CHRONIK VOM PETERSBERG: Seite
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Den Grafen Konrad <I.>, seinen Bruder, setzte
Dedo
IV. zum Erben ein all seines Eigenguts sowie des frommen Vorhabens,
und er legte ihm dessen Förderung treu ans Herz.
1125
Graf Konrad <I.> von Wettin, getreuer Erbe
des frommen Werkes seines Bruders, schenkte dem Petersstift auf dem Lauterberg
die Kapelle von Löbejün [Lubechune], zu der 26 Hufen gehörten,
und die Kapelle in Ostrau [Oztroe] mit vier Hufen, außerdem noch
von seinem Eigengut 120 Hufen. Damit zeigte er augenfällig, daß
er für das Gedeihen des Stifts Sorge trage. So erbte er den wohlverdient
den Titel Gründer des Stifts. Seine Frau Lucardis, Tochter
Alberts <von Ravenstein in N-Brabant?>, eines hochedlen
Mannes aus Schwaben, wacht mit nicht geringem Eifer über den Ort;
nicht allein spornte sie durch ihre Ermahnungen die Frömmigkeit ihres
Mannes immer mehr an, sondern sie schenkte außerdem dem Stifter Güter,
die sie aus eigenen Mitteln erworben hatte.
1126
Zwischen dem Grafen Konrad <I.>
von Wettin und dem Markgrafen Heinrich <II.> von Meißen,
auch "von Eilenburg" [Ileburgk] genannt, einem seiner Verwandten,
kam es neben anderen Gründen vor allem aus folgenden Anlaß zu
einer Auseinandersetzung. Gelegentlich erwähnte jemand, als er in
Gegenwart des Grafen Konrad etwas erzählte, den Markgrafen
Heinrich und nannte ihn dabei Konrads Verwandten. Der Graf aber
entgegnete voller Verachtung, wer Sohn eines Kochs sei, der sei nicht sein
Verwandter. Der Hintergrund für diese Äußerung war folgender:
Als Markgraf Heinrich <I.> von Eilenburg, der
Vater des jüngeren Heinrich, <im Jahre 1103> fiel, soll
er seine Frau <Gertrud> schwanger hinterlassen haben. Diese nun
teilte den Sachverhalt noch beim Begräbnis den Anwesenden mit und
zeigte ihnen ihren geschwollenen Leib. Da nun Graf Konrad der Erbe
des verstorbenen Markgrafen geworden wäre, wenn dieser keinen Sohn
hinterlassen hätte, verbreiteten einige Ministerialen Konrads
das Gerücht, Heinrichs Witwe habe sich nur ein Federkissen
auf den Bauch gebunden und mit dieser List sich fälschlich für
schwanger ausgegeben. Als ihr das zu Ohren kam, rief sie auf einen bestimmten
Tag alle Ministerialen ihres Gatten zusammen und stellte sich in ihre Mitte
an eine erhöhte Stelle. Dann ließ sie ihren Mantel von den Schultern
bis zum Gesäß hinabgleiten, zeigte sich nackt und sagte, sie
sollten selbst urteilen, ob sie tatsächlich schwanger sei. Nachdem
sie nun niedergekommen war, streuten die Ministerialen Konrads wieder
ein Gerücht aus, nämlich: sie hätte ein Mädchen geboren
und es vertauscht gegen den Sohn einer armen Frau, deren Mann Koch war
und die gleichzeitig mit ihr niedergekommen war. Aus diesem Grund nannte
der Graf den Markgrafen "Sohn eines Kochs". Gelegentlich einer Unterredung,
die zwischen dem Grafen Konrad und dem Markgrafen Heinrich von
Eilenburg auf dieser Burg stattfand, umschlang einer der Ministerialen
des Grafen namens Heldolf, der Großvater Simeons und Gebhards von
Zörbig [Zeurbeke], in der Burgkapelle des heiligen Petrus <zu Eilenburg>
den Altar, um so die Behauptung zu bekräftigen, daß Markgraf
Heinrich gegen ein Mädchen ausgetauscht worden sei, und er schwor,
er wolle die Unversehrtheit seines Leibes verlieren, wenn Heinrich
der Sohn des Markgrafen sei. Als der Markgraf dies erfuhr, geriet er derart
in Erregung, daß er all seine Getreuen beschwor, die ihm angetane
Schmach zu rächen. Zwei von ihnen stellten jenem Heldolf lange heimlich
nach. Endlich trafen sie ihn bei günstiger Gelegenheit auf einem Ritt
und griffen ihn an. Heldolf sah, wie sie auf ihn losritten. Zwar schienen
sie ihm verdächtig, doch vertraute er auf sein Pferd und entschloß
sich nicht zur Flucht, solange er sie nicht erkannt hatte. Aber als sie
ihm bereits nahegekommen waren, er fliehen wollte und seinem Pferd die
Sporen gab, vermochte er es nicht von der Stelle zu bewegen. Da stürzten
sich die beiden auf ihn, ergriffen ihn, stachen ihm die Augen aus und schnitten
ihm Nase, Lippen, Zunge und Ohren ab. Und so hatte er durch die Wirkung
seiner eigenen Schmähung offenkundig erwiesen, daß Markgraf
Heinrich nicht gegen ein Mädchen ausgetauscht worden war. Der
Ausspruch Konrads <Heinrich sei der Sohn eines Kochs>
ging von Mund zu Mund, und so kam er auch dem Markgrafen zu Ohren. Schon
zuvor waren sie keine Freunde gewesen, nun aber griff Heinrich den
Grafen in höchster Empörung an, nahm ihn gefangen und warf ihn
auf der Burg Kichberg <über Jena, am Fuchsturm> in den Kerker.
Hier quälte er ihn mit einem Bett aus Eisen und vielen anderen Leiden
und hielt ihn bis zu seinem eigenen Tod fest.
1127 starb Markgraf Heinrich <II.>.
Als sein Tod nach der Burg Kirchberg gemeldet worden war und Graf
Konrad ihn aus der Trauer des Gesindes erschlossen hatte, überredete
er seine Wächter, wurde freigelassen und eilte sogleich zu König
LOTHAR. Auf Fürsprache der Königin
Richenza, deren Verwandter [Persönlicher Einwurf:
Graf Konrad war über seine Mutter Ida Enkel Ottos von Northeim;
Königin
Richenza war über ihren Vater Heinrich den Fetten Enkelin
Ottos von Northeim. Graf Konrad war also Cousin der Königin
Richenza.] er war, erhielt er die Mark Meißen. Außerdem
wurde er zum Erben des gesamten Eigenguts von Markgraf Heinrich eingesetzt.
Zu dieser Zeit sandte Konrad den Propst Herminold
nach Rom zu Papst Honorius <II.> und ersuchte ihn, das Stift
auf dem Lauterberg bei jährlicher Zahlung eines Goldstücks oder
einer Viertelmark Silber in die Rechtshoheit und das Eigentum der römischen
Kirche zu übernehmen und es mit dem Orden der regulierten Chorherren
zu besetzen.
1135
Konrad, Markgraf von Meißen, brach
nach Jerusalem auf.
1136
Erzbischof Konrad von Magdeburg verlieh auf Bitten des
Markgrafen Konrad von Meißen dem Stift Niemegk <bei Bitterfeld,
zerstört>, das <Thimo und Ida>, Vater und Mutter
des erwähnten Markgrafen, gegründet hatten, Namen und Würde
einer Abtei und bestätigte es aus eigener Machtvollkommenheit durch
eine Urkunde.
1143
König KONRAD
übergab Konrad, Markgrafen von Meißen und der Ostmark,
und seiner Frau Lucardis die Grafschaft Rochlitz.
1146
Markgräfin Lucardis kam zum Lauterberg und
wurde von Propst Meinher in aller Ergebenheit empfangen. Hier ließ
sie sich zur Ader lassen. Am folgenden oder am dritten Tage äußerte
sie dem Propst gegenüber ein Verlangen, dem er keineswegs entsprechen
mochte. Darüber empört, begab sie sich nach Gerbstedt, wurde
dort vor Erregung, wie es heißt, von einer Krankheit befallen und
starb daran am 19. Juni <wohl schon 1145>. Auf Anraten des Grafen Hoyer
von Mansfeld, der in Gerbstedt weilte, wurde sie im dortigen Kloster begraben.
Zu dieser Zeit kehrte Markgraf Konrad von seiner Pilgerfahrt nach
Übersee <d.i. ins Heilige Land> zurück. Als er nach Bayern
gelangt war, erreichte ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau. Sogleich
fragte er nachdrücklich, wo sie bestattet sei. Als er das erfahren
hatte und zugleich auch, wer das empfohlen hatte, vermerkte er es übel
und versicherte eidlich, er werde denjenigen zwingen, die Leiche seiner
Gemahlin mit eigenen Händen wieder auszugraben, was denn auch geschah.
Als der Markgraf schließlich heimgekehrt war, erfuhr der erwähnte
Hoyer von dem Zorn, den der Markgraf gegen ihn hegte, sowie von dessen
Ursache; und da ihm klar war, daß er die Gnade des Markgrafen nur
wiedererlangen könne, wenn er den Leichnam der Markgräfin zurückgeben
würde, zog er ein halbes Jahr nach deren Bestattung eines nachts heimlich
mit seinem Gefolge nach Gerbstedt, bestach die Wächter mit Geld, grub
den leichnam aus, nahm ihn und brachte ihn nach Wettin, wo der Markgraf
verabredungsgemäß seine Ankunft erwartete. Die Markgräfin
wurde noch in derselben Nacht in Begleitung des Markgrafen zum Lauterberg
überführt und dort anderntags mit allen Ehren bestattet.
1150
Markgraf Konrad, der unablässig auf die Förderung
des Stifts auf dem Lauterberg bedacht war, schien nur dadurch an diesem
seinen Bestreben gehindert zu werdeb, daß er die Sorge um das Stift
Niemegk [Numicensis] <früher bei Bitterfeld, zerstört>, das
seine Eltern gegründet hatten, aus Pietätsrücksichten nicht
vernachlässigen durfte.
1156
Konrad, Markgraf von Meißen und der Ostmark,
bedachte, inspiriert durch die Gande Gottees, die Ungewißheit seines
Lebens und fürchtete, er könne, wenn er der vergänglichen
Welt allzu lange anhange, auch selbst in den Untergang hineingezogen werden.
Daher faßte er den Entschluß, die Welt zu verlassen und in
ein Kloster einzutreten. Zugleich wollte er für das Stift, nach dem
ihn verlangte, nämlich das auf dem Lauterberg, das er bereits hinlänglich
ausgestattet hatte, auch für alle Zukunft sorgen. So berief er denn
Erzbischof Wichmann und Markgraf Albrecht von Brandenburg, zudem alle seine
Söhne und viele andere kirchliche und weltliche Edle sowie Ministerialen
nach dem Lauterberg und zog dorthin, um in deren Gegenwart seinen Plan
auszuführen. Zunächst ließ er alle Güter, die er selbst
oder seine Gattin dem Lauterberg hatten zukommen lassen, durch die Hand
seiner Söhne - also des Markgrafen Otto von Meißen, Dietrichs,
Markgrafen
der Ostmark, des Grafen Heinrich von Wettin, des
Grafen Dedo
von Rochlitz <d.i. von Groitzsch> und des Grafen Friedrich von
Brehna - bestätigen, damit nach seinem Tode keinerlei Rechtsstreit
darüber entstehen könne. Diese Güter umfassen 183 1/2 Hufen,
ungerechnet derjenigen, die dem Stift Niemegk gehört hatten, nämlich
70 1/2 Hufen und ungerechnet der Waldungen, die er bekanntlich an verschiedenen
Orten <dem Stift> überschrieben hatte. Darauf bestimmte er den
jeweils ältesten seiner Söhne oder Erben zu seinem Nachfolger
in der Vogtei des Stifts und bestimmte folgendes: Die Vogtei dürfe
keinem je als Lehen übertragen werden; der Vogt dürfe in Stiftsangelegneheiten
keinesfall, als stünde es ihm rechtmäßig zu, über
die freiwilligen Festlegungen der Brüder hinaus irgendwelche weltlichen
Leistungen für sich in Anspruch nehmen; schließlich sollten
seine Söhne - wie sie und ihre Ministerialen auch versprachen - auf
dem Lauterberg ihre Grablege haben; denn Konrad war sich sicher,
daß das weltliche Gut des Stiftes damit am besten gefördert
werden könne.
Er starb am 5. Februar <1157> im 59. Lebensjahr
und wurde von Erzbischof Wichmann in der Mitte der Kirche bestattet, wo
zu seiner Rechten seine Gemahlin und nach ihr auf derselben Seite seine
Schwester Mathilde [Machtildis] <von Seeburg>, die Mutter des
Erzbischofs <Wichmann>, deren Todestag der 21. Januar ist, ebenfalls
beigesetzt sind.
GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 234
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Heinrich der Jüngere <II.> jedoch, Markgraf
von Eilenburg, nahm Konrad, den Bruder des vorgenannten Dedo,
nach dem Ausbruch einer Fehde zwischen ihnen gefangen und setzte ihn auf
<der Burg> Kirchberg <bei Jena, Fuchsturm> mit einem Bett
von Eisen und vielen <anderen> Qualen heftig aus. Nach dem Tode Heinrichs
aber kam Konrad aus der Gefangenschaft frei und empfing im Jahre
1127 durch die Gunst Kaiser LOTHARS <III.,
VON SÜPPLINGENBURG> die Mark Meißen; späterhin
<nämlich 1135> übertrug ihm derselbe Kaiser auch die Mark
Lausitz, die heute Ostmark genannt wird. Konrad also, Markgraf
von Meißen sowie der Ostmark, nahm zur Frau Lucardis,
Tochter eines hochedlen Mannes aus Schwaben namens Albrecht [Albertus]
<I. von Ravenstein in N-Brabant>. Sie gebar ihnm folgende Söhne:
Heinrich,
der noch im Kindesalter starb; Otto <den Reichen>,
Markgrafen
von Meißen, <+ 1190>; Dietrich,
Markgrafen
der Ostmark <+ 1185>; den Grafen Dedo <V.> von Rochlitz <d.h.
von Groitzsch, + 1190>; den Grafen Heinrich <I> von Wettin <+
1181>; den Grafen Friedrich <I.> von Brehna <+ 1182>.
Außerdem zeugte er sechs Töchter, von denen er drei zu Nonnen
in Gerbstedt [Gerberstat] machte: Oda und Bertha zu Äbtissinnen
von Gerbstedt [Gerbestadensis], Agnes <später> zur Äbtissin
von Quedlinburg <1184-1203>; eine vierte, Gertrud <hier
verwechselt mit der gleichnamigen Schwetser König
KONRADS III. und Herzog Friedrich II. von Schwaben>, heiratete
den Pfalzgrafen bei Rhein <Hermann von Stahleck>, machte nach dem Tod
ihres Mannes Christus zu dessen Erben, errichtete zu Bamberg ein Kloster
[ecclesia] zu Ehren <Marias und> des heiligen Theodor, schloß
sich ebenda Nonnen, die sich dem Dienst Gottes ergeben hatten, an und beendete
ihr Leben in heiligmäßigem Wandel; eine fünfte Adela,
wurde dem Dänen-König Sven [Sueno] <V.>
vermählt,
der zeugte mit ihr Lucardis, die Markgraf
Berthold von Bayern <d.i. Berthold IV., Graf von Andechs, Markgraf von
Istrien, Herzog von Meranien, + 1188> heiratete, doch wurden sie, nachdem
sie Propst Poppo von Bamberg und Bertha, Äbtissin von Gerbstedt, gezeugt
hatten, mit Zustimmung der Bischöfe wegen des Schandmals des Ehebruchs
geschieden. Nachdem Sven <1157>
von den Dänen erschlagen worden war, nahm Graf Albrecht [Albertus]
<von Ballenstedt, + um 1173>, ein Sohn des Markgrafen Albrecht [Albertus]
<des Bären>, dessen Witwe zur Frau und zeugte mit ihr Gertrud,
die Gemahlin Walthers <II.> von Arnstein <nö. Hettstedt>. Eine
sechste, Sophia, heiratete den Grafen Gebhard [Gebehardus] in Bayern,
einen Schwestersohn Kaiser LOTHARS <III.>.
Markgraf Konrad also errichtete das Stift, das
sein Bruder zu Ehren des heiligen Petrus auf dem Lauterberg [Mons Serenus]
ins Werk gesetzt hatte, von Grund auf und übertrug es, ausgestattet
mit reichem Grundbesitz aus seinem Eigengut, in die Rechtshoheit und das
Eigentum der römischen Kirche, und er besetzte es mit einem Konvent
von Regularkanonikern, die dort Gott dienen sollten. Auch er persönlich
entsagte vollständig allem Prunk dieser Welt und trat ihnen, arm unter
Armen, um des wahren Reichtums willen bei. Am 30. November <1156> legte
er das Gelübde ab und starb am 5. Februar desselben Jahres
<d.h. 1157; für den Verfasser der Genealogie wie für
den der Chronik beginnt das Jahr am 25. März, also zu Mariae Verkündigung,
siehe die Chronik zum Jahre 1217>. Er starb aber im Jahre 1156 <nach
unserer Rechnung 1157> und wurde durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg
und Bischof Walo von Havelberg in Gegenwart seiner Söhne und des Markgrafen
Albrecht <des Bären> sowie zahlreicher Freier und Ministerialen
würdig in der Kirche des heiligen Petrus bestattet.