Wie muss man sich das Wohnen im Mittelalter vorstellen?

Fließendes Trinkwasser aus der Leitung und viele andere Annehmlichkeiten, die heute selbstverständlich sind, kannte man im Mittelalter noch nicht. Heute ist kaum vorstellbar, dass nur ein Raum des Hauses beheizt werden kann oder frisches Wasser vom Brunnen geholt werden muss. Auf den Burgen im Mittelalter herrschten aber zum Teil so extreme Hygienebedingungen, dass man Räume oder ganze Gebäude verließ, weil der Gestank nicht mehr zu ertragen war und im Winter konnten die dicken, kalten Mauern dazu beitragen, dass einem die Gliedmaßen über Nacht erfroren.

Das Durchschnittshaus im Mittelalter

Im 13. Jahrhundert waren die Wohnhäuser meist noch mit Brettschindeln bedeckt, die man mit Steinen beschwerte und das Zentrum eines Hauses war die offene, mit Lehm ummantelte Feuerstelle. Sie war vor allem im Winter wichtig, denn der Ofen stellte die einzige Heizmöglichkeit dar. Nur reiche Bürger konnten sich einen Kachelofen leisten, dessen Kacheln man ab dem 14. Jahrhundert auch als Bildträger akzeptierte. In einigen Häusern lebte mehr als eine Familie und gegen den Lärm der anderen versuchte man sich mit Moos und Gras als Isoliermaterial zu schützen. In der Regel wohnten die Menschen im Obergeschoß eines Hauses, weil man Parterre zu viel Angst vor Eindringlingen hatte und das Oberschoß nur über eine Treppe erreichbar war. Die Schlafräume befanden sich über den Wohnräumen und meist waren alle Räume nur sehr spärlich möbliert. Holzplanken, die man auf Böcke legte, dienten als Tisch, an dem man auf einfachen Hockern saß.

Das Leben auf einer Burg im Mittelalter

Romantisch sind heute nur noch die Vorstellungen vom Leben auf einer Burg, denn im Mittelalter hatten es die Bewohner zum Teil extrem ungemütlich hinter den dicken Mauern. Die Küche einer Burg war in der Regel sehr klein, denn sämtliche Lebensmittel bereitete man außerhalb der Küche vor und auch nur die herrschaftlichen Bewohner der Burg wurden hier bekocht. Wenn es abends dunkel wurde in dem großen Gemäuer, nutzte man Späne um ein wenig Licht zu haben und erst später folgten Kerzen und Petroleumlampen. Die Kronleuchter fand man nur in den großen Räumen und sie konnten von der Decke hinabgelassen werden. Die Flure und der Hof einer Burg wurden nicht ausgeleuchtet und jeder, der im Dunkeln unterwegs war, musste selbst für Licht sorgen. Im Winter behängte man die Betten mit schweren Vorhängen und Tapisserien, denn nur so konnte man die Wärme in den kalten Räumen ein wenig halten. Die Hygienebedingungen waren zum Teil verheerend, denn nicht jede Burg verfügte über eine Wasserquelle und auch der mit Holzbohlen belegte Toilettenschacht neben der Burg sorgte für extreme Gerüche.

Ab dem 15. Jahrhundert wurde es bequemer

Bürger im Mittelalter konnten durch ihr Gewerbe wohlhabend werden und mit ein paar Münzen in der Tasche legte man auch mehr Wert auf Wohnlichkeit. Auf diesem Portal wären die Bürger aus der Zeit sicherlich nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen, denn damals legte man den Fokus auf anders. Rund um den Kachelofen wurden Bänke angebracht, Holztäfelungen mit Schnitzereien an Wänden und Decken zeugten vom Wohlstand und bunte Glasscheiben in Blei gefasst hielten die Kälte im Winter draußen. Kissen und Decken auf den Bänken am Esstisch verbreiteten Gemütlichkeit und silberne oder goldene Schalen und Leuchter standen in Regalen an der Wand. Messer und Gabeln waren meist nur in geringer Zahl vorhanden und die Hände ersetzten am Esstisch das Besteck. Daher reichte man nach dem Essen auch eine Schüssel Wasser herum, mit dem man sich die Finger säubern konnte. Nicht selten diente ein Stück Brot als Teller, der am Ende der Mahlzeit aufgegessen werden konnte. Wer es sich leisten konnte, tischte viele verschiedene Gerichte auf und sogar ganz Pfauen wurden mit ihren wieder aufgesteckten Federn an Festtagen serviert.

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