Begraben: Abtei Middelburg auf Walcheren
Ältester Sohn des Grafen Florenz IV. von Holland-Seeland
und der Mathilde von Brabant, Tochter von Herzog Heinrich I.
Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 126
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Wilhelm II., Graf von Holland, deutscher Gegen-König
1247-1256
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* 1228, + 28. Januar 1256
bei Alkmaar
Begraben: Abtei Middelburg auf Walcheren
Ältester Sohn des Grafen Floris IV. von Holland-Seeland und der Gräfin Mathilde von Brabant
1252
oo Elisabeth, Tochter Herzog Ottos von Braunschweig
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Sohn:
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Floris V.
Nach dem Tod seines Vaters seit dem 19. Juli 1234 Graf
von Holland, stand Wilhelm
II. unter der Vormundschaft seiner Onkel Wilhelm und Otto, Elekt
von Utrecht, bis er 1239 die Leitung der Grafschaft übernahm, wobei
seine Augenmerk insbesondere den aufblühenden Städten galt; so
erhielten 1245/46 unter anderem Haarlem und Delft, 1254 Alkmaar sogenannte
Keuren. Nach dem Tode des ersten anti-staufischen
Königs,
des Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe
wurde Wilhelm nach längerer Suche
nach einem geeigneten Kandidaten auf Vorschlag seines Onkels, Herzog Heinrichs
II. von Brabant, am 3. Oktober 1247 in Worringen bei Köln von der
päpstlichen Partei mit den Erzbischöfen von Köln, Mainz,
Trier und Bremen und mit dem Brabanter Herzog als einzigem Laien an der
Spitze zum König gewählt, eine Wahl, die sich als bedeutender
Schritt auf dem Weg zur Konstituierung des nachmaligen Kurfürstenkollegs
erwies, hatten sich doch nach Auskunft Papst Innozenz' IV. diejenigen Fürsten,
"denen die Wahl des Caesars zukommt", auf diesen Kandidaten verständigt.
Zu diesen "Vorwählern" zählten unzweifelhaft die Erzbischöfe
von Köln, Mainz und Trier. Die Anfänge WILHELMS
als "Pfaffen-König" waren mühsam, Köln wurde
erst nach Zugeständnissen gewonnen, Aachen öffnete sich erst
nach halbjähriger Belagerung, an der Friesen als Kreuzfahrer beteiligt
waren - so geschah die Krönung WILHELMS
am rechten Ort durch den rechten Mann, aber nicht mit den rechten Insignien.
Nur langsam konnte WILHELM II. seine
Position am Niederrhein festigen; Zollprivilegien für Zisterzen und
die Verpfändung von Reichsbesitz, so der Burg Nijmwegen an den Grafen
von Geldern, verstärkten den Zuzug, der freilich rheinaufwärts
über Frankfurt als Mauer zum staufer-freundlichen
Süden (Bayern, Pfalzgrafschaft und Bischofsstädte) nicht hinauskam.
Dies änderte sich nach dem Tode FRIEDRICHS
II. 1250 und dem Abzug KONRADS IV.
nach Italien 1251. Gestützt auf päpstlichen Zuspruch und
geldliche Zuwendungen bei einem Besuch in Lyon Ostern 1251 griff
WILHELM nach Nordwest- und Mitteldeutschland
aus und gewann eine bedeutende Anhängerschaft durch seiner Heirat
mit der Tochter Herzog Ottos von Braunschweig, der in der sogenannten Braunschweiger
Nachwahl wie auch die Brandenburger Markgrafen
WILHELMS
Erhebung
zum König zustimmte. Städte wie Goslar, Lübeck, auch Bremen
schlossen sich diesem Schritt an und empfingen oder erhielten erneut wichtige
Zollprivilegien für den holländischen
Wirtschaftsraum. Mit WILHELM erreichte
das Königtum letztmals in Person die nördlichen Territorien des
Reiches. Überlagert wurden diese politischen Fortschritte durch die
lehnsrechtliche Auseinandersetzung
WILHELMS
mit der Gräfin Margarete von Flandern um versäumte bzw. erforderliche
Mutung des Hennegaus (Reichsflandern) vom König bzw. W-Seelands als
flandrisches Lehen durch den König (als Grafen von
Holland). Militärische Verwicklungen, in die auch der Bruder
des französischen Königs, Karl von Anjou,
an der Seite der Gräfin eingriff, führten 1254 zu einem Waffenstillstand.
Nach dem Tode WILHELMS folgte ein Friedensabkommen.
Hatten sich bereits 1252 Frankfurt und manche Städte
und Burgen in der Wetterau dem König geöffnet, so war diesem
ein bemerkenswerter Erfolg beschieden, als er sich im Februar 1255 als
Reichsoberhaupt an die Spitze des sogenannten Rheinischen Bundes stellte,
dem bald mehr als 70 Städte zwischen Basel und Köln angehörten,
aber auch geistliche und weltliche Fürsten und Magnaten. Der König
beanspruchte für sich und für den von ihm ernannten Hofrichter
die Rolle des obersten Schiedsrichters und Rechtsbewahrers. Diese Allianz,
eine Verbindung von Königtum und kommunaler Bewegung, hätte möglicherweise
dauerhaft ein Gegengewicht gegen die althergebrachten feudalen Gewalten
entwickeln und die Reichsverfassung auf ein neues, breiteres Fundament
stellen können. Diese Wendung in seiner Politik hatte einen Bruch
mit der geistlichen Partei, vor allem dem Erzbischof von Köln, zum
Ergebnis, die sich mit Absetzungsplänen getragen haben soll. Insofern
wird man das Königtum WILHELMS VON HOLLAND
durchaus
positiver gewichten müssen als in Zeiten blinder
STAUFER-Verehrung
geschehen. Auch die Ausfertigung von nicht weniger als rund 400 Urkunden
lässt seine politische Wirksamkeit erkennen, zumal in den unter seinem
Vorsitz ergangenen Rechtssprüchen vielfältige Entwicklungen von
Lehn- und Reichsrecht dokumentiert sind. Sein unerwartetes Ende fand der
junge König als Landesherr auf seinem Winterfeldzug gegen die Westfriesen.
WILHELM II.
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* 1227, + 1256 gefallen
1234 Graf von Holland-Seelnad-Friesland
Wilhelm II. wurde bevormundet von Brabant und seinem Onkel, Bischof Otto I. von Utrechtund unterstützte im Flandernerbkrieg seinen Schwager Johann von Avesnes. Nach dem Tode von HEINRICH RASPE wählten am 3.10.1247 in Worringen niederrheinische Kirchenfürsten den Grafen Wilhelm von Holland zum Gegen-König ("Pfaffen-König"). Als König konnte sich WILHELM weder gegen FRIEDRICH II. noch gegen KONRAD IV. durchsetzen, obwohl ihm der Papst mit 30.000 Mark Silber ausstattete. Er belagerte Aachen ein halbes Jahr lang, ehe es sich ihm zur Krönung öffnete. Erst nach dem Abzug KONRADS IV. nach Italien konnte er sich schrittweise gegen die staufische Partei durchsetzen. Er besuchte 1251 Papst Innocenz IV. in Lyon und wurde von ihm anerkannt, die Kaiserkrönung in Aussicht gestellt. 1252 wurde er in einer Nachwahl der norddeutschen Fürsten bestätigt und seit dem Tode von König KONRAD IV. 1254 wurde er im Reich allgemein anerkannt. Er geriet bald gegen die Erzbischöfe von Mainz und Köln; gegen ersteren wegen Thüringen, wo die Erzbischöfe wichtige Positionen und Gebiete besaßen. Er unterstützte im Erbkrieg das Haus BRABANT gegen Hessen wegen seines Bündnisses mit dem Rheinischen Städtebund. WILHELM sollte zeitweise abgesetzt werden, wurde aber gestützt von Papst Innocenz IV. und Alexander IV. Er schloss 1254 Frieden mit Karl I. von Anjou, der zeitweise Hennegau besaß, womit der Flandernerbkrieg endete. Im Februar 1256 erkannte er den Rheinischen Städtebund an. Er fiel in der Schlacht bei Alkmaar gegen die Friesen. Nach seinem Tode kam es zur Doppelwahl, die Zeit des sogenannten "Interregnums". Mit seinem Tode begann sich der französische Einfluss im Niederrheingebiet auszubreiten.
oo 1252
ELISABETH VON BRAUNSCHWEIG,
Tochter des Herzogs Otto I. von Braunschweig-Lüneburg
+ 1266
Begraben: Middelburg
oo Braunschweig 25. I 1252
WILHELM II. 1234
GRAF VON HOLLAND
+ gefallen bei Hoogwoude 28. I 1256
Begraben: 1262 Middelburg
1247 König
Nach dem frühen Tod HEINRICH RASPES war es für die päpstliche Partei in Deutschland nicht leicht, einen neuen Gegen-König gegen Kaiser FRIEDRICH II. zu finden. Unter den Reichsfürsten kam nur Herzog Heinrich II. von Brabant in Betracht, der jedoch die Königssucher schließlich auf seinen jungen Neffen, den Grafen Wilhelm von Holland, aufmerksam machte. Am 3. Oktober 1247 wählten die rheinischen Erzbischöfe den 19-jährigen Wilhelm in Worringen zum deutschen König; die Krönung fand am 1. November 1248 in Aachen statt, nachdem die Bürger ihm ein Jahr lang den Einzug in die Stadt verweigert hatten. In langsamen Kämpfen rheinaufwärts gewann WILHELM die Herrschaft in Deutschland, konnte sich aber erst durchsetzen, als bald nach dem Tode FRIEDRICHS II. König KONRAD IV. zur Wahrung seiner italienischen Erbansprüche Deutschland verlassen hatte.
Mühlbacher Josef: Seite 89-91
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"
Nun trat Heinrich II. neuerdings als Mitbewerber um die
deutsche Krone auf, schlug dann aber den ihm nahe verwandten 19-jährigen
Grafen
Wilhelm von Holland vor. Dessen Mutter war eine Schwester Heinrichs
II., Maria, deren erster Gemahl
OTTO
IV.
1218 gestorben war. Mit WILHELM
VON HOLLAND wurde nach HEINRICH RASPE
ein zweiter Verwandter der BRABANTER und STAUFER
Gegen-König
FRIEDRICHS II.
Bei
WILHELMS Wahl 1248 war Heinrich
II. zugegen. WILHELM VON HOLLAND hielt
sich nur durch die großen geldlichen Zuwendungen des Papstes über
Wasser.
Nun meldete sich auch wieder die Feindschaft der WELFEN
gegen die STAUFER.
WILHELM
VON HOLLAND bekam Elisabeth,
eine Tochter Herzog Ottos von Braunschweig, zur Frau. Während des
Beilagers in Braunschweig am 25. Januar 1252 geriet das Brautbett durch
eine umgefallene Kerze in Brand. Die Verwilderung der Sitten auch in den
Kreisen des Adels machte sich bemerkbar. Als WILHELMS
Gemahlin von Trifels nach Worms reisen wollte, wurde sie von dem Raubritter
Hermann von Ritberg solange in Odernheim gefangengehalten, bis sie ihm
alle Kleinodien ausgehändigt hatte. Der Erzbischof von Köln,
ein Gegner WILHELMS VON HOLLAND, ließ
das Haus in Neuß, indem der König wohnte, anzünden, damit
der König darin verbrenne. Als der König am 28. Januar 1256
mit seiner schweren Rüstung in der Gegend des Berkmeeres durchs Eis
brach, wurde er von den ihm feindlichen Frieden erschlagen.
25.1.1252
oo Elisabeth von Braunschweig, Tochter des
Herzogs Otto I.
um 1235-27.5.1266
Kinder:
Florenz V.
1254-27.6.1296
Mechthild
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Literatur:
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Die Zähringer. Schweizer Vorträge und
neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1990, Seite 42,240-244 - Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst
- Kultur. (Hg.) Reiner Haussherr. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977
Band I-IV - Engel, Evamaria: Wilhelm von Holland, in Deutsche Könige
und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 231-239 -
Engels,
Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972,
Seite 155,156,158 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das
Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden
1979, Seite 215-217,221 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der
deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Jaeckel,
Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen
von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite
100
- Leo Heinrich: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten,
Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 684-696 - Mühlbacher,
Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen, Bechtle Verlag
Esslingen 1977 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden.
Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982
- Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 38, 284,285 -
Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum.
Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwennicke Detlev: Europäische
Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am
Main 1998 Tafel 19 - Stürner Wolfgang: Friedrich II. Teil 2
Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 - Thiele, Andreas:
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte
Band II, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 9 -
Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist,
Bechtle Esslingen 1998, Seite 90,119,156 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher
der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig
2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 384,467 -