit. Er ging später ins Baltikum, wurde Mitglied des Schwertritterordens, Abt von Dünaburg und zuletzt Bischof von Selonien-Kurland. Er reiste im hohen Alter sogar noch nach Rom und schaffte seinem Haus für lange Zeit noch ein Ansehen, das in keinem Verhältnis zur eigentlich geringen Macht von Lippe stand.
 
 
 
 

 1170
  oo Heilwig von Are-Hochstaden, Tochter des Grafen Otto I.
       um 1150-   1196
 
 
 
 

Kinder:

  Adelheid Äbtissin von Elten (1241-1244)
          - um 1244

  oo Heinrich von Cuyk Edelherr zu Arnsberg
              - vor 1220

  Heilwig
        -

  oo Gottfried III. Graf von Ziegenhain
              - um 1205

  Dietrich
      -1.8.1227 gefallen

  Otto II. Bischof von Utrecht (1215-1227)
         -1.8.1227 gefallen

  Bernhard IV. Bischof von Paderborn (1228-1247)
          -14.4.1247

  Gertrud II. Äbtissin von Herford (1217-1239)
          - um 1239

  Ethelind Äbtissin von Bassum
         - nach 1243

  Kunigunde Äbtissin von Freckenhorst (1219-vor 1225)
          - vor 1225

  Beatrix
         -   1244

  oo Heidenreich I. Graf von Lutterberg
              -   1228/30

  Gebhard II. Erzbischof von Bremen (1219-1258)
  um 1190-28.8.1258

  Hermann II.
  um 1175-25.4.1229 gefallen

  Margarete
          -

  oo Wilhelm von Brederode
              -   1221
 
 
 
 

Literatur:
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Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt 1998, Seite 358-374 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag 1993, Seite 127,195,200,207 -  Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 70 -