Lombardischer Edelmann
Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 280
********************
Alberich, Markgraf von Spoleto
-----------
+ nach 917
Wohl fränkischer Herkunft; taucht zum ersten Mal 899 in der Schlacht an der Trebbia an der Seite WIDOS II. VON SPOLETO in den Quellen auf. Durch Ermordung Widos IV. (896/97) setzte er sich in den Besitz der Markgrafschaft Spoleto, war aber vielleicht vorher schon Graf von Fermo. König BERENGAR I. muß schon bald Alberichs Herrschaft in Spoleto anerkannt haben, denn 899 kämpften Kontingente aus Camerino und Spoleto mit ihm gegen die Ungarn. 904 war Alberich mit Markgraf Adalbert II. von Tuszien an der Erhebung Papst Sergius' III. beteiligt. Ein weiterer Beweis für die zeitweilige Interessenkoalition der beiden Markgrafen war die Sperrung der Straße nach Rom, um BERENGAR I. an der beabsichtigten Kaiserkrönung zu hindern (906/07). Besonders hervorgetreten ist Alberich 915 im Abwehrkampf gegen die Sarazenen am Garigliano. Aus der Verbindung mit der Römerin Marozia hatte Alberich einen gleichnamigen Sohn, den späteren "princeps". Art und Chronologie ihrer Beziehung sind umstritten. Alberichs Todestag läßt sich nicht sicher bestimmen. Er erscheint zuletzt in einer sicher datierbaren Urkunde 917 im "Liber largitorius" des Klosters Farfa.
Literatur:
-----------
DBI, 657-659 - A. Hofmeister, Mgf.en und Mgft.en im ital.
Kgr., MIÖG Ergbd. 7, 1907, 413ff. - H. Müller, Topograph. und
genealog. Unters. zur Gesch. des Hzm.s Spoleto und der Sabina von 800 bis
1100 [Diss. Greifswald 1929] - E. Hlawitschka, Franken, Alemannen, Bayern
und Burgunder in Oberitalien (774-962), 1960.
ALBERICH I.
-------------------
+ 915 gefallen
Graf von Fermo
Alberich I. war Stütze der kaiserlichen WIDONEN und machte 889 die Schlacht an der Trebia gegen BERENGAR I. VON FRIAUL mit. Um 900 ermordete er Herzog Wido IV. von Spoleto, den Bruder von Kaiser LAMBERT, und folgte ihm als Markgraf von Spoleto. Er ging eng mit dem Haus TUSCULUM zusammen und verhinderte bis zuletzt die Kaiserkrönung von BERENGAR I. Er errang durch Heirat die Herrschaft über Rom unter dem Titel eines Patricius. Er vereinigte sich 916 mit Papst Johannes X. und dem Grafen Theophylakt von Tusculum zur Vertreibung der Sarazenen (14.6.916 Sieg am Garigliano). Von demselben Papst aus Rom verbannt, wurde er in Orta ermordet.
oo MAROZIA VON TUSCULUM
+ nach 935 im Gefängnis des Sohnes
Tochter des Grafen Theophylakt I.
Senatrix von Rom, Geliebte des Papstes Sergius III. und
eigentliche Herrscherin während der sogenannten "Poronokratie"
Buch II
48. Die schamlose Hure Theodora, Großmutter
des kürzlich verstorbenen Alberich [38 Alberich, Patricius
der Römer, ist 954 gestorben.], herrschte - es ist auch zu sagen
eine Schande - nicht unmännlich über die Stadt Rom. Sie hatte
zwei Töchter [39 Töchter des Konsuls und römischen
Senators Theophylactus. Marozia
führte gleich ihrer Mutter den Titel senatrix.], Marozia
und Theodora, ihr nicht nur gleich, sogar noch eifriger im Venusdienst.
Die eine von ihnen, Marozia, brachte
in ruchlosem Ehebruch von oben [40
Vgl. I Anm. 51.] genannten Papst
Sergius den Johannes zur Welt, der nach dem Tode des Johannes
von Ravenna dir höchste Würde der römischen Kirche erlangte
[41 Johannes XI.
931-935.], vom Markgrafen Alberich [42 Markgraf von Spoleto
897-c. 925.] aber den Alberich, der später, zu unserer Zeit,
die Herrschaft über die Stadt Rom an sich riß. Zur gleichen
Zeit hatte den erzbischöflichen Sitz in Ravenna Petrus [43 Es
war nicht der Erzbischof von Ravenna, sondern Bischof Peter von Bologna,
an dessen Kirche der nachmalige Papst
Johannes X. Diaconus war.] inne, der dem Range nach als der nächste
galt nach dem römischen Oberpriester. Dieser schickte im Dienst schuldigen
Gehorsam den genannten Papst Johannes, damals einen Diener seiner
Kirche, wiederholt nach Rom zum apostolischen Vater. Theodora aber,
eine, wie ich es vorhin bezeugte, recht schamlose Dirne, von der Hitze
der Venus entflammt, verliebte sich heftig in die schöne Erscheinung
des Johannes und wollte mit ihm nicht nur huren, sondern nötigte
ihn nachher immer wieder dazu. Während dieses schamlosen Treibens
starb der Bischof von Bologna, und derselbe Johannes wurde statt
seiner gewählt. Kurz darauf, vor dem Tage seiner Weihe, starb der
genannte Erzbischof von Ravenna, und derselbe Johannes verließ
auf Betreiben der Theodora die bisherige Kirche Bologna und beanspruchte
vom Ehrgeiz aufgeblasen, entegegen den Satzungen der heiligen Väter,
dessen Nachfolge. Nach seiner Ankunft in Rom wurde er alsbald als Bischof
der Kirche Ravenna eingesetzt. Nach kurzer Zeit aber verschied, von Gott
gerufen, auch der Papst, der ihn wider das Recht eingesetzt hatte. Theodora-Glycerium
[44 Glycerium ist der Name einer virgo in der Andria des Terentius.]
aber, deren verdorbenes Gemüt es nicht dulden konnte, daß ihr
Liebhaber, zweihundert Meilen, die Rom von Ravenna trennen, von ihr entfernt,
nur selten zum Beischlaf zur Verfügung stehen würde, nötigte
ihn, den - erzbischöflichen Stuhl in Ravenna zu verlassen und - es
ist unerhört - in Rom die höchste Würde als Pontifex in
Besitz zu nehmen. Nachdem er in dieser Weise zum Nachfolger des heiligen
Apostel bestellt war, verwüsteten die Punier, wie ich berichtet habe,
in jämmerlicher Weise Benevent und die römischen Städte.
Dümmler Ernst: Seite 600
*************
"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"
Vom König BERENGAR, dem Johannes Anfang Dezember 915 mit herkömmlicher Feierlichkeit die lange ersehnte Kaiserkrone aufs Haupt setzte, versprach sich dieser wohl ebenso wenig einen wirklichen Beistand, als ihn seine Vorgänger geleistet hatten; Unterstützung gewährte ihm dagegen der Markgraf Alberich von Spoleto, der seinen Namen nach fränkischer oder langobardischer Abkunft, nach dem Aussterben der WIDONEN in ihre Erbschaft eingetreten war. In mehreren kleineren Treffen wurden die Sarazenen aus der Sabina, in der sie sich zu Ciclioani, Narni und Orta festgesetzt, von den Mannschaften von Rieti, Nepi und Sutri überall zurückgeworfen und traten sämtlich den Rückzug an den Garigliano an. Dort vereinigten sich gegen sie der Papst, der Markgraf von Spoleto, der Fürst Landolf von Benevent und Capua nebst seinem Bruder Atenolf, Waimar von Salerno und endlich griechische Mannschaften, die auf den Hilferuf der italienischen Fürsten der Patricius Nikolaus Picingli herbeiführte. Nach einem heißem Kampfe, in welchem Alberich wie ein Löwe focht, wurden die Sarazenen genötigt, sich in ihre auf einem Berge gelegenen Verschanzungen zurückzuziehen.
Riche Pierre: Seite 281
***********
"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."
Johannes X. war ein tatkräftiger Papst. Zusammen mit Alberich von Spoleto und Adalbert von Tuscien, aber auch mit Unterstützung der Byzantiner gelang es ihm, die Sarazenen aus ihrem Schlupfwinkel am Garigliano zu vertreiben (915). Nach dem Sieg am Garigliano verheiratete Theophylakt seine Tochter Marozia mit Alberich I., einem hervorragenden Kriegsmann, der seit 898 in der langobardischen Markgrafschaft Spoleto regierte. Bis 925 beherrschten Marozia und Alberich - dessen genaues Todesjahr unbekannt ist - den Lateran. Papst Johannes X. sah in der Ankunft von König Hugo einen Ausweg, um sich vom Einfluß Marozias zu befreien.
Schreiber Hermann: Seite 77
*****************
"Geschichte der Päpste"
Es ist Liudprands erklärtermaßen gegen seine
Freunde gerichtetes autobiographisches Buch Liudprandi antapodosis.
"In dieser Zeit saß auf dem verehrungswürdigen
römischen Stuhl Johannes von Ravenna. Er aber hatte das höchste
Bischofsamt durch ein gottloses Verbrechen wider göttliches und menschliches
Recht auf folgende Art erlangt (48): Die schamlose Hure Theodora,
Großmutter des kürzlich verstorbenen Patricius Alberich,
herrschte nicht unmännlich über die Stadt Rom. Sie hatte von
dem Konsul und Senator Theophylakt zwei Töchter namens
Marozia
und Theodora, die ihr nicht nur gleich, sondern im Venusdienst sogar
noch eifriger waren.
Marozia brachte
in ruchlosem Ehebruch von dem Papst Sergius III. (897/98 und 904/11)
den Johannes zur Welt, der nach dem Tod des Johannes von Ravenna
die höchste Würde der römischen Kirche erlangte (Johannes
XI., 931-935); von dem Markgrafen Alberich
von Spoleto aber empfing sie einen Sohn namens Alberich,
der später, zu unserer Zeit, die Herrschaft über die Stadt Rom
an sich riß." Wenige Zeilen später beschuldigt Liudprand auch
den Papst Johannes X. des intimen Umgangs mit Theodora,
der Schwester der
Marozia, und
schreibt es dem Einfluß der Frauen zu, dass der in Ravenna allzuweit
von Rom entfernte, gut aussehende Johannes auf den Stuhl Petri nach Rom
geholt wurde.
um 910
oo 1. Marozia, Tochter des Theophylakt
um 890 - 932
Kinder:
Alberich II.
911-31.8.954
Literatur:
-----------
Adalberts Fortsetzung des Regino. in: Ausgewählte
Quellen zur Deutschen Geschichte Band VIII Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1977 Seite 216 - Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag
W. Kohlhammer, 1991 Seite 51 - Dümmler Ernst: Geschichte des
Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865
Seite 600 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und
Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen
Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau
1960 Seite 77,115,168,275 - Hlawitschka Eduard: Stirps Regia. Forschungen
zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter.
Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Verlag
Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 226 - Holtzmann
Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch
Verlag München 1971 Seite 99 - Liudprands von Cremona: Werke
in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Band VIII Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1977 Seite 216,332,356,392 - Riche Pierre:
Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag
GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 281 - Schreiber Hermann:
Geschichte der Päpste Gondrom Verlag Bindlach 1989 Seite 77 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer
Verlag 1994 Tafel 394 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle
Esslingen 1989 Seite 211 -