Begraben: St. Blasius zu Braunschweig
3. Sohn des Herzogs Heinrich
XII. der Löwe von Bayern-Sachsen aus dem Hause der WELFEN
aus
seiner 2. Ehe mit der Mathilde von England,
Tochter von König Heinrich II.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1570
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OTTO IV., römisch-deutscher König und Kaiser
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* wahrscheinlich 1175 oder 1176, + 19. Mai 1218
Braunschweig
auf der Harzburg
Begraben: St. Blasius zu Braunschweig
3. Sohn Herzog Heinrichs des Löwen und der Mathilde, Tochter König Heinrichs II. von England
oo 22. Juli 1212 Beatrix, Tochter PHILIPPS VON SCHWABEN
Ehe kinderlos
Die Wahl des Namens könnte unter Anknüpfung
an die ottonischen Kaiser des 10. Jahrhunderts
ein Hinweis auf den Königsgedanken Heinrichs des Löwen
und das Selbstverständnis des welfischen
Hauses sein. Ursprünglich wohl als Erbe des Herzogtums Bayern
ausersehen, wurde OTTO IV. nach dem
Sturz Heinrichs des Löwen der Obhut seines Oheims Heinrich
II. [richtig: Großvaters] anvertraut. Seit 1182
wuchs er am englischen Königshof beziehungsweise in der Normandie
auf, wo er Gunst und Freundschaft von Richard
Löwenherz erlangte. Richards Versuch,
OTTO
IV. 1190 mit der Grafschaft York auszustatten, scheiterten ebenso
wie der Plan, ihm über eine Heirat die schottische Krone zu verschaffen.
1196 wurde OTTO mit der Grafschaft
Poitou belehnt, was ihm den Titel eines Herzogs von Aquitanien
einbrachte. Er bewährte sich im Krieg gegen Frankreich als Heerführer
König
Richards. Als nach dem Tod
Kaiser HEINRICHS
VI. dessen Gemahlin
Konstanze die
Verbindung Siziliens zum Imperium löste und ihren Sohn FRIEDRICH
ROGER der Vormundschaft des Papstes unterstellte, wählten
die am staufischen Kaiserhaus festhaltenden
Fürsten den Bruder HEINRICHS, Herzog Philipp
von Schwaben, im März 1198 in Thüringen zum König.
Die anti-staufische Opposition beschloß
unter dem Einfluß der am Englandhandel interessierten Kölner
Bürgerschaft und auf Initiative von Richard
Löwenherz, dem STAUFER
einen WELFEN entgegenzustellen. Obwohl
kein Reichsfürst, wurde OTTO IV. -
sein ursprünglich ins Auge gefaßter älterer Bruder Heinrich
befand sich noch auf dem Kreuzzug - am 9. Juni 1198 von den STAUFER-Gegnern
zum
König gewählt. OTTO IV. bemächtigte
sich im raschen Zugriff Aachens, wo er am 12. Juli 1198 von Erzbischof
Adolf von Köln mit nachgebildeten Insignien gekrönt wurde. Er
versprach, die Rechte und Besitzungen der Kirche anzuerkennen und auf das
Spolienrecht zu verzichten. In dieser Situation verstand es Innozenz III.,
eine Schiedsrichterrolle im deutschen Thronstreit zu banspruchen, um letztlich
dem Kandidaten seine Zustimmung zu erteilen, der bereit war, auf die päpstlichen
Forderungen einzugehen. Gleichzeitig geriet Deutschland in das Fahrwasser
des englisch-französischen Gegensatzes, da König
PHILIPP VON SCHWABEN das staufisch-kapetingische
Bündnis erneuerte und Militärhilfe gegen England versprach, das
OTTO
IV. großzügig mit Geld unterstützte.
Um die Jahreswende 1200/01 entschied sich Innozenz III.
öffentlich für
OTTO IV. ("Deliberatio
de tribus electis", "Venerabilem"). Während die staufische
Partei
die von Innozenz in Italien ins Werk gesetzte territoriale Gestaltung nicht
anerkannte und gegen die kuriale Einmischung in die deutsche Königswahl
protestierte, beschwor OTTO IV. am
1. März in Neuß unter anderem die päpstliche Rekuperationen
anzuerkennen und den Papst in Sizilien zu unterstützen. Trotz der
päpstlichen Hilfe verschlechterte sich die Lage OTTOS
IV. zusehends, da er in Deutschland als Landfremder nicht über
die materiellen und finanziellen Resourcen wie sein Gegenspieler verfügte
und ihm nach dem Scheitern König Johanns
Ohneland in Frankreich vollends die englische Unterstützung
fehlte. Viele seiner Parteigänger, unter anderem sein Bruder, der
rheinische
Pfalzgraf Heinrich und Erzbischof Adolf von Köln, liefen zu
PHILIPP
über. Nachdem OTTO IV. am 27.
Juli 1206 bei Wassenberg von PHILIPP
geschlagen worden war, ließ ihn auch Innozenz III. fallen. Als PHILIPP
sich
in Deutschland weitgehend durchgesetzt hatte, wurde er am 21. Juni 1208
von dem bayerischen Pfalzgrafen, Otto von Wittelsbach, in Bamberg ermordet.
OTTO
IV. verlobte sich mit PHILIPPS
Tochter und wurde mit Unterstützung der staufisch
gesinnten Reichsdienstmannen allgemein als König anerkannt. Nach seiner
Nachwahl am 11. November 1208 setzte sich OTTO
erfolgreich
für die Wahrung des Landfriedens ein und erneuerte ohne fürstliche
Zeugen den Neußer Eid. Innozenz III. verlangte hingegen die reichsrechtliche
Sanktionierung dieser Versprechen durch die Fürsten. OTTO
IV. vertröstete ihn bis nach
der Kaiserkrönung, die Innozenz nicht ohne Bedenken am 4. Oktober
1209 vollzog. OTTO IV. begriff wahrscheinlich
das Kaisertum und das Imperium als transpersonale Größen, deren
Interessen es zu wahren galt. Er setzte sich über den Neußer
Eid hinweg und betrieb, unter Anknüpfung an die Verhältnisse
unter HEINRICH VI., die Wiederherstellung
der Reichsgewalt in Italien, wobei er dem Papst die kaiserliche plenitudo
potestatis entgegensetzte. Unter anderem ging er daran, Sizilien zu
erobern, und stand im Herbst 1212 in Kalabrien, wo er auf die Flotte wartete,
die ihn auf die Insel übersetzen sollte. Auf Betreiben des französischen
Königs Philipp August und mit den Einverständnis des
Papstes, der inzwischen
OTTO IV. gebannt
hatte, wählten in dieser Situation einige Fürsten den jungen
König von Sizilien,
FRIEDRICH ROGER,
zum zukünftigen Kaiser. Um den Aufstand niederzuwerfen, eilte OTTO
IV. nach Deutschland zurück. Als nach anfänglichen
Erfolgen OTTOS IV. im September 1212
FRIEDRICH
in Konstanz einzog und OTTOS IV. staufische Gemahlin
starb, fiel der alte staufische Anhang
reihenweise von ihm ab. Ein übriges taten das französische Geld
und die vom Reichskanzler, Bischof Konrad von Speyer, veröffentlichten
Reformpläne des Kaisers mit ihrer negativen Wirkung auf Kirche und
Fürsten. Während sich OTTO IV. zunächst
nach Köln, dann nach Sachsen zurückziehen mußte und er
sich schließlich nach Dänemark und England begab, wurde
FRIEDRICH
II. am 5. Dezember 1212 von der Mehrheit der Fürsten erneut
zum König gewählt und vier Tage später in Mainz gekrönt.
Keiner der beiden rivalisierenden Könige konnte indes den anderen
militärisch niederringen. Die Entscheidung fiel im französich-englischen
Krieg, in den sich OTTO IV. als Verbündeter
Johanns
Ohneland eingeschaltet hatte. Am 27. Juli 1214 errang
Philipp August bei Bouvines einen überragenden Sieg, und
OTTO
IV. verlor mit seiner Niederlage auch den Kampf um Deutschland.
Meist zu negativ betrachtet, wurde OTTO
IV.
das Opfer einer staufisch gesinnten
Geschichtsschreibung; das von Burchard von Ursberg über ihn gefällte
Urteil "superbus et stultus, sed fortis" ist sicher unzutreffend.
Literatur:
------------
E. Winkelmann, Philipp v. Schwaben und O. IV. v. Braunschweig,
2 Bde, 1873-1978 - B. U. Hucker, O. IV., 1990.
XIII. 353 b. OTTO IV., Graf von Poitou,
Deutscher König 1198 29. III., Kaiser 1209 4. X.
-----------------------------
* ca. 1177, + 1218 19. V.
Gemahlinnen:
-----------------
a) 1212 22. VII. Beatrix, Tochter König PHILIPPS
VON SCHWABEN (siehe XIV 527)
+ 1241 28. III.
b) 1214 19. V. Marie, Tochter Herzog Heinrichs I. von
Brabant (siehe XIV 596)
+ nach 1260 9. III., vor 12. X.
OTTO IV.
--------------
* (1176-1177) + auf der Harzburg 19. V 1218
Begraben: Braunschweig
Aachen 12. VII 1198 als KÖNIG gekrönt
Frankfurt 11. XI 1208 Nachwahl
Rom 4. X 1209 KAISER
1. oo Nordhausen
BEATRIX VON STAUFEN
* (1198), + 11. VII 1212
Begraben: Braunschweig Dom
Tochter von König PHILIPP VON SCHWABEN
2. oo Maastricht 19. V 1214
MARIA VON BRABANT
, test. 9. III 1260, 14. VI 1260 +
Begraben: Löwen St. Peter
Tochter von Herzog Heinrich I.
(oo II VIII 1220 Wilhelm I. Graf von Holland + 4. II 1222)
KAISER OTTO IV.
--------------------------
* 1175/77 in Sachsen (?)
+ 19.5.1218 auf der Harzburg
Grabstätte: Dom zu Braunschweig
Vater: Heinrich der Löwe, Sohn Heinrichs des
Stolzen, herzog von Bayern und Sachsen (+ 1139), und der Gertrud von Supplinburg
(+ 1143), Tochter Kaiser LOHARS III.
* 1132/33
+ 6.8.1195 in Braunschweig
Grabstätte: Dom zu Braunschweig
Mutter: Mathilde (+ 1189), Tochter König Heinrichs
II. von England (+ 1189), und der Eleonore von Poitou (+ 1204), Tochter
des Guiollaume, Grafen von Poitou, Herzogs von Aquitanien (+ 1137)
* 1156
+ 28.6.1189 in Braunschweig
Grabstätte: Dom zu Braunschweig
1. oo 24.5.1209 in Würzburg (verlobt seit
Sommer 1207)
BEATRIX VON SCHWABEN
* April/Juni 1198 in Worms
+ 11.8.1212 in Nordhausen
Grabstätte: Dom zu Braunschweig
Eltern: König PHILIPP VON SCHWABEN und Irene, Tochter Kaiser Isaaks II. Angelos von Byzanz
2. oo 19.5.1214 in Aachen
MARIA VON BRABANT (mit ihr schon 1198 verlobt)
* (1191), + (nach 9.3., vor 14.6.) 1260
Grabstätte: Löwen, St. Peter
Eltern: Heinrich I., Herzog von Brabant (+ 1235), und Mathilde (+ 1210/11), Tochter des Matthäus vom Elsaß, Grafen von Boulogne
9.6.1198: in Köln von niederrheinisch-westfälischen
Fürsten zum römischen König gewählt
12.7.1198: in Aachen zum römischen König gekrönt
11.11.1208: Neuwahl in Frankfurt
4.10.1209: in Rom von Papst Innozenz III. zum Kaiser
gekrönt
Jordan Karl: Seite 214-216,230-232
**********
"Heinrich der Löwe"
Gegen Ende Juli des Jahres 1182 trat Heinrich der Löwe
von
Braunschweig aus die Fahrt in die Verbannung zu seinem Schwiegervater
Heinrich
II. von England
an. In seiner Begleitung befanden sich seine
Gemahlin Mathilde, ihre einzige Tochter
Richenza,
die an Stelle dieses im anglonormannischen Bereich ganz ungewöhnlichen
Namen fortan den Namen ihrer Mutter Mathilde
annahm, ferner Heinrich
und Otto, der erste und der dritte
Sohn des Herzogspaares. Erst im Frühjahr 1185 setze
Heinrich
und Mathilde mit ihrem Gefolge nach
der Normandie über und kehrten im Herbst nach Braunschweig zurück.
Auf jeden Fall kam ihr ältester Sohn Heinrich mit nach Deutschland,
wo wir ihn in der Folgezeit wiederholt in der Umgebung seines Vaters sehen.
Vielleicht kehrte auch Otto
für
kurzer Zeit nach Sachsen zurück.
Schon vorher hatte Heinrich der Löwe in den
ersten Apriltagen des Jahres 1189 zur Zeit des Osterfestes zusammen mit
seinem Sohn Heinrich Sachsen verlassen und die Reise nach England
angetreten. Von den übrigen Söhnen hielten sich OTTO
und
Wilhelm
bereits
in England auf.
Dafür, dass Richard Löwenherz
von England seine Verpflichtungen einhalten würde, stellte
er dem Kaiser die beiden jüngeren Söhne Heinrichs des Löwen,
OTTO
und Wilhelm, die sich damals in England aufhielten, als Geiseln.
Nach der Aussöhnung zwischen STAUFERN
und WELFEN in der Pfalz Tilleda im
März 1194 hatte sein Onkel König Richard
für den damals etwa 17-jährigen OTTO
die Erlaubnis erwirken wollen, dass er unter Aufhebung seiner Geiselhaft
den Kaiser ebenfalls nach Italien begleiten dürfe. HEINRICH
VI. lehnte dies aus Mißtrauen
gegenüber den WELFEN ab, gewährte
aber OTTO während dieser Geiselhaft
gewisse Erleichterungen. Gegen Ende des Jahres wurde
OTTO
freigelassen und begab sich sofort zum englischen König, der ihn bald
mit der Grafschaft Poitou belehnte.
Schneidmüller Bernd: Seite 266
******************
"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."
Krankheit und Tod
Im Angesicht des Todes zog OTTO
IV. im Mai 1218 auf die Harzburg. Aktiv bis zum Schluß,
regelte er die letzten Dinge und machte seinen Frieden mit der Kirche.
Darüber unterrichteten OTTOS Testament,
das erste urkundlich erhaltene politische Testament eines mittelalterlichen
Kaisers, und ein vermutlich vom Zisterzienserabt Friedrich von Walkenried
niedergeschriebener Augenzeugenbericht (Narratio de morte Ottonis IV,.
imperatoris). Unter einer ruhrartigen Durchfallerkrankung leidend,
rief der Kaiser den Abt von Walkenried und Propst Goswin von St. Burchard/Halberstadt
zu sich, außerdem den Bischof von Hildesheim. Eine Rückschau
auf seine politischen Leistungen verband OTTO
unter Bußübungen mit einem umfassenden Schuldbekenntnisüber
seine Verfehlungen gegenüber der römischen Kirche. Am 15. Mai
erlangte er die Zusage der Sündenvergebung. Am 18. Mai errichtete
er sein Testament, in dem er sich an die letzten Getreuen wandte, an seinen
Bruder Pfalzgraf Heinrich, an seine Ministerialen und an die Braunschweiger
Bürger. Seine kaiserlichen Herrschaftszeichen - das heilige Kreuz,
die Lanze die Krone, ein Zahn Johannes' des Täufers und die übrigen
Insignien mit Ausnahme des nach St. Aegidien/Braunschweig gestifteten Mantels
- übertrug er dem Bruder mit der Auflage, sie nach einer Wartezeit
dem einmütig von den Fürsten gewählten Herrscher auszuhändigen,
auch FRIEDRICH II. als dem "jetzt Gewählten,
wenn sich die Fürsten auf ihn einigen." Kein Geld solle der Bruder
dafür annehmen, es sei denn, er könne das Erbe des Hauses (patrimonium)
dafür zurückgewinnen. In Einzelbestimmungen erwies sich der Sterbende
als freigebiger, schenkender Herrscher, der insbesondere den Besitz des
Braunschweiger Stifts St. Blasius wie den Kirchenschatz mit fast allen
seinen Reliquien mehrte. Tags darauf, am 19. Mai 1218, starb OTTO
IV. auf der Harzburg. Albert von Stade wußte später,
daß der Kaiser von solch "unsagbarer Reue ergriffen wurde, daß
er seinen Köchen befahl, ihm auf den Hals zu treten". Bischof Siegfried
von Hildesheim bestattete den reuigen und wieder in den Schoß der
Kirche aufgenommenen Herrscher in St. Blasius/Braunschweuig, an der Seite
seiner Eltern und seiner ersten Gemahlin Beatrix.
Hier festigte sich dadurch die welfische
Grablegetradition.
22.1.1212
1. oo Beatrix die Ältere von Schwaben, Tochter
des Königs PHILIPPS
x 1198-11.8.1212
19.5.1214
2. oo 1. Maria von Brabant, Tochter des Herzogs
Heinrich I.
x
um 1191-nach 9.3.1260
Literatur:
-----------
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Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993,
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Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker
& Humblot Leipzig 1873, Seite 14-566 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher
der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig
2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite I 507 II 3,12,84,91,95,99,519,520,
527-535,537 -