Eleonores älteste
Tochter zweiter Ehe, Mathilde, heiratete
den großen WELFEN Heinrich den Löwen,
seit 1142 Herzog von Sachsen, seit 1154 auch von Bayern. Heinrichs
Heirat mit Mathilde war eine politische
Heirat; sie stand in Zusammenhang mit einem von Kanzler Rainald von Dassel
1165 vereinbarten deutsch-englischen Bündnis, das durch Eheverbindungen
befestigt werden sollte. So wurde die etwa 9-jährigeMathilde
den 35-jährigen Herzog verlobt. Heinrich der Löwe war
mit dieser Heirat einer Königstochter, die sein Ansehen hob, voll
einverstanden. Im Winter 1167/68 benutzte er die in dieser Zeit übliche
Waffenruhe zur Hochzeit. Unter der Führung des aus dem holländischen
Grafenhaus stammenden Propstes Baldewin von Utrecht schickte er eine Gesandtschaft
an den englischen Königshof, die Prinzessin nach Sachsen einzuholen.
Zwei Grafen und andere englische Große gaben ihr das Geleit; sie
brachte einen großen Schatz von Gold und Silber und eine reiche Aussteuer
mit. Am 1. Februar 1168 wurde die Ehe im Dom zu Minden eingesegnet. Die
weltlichen Hochzeitsfeierlichkeiten fanden in der Burg zu Braunschweig
statt. Mathilde schenkte dem Herzog
in den Jahren 1172 bis 1184 fünf Kinder, darunter den späteren
deutschen König OTTO IV.
In den 70-er Jahren war der WELFEN-Hof
zu Braunschweig eine Stätte höfischer Kultur, Herzog Heinrich
ein Mäzen, der seine Residenz mit bedeutenden Bauten schmückte,
den Burglöwen gießen und frei vor seiner Burg aufstellen ließ,
der Buchmalerei und der Goldschmiedekunst starke Impulse gab. Seine Gemahlin
Mathilde
machte die neue ritterliche Dichtung am WELFEN-Hof
bekannt.
Nach den Jahren des Glanzes kamen für Mathilde
Jahre
der Sorgen und der Verbannung. In den Zeitraum von 1176 bis 1189 fällt
die dramatische Auseinandersetzung zwischen BARBAROSSA
und Heinrich dem Löwen, die schließlich dazu führt,
dass Heinrich seine beiden Herzogtümer aberkannt werden und
er sich verpflichten muß, Deutschland für drei Jahre zu verlassen.
Seine Frau, seine einzige Tochter und zwei Söhne begleiten ihn in
die Verbannung. Im Herbst 1182 unternahm er eine Wallfahrt nach Santiago
de Compostela. Das Weihnachtsfest verbrachte er wieder mit seiner Familie
bei König Heinrich in Caen. Während
seiner Abwesenheit hielt sich Mathilde am
königlichen Hof in Argentan in der Normandie auf. Durch ihren Bruder
Richard
Löwenherz lernte sie den Troubadour Bertrand de Born kennen;
er widmete ihr zwei seiner schönsten Minnelieder. Bertrand pries den
Liebreiz der damals etwa 26-jährigen Fürstin, er verglich sie
mit Helena. Im Frühjahr 1184 folgte
Mathilde
ihrem
Vater nach England und gebar in Winchester ihren jüngsten Sohn Wilhelm,
den Stammvater aller späteren WELFEN.
Im Frühjahr 1185 konnten Heinrich und Mathilde
nach Braunschweig zurückkehren. Aber als BARBAROSSA
1188
das Kreuz nahm, verpflichtete er den Löwen wieder, auf drei
Jahre nach England zu gehen. Mathilde
blieb zur Wahrung seiner Interessen in Braunschweig, dort starb sie am
28.
Juni 1189, nur 32 oder 33 Jahre alt.