CHRONIK VOM PETERSBERG: Seite 12-15,24,28,29-30,32,39-40
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Den Grafen Konrad <I.>, seinen Bruder, setzte Dedo IV. zum Erben ein all seines Eigenguts sowie des frommen Vorhabens, und er legte ihm dessen Förderung treu ans Herz.
1125
Graf Konrad <I.> von Wettin, getreuer Erbe des frommen Werkes seines Bruders, schenkte dem Petersstift auf dem Lauterberg die Kapelle von Löbejün [Lubechune], zu der 26 Hufen gehörten, und die Kapelle in Ostrau [Oztroe] mit vier Hufen, außerdem noch von seinem Eigengut 120 Hufen. Damit zeigte er augenfällig, daß er für das Gedeihen des Stifts Sorge trage. So erbte er den wohlverdient den Titel Gründer des Stifts. Seine Frau Lucardis, Tochter Alberts <von Ravenstein in N-Brabant?>, eines hochedlen Mannes aus Schwaben, wacht mit nicht geringem Eifer über den Ort; nicht allein spornte sie durch ihre Ermahnungen die Frömmigkeit ihres Mannes immer mehr an, sondern sie schenkte außerdem dem Stifter Güter, die sie aus eigenen Mitteln erworben hatte.
1126
Zwischen dem Grafen Konrad <I.> von Wettin und dem Markgrafen Heinrich <II.> von Meißen, auch "von Eilenburg" [Ileburgk] genannt, einem seiner Verwandten, kam es neben anderen Gründen vor allem aus folgenden Anlaß zu einer Auseinandersetzung. Gelegentlich erwähnte jemand, als er in Gegenwart des Grafen Konrad etwas erzählte, den Markgrafen Heinrich und nannte ihn dabei Konrads Verwandten. Der Graf aber entgegnete voller Verachtung, wer Sohn eines Kochs sei, der sei nicht sein Verwandter. Der Hintergrund für diese Äußerung war folgender:
Als Markgraf Heinrich <I.> von Eilenburg, der Vater des jüngeren Heinrich, <im Jahre 1103> fiel, soll er seine Frau <Gertrud> schwanger hinterlassen haben. Diese nun teilte den Sachverhalt noch beim Begräbnis den Anwesenden mit und zeigte ihnen ihren geschwollenen Leib. Da nun Graf Konrad der Erbe des verstorbenen Markgrafen geworden wäre, wenn dieser keinen Sohn hinterlassen hätte, verbreiteten einige Ministerialen Konrads das Gerücht, Heinrichs Witwe habe sich nur ein Federkissen auf den Bauch gebunden und mit dieser List sich fälschlich für schwanger ausgegeben. Als ihr das zu Ohren kam, rief sie auf einen bestimmten Tag alle Ministerialen ihres Gatten zusammen und stellte sich in ihre Mitte an eine erhöhte Stelle. Dann ließ sie ihren Mantel von den Schultern bis zum Gesäß hinabgleiten, zeigte sich nackt und sagte, sie sollten selbst urteilen, ob sie tatsächlich schwanger sei. Nachdem sie nun niedergekommen war, streuten die Ministerialen Konrads wieder ein Gerücht aus, nämlich: sie hätte ein Mädchen geboren und es vertauscht gegen den Sohn einer armen Frau, deren Mann Koch war und die gleichzeitig mit ihr niedergekommen war. Aus diesem Grund nannte der Graf den Markgrafen "Sohn eines Kochs". Gelegentlich einer Unterredung, die zwischen dem Grafen Konrad und dem Markgrafen Heinrich von Eilenburg auf dieser Burg stattfand, umschlang einer der Ministerialen des Grafen namens Heldolf, der Großvater Simeons und Gebhards von Zörbig [Zeurbeke], in der Burgkapelle des heiligen Petrus <zu Eilenburg> den Altar, um so die Behauptung zu bekräftigen, daß Markgraf Heinrich gegen ein Mädchen ausgetauscht worden sei, und er schwor, er wolle die Unversehrtheit seines Leibes verlieren, wenn Heinrich der Sohn des Markgrafen sei. Als der Markgraf dies erfuhr, geriet er derart in Erregung, daß er all seine Getreuen beschwor, die ihm angetane Schmach zu rächen. Zwei von ihnen stellten jenem Heldolf lange heimlich nach. Endlich trafen sie ihn bei günstiger Gelegenheit auf einem Ritt und griffen ihn an. Heldolf sah, wie sie auf ihn losritten. Zwar schienen sie ihm verdächtig, doch vertraute er auf sein Pferd und entschloß sich nicht zur Flucht, solange er sie nicht erkannt hatte. Aber als sie ihm bereits nahegekommen waren, er fliehen wollte und seinem Pferd die Sporen gab, vermochte er es nicht von der Stelle zu bewegen. Da stürzten sich die beiden auf ihn, ergriffen ihn, stachen ihm die Augen aus und schnitten ihm Nase, Lippen, Zunge und Ohren ab. Und so hatte er durch die Wirkung seiner eigenen Schmähung offenkundig erwiesen, daß Markgraf Heinrich nicht gegen ein Mädchen ausgetauscht worden war. Der Ausspruch Konrads <Heinrich sei der Sohn eines Kochs> ging von Mund zu Mund, und so kam er auch dem Markgrafen zu Ohren. Schon zuvor waren sie keine Freunde gewesen, nun aber griff Heinrich den Grafen in höchster Empörung an, nahm ihn gefangen und warf ihn auf der Burg Kichberg <über Jena, am Fuchsturm> in den Kerker. Hier quälte er ihn mit einem Bett aus Eisen und vielen anderen Leiden und hielt ihn bis zu seinem eigenen Tod fest.
1127 starb Markgraf Heinrich <II.>. Als sein Tod nach der Burg Kirchberg gemeldet worden war und Graf Konrad ihn aus der Trauer des Gesindes erschlossen hatte, überredete er seine Wächter, wurde freigelassen und eilte sogleich zu König LOTHAR. Auf Fürsprache der Königin Richenza, deren Verwandter [Persönlicher Einwurf: Graf Konrad war über seine Mutter Ida Enkel Ottos von Northeim; Königin Richenza war über ihren Vater Heinrich den Fetten Enkelin Ottos von Northeim. Graf Konrad war also Cousin der Königin Richenza.] er war, erhielt er die Mark Meißen. Außerdem wurde er zum Erben des gesamten Eigenguts von Markgraf Heinrich eingesetzt.
Zu dieser Zeit sandte Konrad den Propst Herminold nach Rom zu Papst Honorius <II.> und ersuchte ihn, das Stift auf dem Lauterberg bei jährlicher Zahlung eines Goldstücks oder einer Viertelmark Silber in die Rechtshoheit und das Eigentum der römischen Kirche zu übernehmen und es mit dem Orden der regulierten Chorherren zu besetzen.
1135
Konrad, Markgraf von Meißen, brach nach Jerusalem auf.
1136
Erzbischof Konrad von Magdeburg verlieh auf Bitten des Markgrafen Konrad von Meißen dem Stift Niemegk <bei Bitterfeld, zerstört>, das <Thimo und Ida>, Vater und Mutter des erwähnten Markgrafen, gegründet hatten, Namen und Würde einer Abtei und bestätigte es aus eigener Machtvollkommenheit durch eine Urkunde.
1143
König KONRAD übergab Konrad, Markgrafen von Meißen und der Ostmark, und seiner Frau Lucardis die Grafschaft Rochlitz.
1146
Markgräfin Lucardis kam zum Lauterberg und wurde von Propst Meinher in aller Ergebenheit empfangen. Hier ließ sie sich zur Ader lassen. Am folgenden oder am dritten Tage äußerte sie dem Propst gegenüber ein Verlangen, dem er keineswegs entsprechen mochte. Darüber empört, begab sie sich nach Gerbstedt, wurde dort vor Erregung, wie es heißt, von einer Krankheit befallen und starb daran am 19. Juni <wohl schon 1145>. Auf Anraten des Grafen Hoyer von Mansfeld, der in Gerbstedt weilte, wurde sie im dortigen Kloster begraben. Zu dieser Zeit kehrte Markgraf Konrad von seiner Pilgerfahrt nach Übersee <d.i. ins Heilige Land> zurück. Als er nach Bayern gelangt war, erreichte ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau. Sogleich fragte er nachdrücklich, wo sie bestattet sei. Als er das erfahren hatte und zugleich auch, wer das empfohlen hatte, vermerkte er es übel und versicherte eidlich, er werde denjenigen zwingen, die Leiche seiner Gemahlin mit eigenen Händen wieder auszugraben, was denn auch geschah. Als der Markgraf schließlich heimgekehrt war, erfuhr der erwähnte Hoyer von dem Zorn, den der Markgraf gegen ihn hegte, sowie von dessen Ursache; und da ihm klar war, daß er die Gnade des Markgrafen nur wiedererlangen könne, wenn er den Leichnam der Markgräfin zurückgeben würde, zog er ein halbes Jahr nach deren Bestattung eines nachts heimlich mit seinem Gefolge nach Gerbstedt, bestach die Wächter mit Geld, grub den leichnam aus, nahm ihn und brachte ihn nach Wettin, wo der Markgraf verabredungsgemäß seine Ankunft erwartete. Die Markgräfin wurde noch in derselben Nacht in Begleitung des Markgrafen zum Lauterberg überführt und dort anderntags mit allen Ehren bestattet.
1150
Markgraf Konrad, der unablässig auf die Förderung des Stifts auf dem Lauterberg bedacht war, schien nur dadurch an diesem seinen Bestreben gehindert zu werdeb, daß er die Sorge um das Stift Niemegk [Numicensis] <früher bei Bitterfeld, zerstört>, das seine Eltern gegründet hatten, aus Pietätsrücksichten nicht vernachlässigen durfte.
1156
Konrad, Markgraf von Meißen und der Ostmark, bedachte, inspiriert durch die Gande Gottees, die Ungewißheit seines Lebens und fürchtete, er könne, wenn er der vergänglichen Welt allzu lange anhange, auch selbst in den Untergang hineingezogen werden. Daher faßte er den Entschluß, die Welt zu verlassen und in ein Kloster einzutreten. Zugleich wollte er für das Stift, nach dem ihn verlangte, nämlich das auf dem Lauterberg, das er bereits hinlänglich ausgestattet hatte, auch für alle Zukunft sorgen. So berief er denn Erzbischof Wichmann und Markgraf Albrecht von Brandenburg, zudem alle seine Söhne und viele andere kirchliche und weltliche Edle sowie Ministerialen nach dem Lauterberg und zog dorthin, um in deren Gegenwart seinen Plan auszuführen. Zunächst ließ er alle Güter, die er selbst oder seine Gattin dem Lauterberg hatten zukommen lassen, durch die Hand seiner Söhne - also des Markgrafen Otto von Meißen, Dietrichs, Markgrafen der Ostmark, des Grafen Heinrich von Wettin, des Grafen Dedo von Rochlitz <d.i. von Groitzsch> und des Grafen Friedrich von Brehna - bestätigen, damit nach seinem Tode keinerlei Rechtsstreit darüber entstehen könne. Diese Güter umfassen 183 1/2 Hufen, ungerechnet derjenigen, die dem Stift Niemegk gehört hatten, nämlich 70 1/2 Hufen und ungerechnet der Waldungen, die er bekanntlich an verschiedenen Orten <dem Stift> überschrieben hatte. Darauf bestimmte er den jeweils ältesten seiner Söhne oder Erben zu seinem Nachfolger in der Vogtei des Stifts und bestimmte folgendes: Die Vogtei dürfe keinem je als Lehen übertragen werden; der Vogt dürfe in Stiftsangelegneheiten keinesfall, als stünde es ihm rechtmäßig zu, über die freiwilligen Festlegungen der Brüder hinaus irgendwelche weltlichen Leistungen für sich in Anspruch nehmen; schließlich sollten seine Söhne - wie sie und ihre Ministerialen auch versprachen - auf dem Lauterberg ihre Grablege haben; denn Konrad war sich sicher, daß das weltliche Gut des Stiftes damit am besten gefördert werden könne.
Er starb am 5. Februar <1157> im 59. Lebensjahr und wurde von Erzbischof Wichmann in der Mitte der Kirche bestattet, wo zu seiner Rechten seine Gemahlin und nach ihr auf derselben Seite seine Schwester Mathilde [Machtildis] <von Seeburg>, die Mutter des Erzbischofs <Wichmann>, deren Todestag der 21. Januar ist, ebenfalls beigesetzt sind.

GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 234
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Heinrich der Jüngere <II.> jedoch, Markgraf von Eilenburg, nahm Konrad, den Bruder des vorgenannten Dedo, nach dem Ausbruch einer Fehde zwischen ihnen gefangen und setzte ihn auf <der Burg> Kirchberg <bei Jena, Fuchsturm> mit einem Bett von Eisen und vielen <anderen> Qualen heftig aus. Nach dem Tode Heinrichs aber kam Konrad aus der Gefangenschaft frei und empfing im Jahre 1127 durch die Gunst Kaiser LOTHARS <III., VON SÜPPLINGENBURG> die Mark Meißen; späterhin <nämlich 1135> übertrug ihm derselbe Kaiser auch die Mark Lausitz, die heute Ostmark genannt wird. Konrad also, Markgraf von Meißen sowie der Ostmark, nahm zur Frau Lucardis, Tochter eines hochedlen Mannes aus Schwaben namens Albrecht [Albertus] <I. von Ravenstein in N-Brabant>. Sie gebar ihnm folgende Söhne: Heinrich, der noch im Kindesalter starb; Otto <den Reichen>, Markgrafen von Meißen, <+ 1190>; Dietrich, Markgrafen der Ostmark <+ 1185>; den Grafen Dedo <V.> von Rochlitz <d.h. von Groitzsch, + 1190>; den Grafen Heinrich <I> von Wettin <+ 1181>; den Grafen Friedrich <I.> von Brehna <+ 1182>. Außerdem zeugte er sechs Töchter, von denen er drei zu Nonnen in Gerbstedt [Gerberstat] machte: Oda und Bertha zu Äbtissinnen von Gerbstedt [Gerbestadensis], Agnes <später> zur Äbtissin von Quedlinburg <1184-1203>; eine vierte, Gertrud <hier verwechselt mit der gleichnamigen Schwetser König KONRADS III. und Herzog Friedrich II. von Schwaben>, heiratete den Pfalzgrafen bei Rhein <Hermann von Stahleck>, machte nach dem Tod ihres Mannes Christus zu dessen Erben, errichtete zu Bamberg ein Kloster [ecclesia] zu Ehren <Marias und> des heiligen Theodor, schloß sich ebenda Nonnen, die sich dem Dienst Gottes ergeben hatten, an und beendete ihr Leben in heiligmäßigem Wandel; eine fünfte Adela, wurde dem Dänen-König Sven [Sueno] <V.> vermählt, der zeugte mit ihr Lucardis, die Markgraf Berthold von Bayern <d.i. Berthold IV., Graf von Andechs, Markgraf von Istrien, Herzog von Meranien, + 1188> heiratete, doch wurden sie, nachdem sie Propst Poppo von Bamberg und Bertha, Äbtissin von Gerbstedt, gezeugt hatten, mit Zustimmung der Bischöfe wegen des Schandmals des Ehebruchs geschieden. Nachdem Sven <1157> von den Dänen erschlagen worden war, nahm Graf Albrecht [Albertus] <von Ballenstedt, + um 1173>, ein Sohn des Markgrafen Albrecht [Albertus] <des Bären>, dessen Witwe zur Frau und zeugte mit ihr Gertrud, die Gemahlin Walthers <II.> von Arnstein <nö. Hettstedt>. Eine sechste, Sophia, heiratete den Grafen Gebhard [Gebehardus] in Bayern, einen Schwestersohn Kaiser LOTHARS <III.>.
Markgraf Konrad also errichtete das Stift, das sein Bruder zu Ehren des heiligen Petrus auf dem Lauterberg [Mons Serenus] ins Werk gesetzt hatte, von Grund auf und übertrug es, ausgestattet mit reichem Grundbesitz aus seinem Eigengut, in die Rechtshoheit und das Eigentum der römischen Kirche, und er besetzte es mit einem Konvent von Regularkanonikern, die dort Gott dienen sollten. Auch er persönlich entsagte vollständig allem Prunk dieser Welt und trat ihnen, arm unter Armen, um des wahren Reichtums willen bei. Am 30. November <1156> legte er das Gelübde ab und starb am 5. Februar desselben Jahres <d.h. 1157; für den Verfasser der Genealogie wie für den der Chronik beginnt das Jahr am 25. März, also zu Mariae Verkündigung, siehe die Chronik zum Jahre 1217>. Er starb aber im Jahre 1156 <nach unserer Rechnung 1157> und wurde durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg und Bischof Walo von Havelberg in Gegenwart seiner Söhne und des Markgrafen Albrecht <des Bären> sowie zahlreicher Freier und Ministerialen würdig in der Kirche des heiligen Petrus bestattet.