Spindler Max:
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"Geschichte Bayerns"

Nach dem Tod König KONRADS (21. Mai 1254) ruhte fast das ganze Gewicht der staufischen Sache bei den beiden bayerischen Herzögen. Trotz päpstlicher Mahnung weigerten sie sich gleich ihrem Vater, den Gegen-König WILHELM VON HOLLAND anzuerkennen. Sie nahmen, da für sie das Reich erledigt war, pfalzgräfliche Befugnisse wahr und blieben dem Bund mit dem staufischen Hause treu. Das kostbarste Unterpfand dieses Bundes war KONRADS und Elisabeths Sohn, der junge Konradin. Geboren am 25. März 1252 auf der Burg Wolfstein nordöstlich von Landshut, verbrachte er eine glückliche Jugend auf bayerischen Burgen, besonders in Wasserburg. Als seine Mutter sich wieder verehelichte, am 6. Oktober 1259, mit Meinhard II. (V.) von Tirol, an welchem er einen weiteren wertvollen Beschützer fand, und zu ihrem Gatten nach Innsbruck zog, nahm Herzog Ludwig den Knaben unter seine Obhut, ließ ihn eine sorgfältige Ausbildung angedeihen und behielt ihn auf seinen Fahrten in S-Deutschland an seiner Seite. Die Herzöge waren entschlossen, ihm seine testamentarisch verbürgten Erbansprüche auf das Königreich Sizilien, die vom Papsttum gefährdet waren, und auf das schwäbische Herzogtum, das ihm von schwäbischen Großen entfremdet zu werden drohte, zu wahren.
Die Lage in Sizilien wurde nach KONRADS Tod zunächst durch Manfred, einen natürlichen Sohn FRIEDRICHS II., bestimmt, der über die deutsche Partei die Oberhand gewann, indem er einen ihrer hervorragendsten Führer zurückdrängte, den von KONRAD eingesetzten Markgrafen Berthold von Vohburg-Hohenburg, einen bayerischen Nordgaugroßen, und die päpstlichen Truppen bei Foggia Anfang Dezember 1254 besiegte. Daraufhin suchte Papst Alexander IV. Verbindung mit der bayerischen Umgebung Konradins. Auf den Rat Bertholds sandte er den Bischof von Chiemsee mit einem Schreiben vom 23. Januar 1255 an die Herzogin-Witwe Agnes, in welchem er Zugeständnisse machte und seine Verhandlungsbereitschaft aussprach. Dass er gleich hernach, am 4. Februar, in Schreiben an schwäbische Große für die Erbansprüche des Königs ALFONS VON KASTILIEN, eines Enkels PHILIPPS VON SCHWABEN mütterlicherseits, eintrat und am 9. April dem Prinzen Edmund, dem Sohn des englischen Königs Heinrich III., Sizilien antrug, braucht der Sendung des Bischofs von Chiemsee nicht zu widersprechen und war nicht unwiderruflich. Den Herzögen war eine schwere Entscheidung in die Hand gegeben; die Möglichkeit einer Verständigung mit der Kurie war in eine Nähe gerückt wie später niemals mehr. Sie machten jedoch keinen Gebrauch davon, da ihr Mißtrauen gegen die Kurie unüberwindlich war, und ließen Berthold fallen. Am 20. April ließen sie durch KONRAD die Statthalterschaft Manfred übertragen, der ihnen die bitterste Enttäuschung bereiten sollte, indem er, statt rein staufische Interessen zu verfolgen, wie sie gehofft hatten, gedeckt durch ihre Vollmacht seine eigenen nationalitalienischen Pläne verfolgte, Konradin tot sagen ließ, sich 1258 zum König aufwarf und Berthold ausschaltete, der im Kerker endete. Um sich des neuen Gegners zu erwehren, leitete die Kurie nach dem Scheitern ihrer englischen Pläne die weltgeschichtliche Verbindung mit Karl von Anjou, dem Bruder des französischen Königs, ein. Es war noch ein Werk Urbans IV. (+ 2. Oktober 1264).
Zur Beseitigung der Verwirrung in Italien ließ Ludwig Manfred zum Feind Konradins erklären und nahm die unterbrochene Verbindung zur Kurie wieder auf, um dort die Interessen seines Mündels zu vertreten, die er auch bei reichspolitischen Entscheidungen wahrte. Sein Fernziel war die Gewinnung der deutschen und sizilischen Krone für seinen Mündel. Da es bei der Haltung der Kurie nach dem Tod WILHELMS VON HOLLAND (20. Januar 1256) aussichtslos war, auf die Kandidatur Konradins zu verharren, wählte er bei der Doppelwahl von 1257 gleich seinem Bruder zwar RICHARD VON CORNWALLIS, allein er gab die sizilischen Rechte seines Mündels nicht preis. Auf die Seite RICHARDS führte ihn auch die allgemeine Erwägung, dass Konradins Interessen durch den Engländer, dessen Einflußsphäre der deutsche Norden war, weniger gefährdet waren als durch ALFONS VON KASTILIEN, der in staufischen Gedankengängen dachte, zugleich leitete ihn neben dem Gedanken an seinen eigenen Vorteil die Zusicherung der Belehnung Konradins mit dem Herzogtum Schwaben. Zerschlug sich diese auch, ebenso wie die geplante Heirat Ludwigs mit einer englischen Prinzessin, und blieb von allen Vorteilen, die er erwartete, nur die ihm in Aussicht gestellte Geldzahlung übrig, so gelang es ihm 1261/62 doch, Konradin auf dem Umweg über die schwäbischen Großen das schwäbische Herzogtum zu sichern.
Wie Ludwig selbst von RICHARD am 7. Januar 1261 die durch den Tod des Grafen von Dillingen freigewordenen Lehen übertragen erhielt, so förderte er gleichzeitig den Wiederaufbau der staufischen Machtstellung, obwohl sich daraus Spannungen mit RICHARD VON CORNWALLIS ergeben mußten. Vermutlich ist er es gewesen, der schon 1256 die vom Papsttum zu Fall gebrachte deutsche Königskandidatur Konradins betrieb. Er unterhielt Verbindung zu den Ghibellinen Italiens, unterhandelte wegen Konradin 1259/60 mit der Kurie, als diese über die Fortschritte Manfreds in immer größere Sorge geriet und Hilfe brauchte, er ließ den Florentiner Guelfen, die in höchster Bedrängnis im Frühjahr 1261 eine Gesandtschaft an Konradinschickten, Aussichten auf Hilfe eröffnen und blieb mit ihnen in Fühlung. Als 1261/62 die schwäbischen Gönner Konradins den durch das Eingreifen des Papstes und den Aufbruch RICHARDS nach Deutschland zum Scheitern verurteilten Versuch machten, ihrem jungen König die deutsche Krone zuzubringen, bewahrte er zwar kluge Zurückhaltung, wie er überhaupt die Mentalität seiner schwäbischen Nachbarn schonte. Als aber dann 1263 seit RICHARDS Rückkehr nach England, wo er am 10. Februar 1263 angelangt, am 28. Mai 1264 in Gefangenschaft geraten war und über seine Befreiung im September 1265 hinaus festgestellt wurde, der Mangel einer geordneten Reichsführung sich immer stärker fühlbar machte und als - wegen der durch die Landung Karls von Anjou in Italien im Mai 1265 entstandenen neuen Lage, wegen seiner Belehnung mit Sizilien am 28. Juni 1265 und wegen der mit dem Jahr 1266 herannahenden Mündigkeit Konradins - das deutsche und italienische Problem sich immer dringlicher stellte und Entschlüsse gefaßt werden mußten, rückten Ludwig und seine Pläne immer deutlicher in den Vordergrund. Der Herzog war die maßgebende Persönlichkeit in der Umgebung des STAUFERS. Er vertrat Konradins Interessen im Streit um die Augsburger Stadtvogtei, er erhielt ihm 1264 die Bamberger Lehen, er betrachtete das Königtum des Engländers als nicht bestehend und deckte und förderte Handlungen Konradins, die die Erledigung der Reichsgewalt zur Voraussetzung hatten und ihm erst nach seiner Wahl zugestanden wären. Als durch den Übertritt des Burggrafen Friedrich von Zollern, vermutlich bereits im Sommer 1265, Konradin Burg und Stadt Nürnberg gewann, trug er die bei der Erwerbung anfallenden Kosten. Später, am 28. Mai 1267, belehnte er die Tochter des Burggrafen Friedrich und ihre Erben mit der Burggrafschaft und den übrigen Reichslehen ihres Vaters in Wahrnehmung seiner Rechte als Pfalzgraf, wenn das Königtum länger als ein Jahr erledigt war, und ließ es geschehen, dass Konradin, wohl auf Drängen des Burggrafen hin, die Übertragung bestätigte.
Im Jahr 1265 setzte wiederum eine Agitationswelle wegen einer erneuten Thronkandidatur Konradins ein. Die Fäden liefen auf den Burgen am Lechrain und im Pfaffenwinkel, in Augsburg und in dem von Ludwig gegründeten Driedberg, wo Konradin seit 1264 fast immer weilte, zusammen, auf der Grenzscheide zwischen Bayern und Schwaben mit nahen Verbindungen nach Tirol und Oberitalien, nach Franken und an den Oberrhein. Auch diesmal war es Ottokar, der immer weiter um sich greifende, seit Weihnachten 1261 zum König aufgerückte Böhme, der den Königsplan hintertrieb, wie damals 1262 durch eine Anzeige beim Papst, so jetzt durch eine ebenso wohl berechnete Anzeige bei RICHARD VON CORNWALLIS. Hatte er früher durch seine Gefälligkeit die Belehnung mit Österreich und mit der Steiermark erreicht, so dankte ihm jetzt RICHARD Ende 1265 mit der Übertragung des rechtsrheinischen Reichsvikariats, woraufhin er, in Wahrnehmung seiner neuen Pflicht, das Reichsgut zu schützen, Eger besetzte, womit er Ludwig als Pfalzgrafen und Nachbarn traf, ebenso Heinrich von Nieder-Bayern, gegen den er damals einen neuen Kriegszug vorbereitete. Die Entscheidung fällt wie früher der Papst, der die Wahl Konradins durch Strafandrohungen, die bis ans äußerste gingen, verhinderte, um die sich erneut abzeichnende Gefahr einer Vereingung der römischen mit der sizilischen Krone zu beschwören. Der deutsche Plan mußte wieder zurückgestellt werden. Die dadurch frei gewordenen Energien der Umgebung Konradins konzentrierten sich jetzt auf die italienischen Pläne, die um so gebieterischer eine rasche Lösung erheischten, als Karl von Anjou sich durchgesetzt hatte: am Dreikönigstag des Jahres 1266 war er zum König von Sizilien gekrönt worden. Am 26. Februar hatte Manfred bei Benevent im Kampf gegen ihn Schlacht und Leben verloren. Die Ghibellinen Italiens und mit ihnen ihre militärischen und wirtschaftlichen Kräfte waren ohne Führung und Ziel und waren für Konradin frei, den letzten seines Geschlechts. Ihre Hilfegesuche konnten nicht ohne rasche, klare Antwort bleiben. Für Oktober 1266 rief Konradin einen Hoftag ein. Die Ortswahl fiel auf Augsburg wegen seiner günstigen Lage zwischen Bayern und Schwaben, auch wegen der Beziehungen zur Augsburger Bürgerschaft, die von Ludwig und seinem Mündel am 6. Februar 1264 unter ihren besonderen Schutz gestellt worden war. Der Hoftag war besucht vornehmlich von oberdeutschen Fürsten und Herren, voran bayerischen. Die bayerischen Bischöfe fehlten, sie waren wie der ganze Südosten durch Ottokar gebunden. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich für die Durchführung des italienischen Unternehmens und seine Beschleunigung aus. Das Jahr 1266 verging mit Rüsten und mit der Einleitung einer planmäßigen Agitation in Deutschland, mehr noch in Italien, wo die Mißstimmung über das harte Regiment Karls von Anjou ausgenützt werden konnte. Nach Tuszien, in die Lombardei, nach Rom wurden Sendboten geschickt ohne Rücksicht auf den Papst, der am 18. November 1266 einen Prozeß gegen Konradin einleitete, die Verbindung mit ihm verbot, im Mai 1267 den Einmarsch nach Italien und die Truppensendungen dorthin unter Strafe stellte. In Mittel- und Süditalien war im Sommer 1267 die Lage günstig. Der tuszische Ghibellinenbund hatte sich von seinem Zusammenbruch erholt. Kurz vor dem Aufbruch Konradins traf aus Rom der bedeutendste Mann in der Umgebung des die Stadt beherrschenden Heinrich von Kastilien in Augsburg ein, Guido von Montefeltro, mit einem Bündnisangebot seines Herrn an Konradin, das große Hoffnungen erweckte, zumal Heinrich in Mittelitalien bedeutenden Einfluß besaß. In der Lombardei dagegen hatten die guelfischen Städte zu einem Bund zusammengeschlossen, der sich dem Durchmarsch entgegenstellte. Die Lage in Pavia, der bedeutendsten ghibellinischen Stadt, war verzweifelt.
Anfang September brach man auf. Vorher ließ Konradin ein Manifest an die deutschen Fürsten ergehen, in welchem er, unter Schonung des Papstes, gegen Karl von Anjou wegen der ihm angetanen Kränkungen Klage führte und die Empfänger mahnte, sich zwischen ihm, als dem Träger angestammter Rechte und einer ruhmreichen Tradition, und dem Bruder des französischen Königs zu entscheiden. Das Stammquartier bis zum Einmarsch in die Poebene war Verona, wo der Einzug am 21. Oktober erfolgte. Im Lager Konradins weilten Herzog und Pfalzgraf Ludwig, der bedeutendste und mächtigste der anwesenden weltlichen Großen, und der Stiefvater Konradins, Graf Meinhard, der den Durchzug durch die Alpen gesichert hatte, wohl auch sein Bruder Albert, weiter Konradins um drei Jahre älterer Freund Friedrich, Markgraf von Baden, Sohn der Gertrud, der Nichte des letzten BABENBERGERS, Herzog von Österreich und Steiermark, der sich durch die Teilnahme am Zug die Wiedererlangung der durch Ottokar usurpierten Herzogtümer erhoffte, dazu eine Reihe von Grafen, wie RUDOLF VON HABSBURG, Berthold von Eschenlohe, zahlreiche Edle und Ministerialen, besonders aus Bayern, viele Italiener, meist Flüchtlinge aus den Königreich Sizilien, von denen manche schon jenseits des Brenner zu Konradin gestoßen waren, ein Teil von ihnen war ausgewählt für die staatlich-kirchliche und militärische Verwaltung und Sicherung der Provinzen des Königreichs. An ihrer Spitze standen führende Persönlichkeiten aus der näheren Umgebung Manfreds, Angehörige großer Geschlechter, wie der LANCIA, CAPECE, MALETTA, die für die höchsten Ämter im Erbreich vorgesehen waren. In ihren Händen lag die Planung des Unternehmens, für die sie die nötige Sach- und Landeskenntnis mitbrachten. Für den Aufbau der Kanzlei hatte Peter von Prece zu sorgen, der unmittelbar nach der Schlacht bei Benevent zu Konradin geflohen war. Konrad Capece, der bedeutendste militärische Ghibellinenführer des Königreiches, war im Frühjahr 1267 nach Pisa vorausgeeilt und hatte die Pisaner für seinen Plan gewonnen, von Tunis aus die Insel anzugreifen. Ende August war er hier gelandet und hatte mit Hilfe des Emirs einen Aufstand entfacht, der bis zum Sommer 1268 die ganze Insel erfaßte mit Ausnahme der wenigen großen Städte Palermo, Syrakus, Messina, die eine starke französische Besatzung hatten.
Das Unternehmen wurde nicht abenteuerlich und leichtfertig durchgeführt, aber es war von Anfang an, auch unter den Freunden und Verwandten Konradins, auf Widerstand gestoßen. Heinrich von Nieder-Bayern hatte widerraten und war der Heerfahrt ferngeblieben, wohl auch wegen der mit seinem Bruder ausgebrochenen Streitigkeiten. Die Bedenken in der deutschen Umgebung des jungen Fürsten mehrten sich, auch wegen der feindseligen Haltung des Papstes, die zu erwarten war. Am 18. November 1267 sprach Papst Clemens über die Anhänger Konradins den Bann aus, auch Herzog Ludwig trafen Interdiktsandrohung und Exkommunikation, aus der er sich erst im Jahr 1273 zu lösen vermochte. Gefährlicher war die Situation in der Poebene. Die guelfischen Städte bildeten eine Sperrmauer, die kaum einen Durchlaß gewährte. Auch schwanden Woche für Woche die Mittel zusammen. Schließlich rieten Herzog Ludwig und Graf Meinhard zur Umkehr trotz günstiger Botschaften aus Pavia, die die Möglichkeit eines Durchzugs eröffneten. Konradin mußte selbst wählen. Mit seinen italienischen Ratgebern und seinem Freund Friedrich entschied er sich für den Vormarsch. Am 17. Januar 1268 trat er seinen kühnen Zug an mit einem kleinen Heer von etwa 3.000 Rittern, nachdem kurz vorher Oheim und Stiefvater von ihm Abschied genommen hatten und heimgezogen waren. Wider alles Erwarten glückte ihm der Durchmarsch durch die Poebene, am 20. Januar war er in Pavia, von wo er am 22. März aufbrach und, nach verwegener Seefahrt von Savona aus, mit einer auserlesenen Ritterschar Anfang April Pisa gewann, am 29. Juli zog er in Rom ein, nachdem er unterwegs laufend Zuzug gewonnen hatte. Der Zug führte ihn bis an die Schwelle des Enderfolges. Die Schlacht auf der palentinischen Ebene [10 km östlich von Tagliacozzo], wo ihn Karl am 24. August 1268 entgegentrat, war bereits gewonnen, als ihm durch einen in Reserve gehaltenen Ritterhaufen die Siegespalme entwunden wurde. Seine und seiner Umgebung Entschlußlosigkeit in den folgenden 14 Tagen besiegelte sein Schicksal. Am 8. oder 9. September wurde er auf der Höhe von Astura an der römischen Küste, von wo er Sizilien gewinnen wollte, kaum dass sein Fahrzeug vom Land abgestoßen war, gefangengenommen. Durch seine Enthauptung auf dem Marktplatz von Neapel fand das staufische Drama am 29. Oktober 1268 seinen tragischen Abschluß.
Die schwächste Seite des Unternehmens war wie bei den meisten Italienzügen deutscher Herrscher die Finanzierung. Die italienischen Hilfsquellen waren wie fast immer unsicher, ihr Eingang und ihre Höhe richteten sich nach dem Erfolg des Unternehmens, das durch sie finanziert werden sollte. Die Kosten des Beginns mußten von deutscher Seite getragen werden. Die Kassen waren in Verona bereits fast völlig erschöpft. Die meisten Opfer brachte Herzog Ludwig.Konradins Gegenleistung waren Urkunden, Verkäufe, Verpfändungen, Vermächtnisse und Schenkungen von staufischen Gütern, deren Herkunft, ob aus Reichs- oder Allodialbesitz, nicht immer klar war. Die Urkunden über diese sogenannten Konradinischen Schenkungen oder das Konradinische Erbe setzten im Jahr 1263, als die italienischen und deutschen Pläne Gestalt anzunehmen begannen, ein und enden mit der Verpfändung vom 10. Januar 1268, bei der Konradin fast das letzte, was er in Deutschland noch besaß, aus der Hand gab. Die verwandtschaftlichen Bande, der langjährige Umgang hatten enge persönliche Beziehungen zwischen ihm und seinem Onkel geschaffen, der ihm den früh verstorbenen Vater ersetzte. Allein die Motive waren nicht nur Dankbarkeit auf der einen und Selbstlosigkeit auf der anderen Seite. Der junge STAUFER gewann für seine Person an seinem Oheim einen der mächtigsten Reichsfürsten als Beschützer und für seine Güter einen Verwalter, der für den eigenen Vorteil arbeitete, und Ludwig gewann, indem er Konradin in seine Obhut nahm, Land, Machtmittel und dazu den staufischen Anhang. Für sein Verhältnis zu seinem Mündel gilt, was für die Beziehungen zwischen den STAUFERN und WITTELSBACHERN überhaupt, über alle persönlichen Bindungen hinweg, maßgebend war. Je nach eigenem Vorteil vereinten und trennten sie sich, wirkten und kämpften sie mit- und gegeneinander. Hatte Konradin Erfolg, waren die Eventualschenkungen hinfällig und konnten die Pfandgüter von ihm leicht ausgelöst werden, im anderen Fall besaß der Herzog ein Entgelt, auf das vor allem er Anspruch hatte. Das Erbe brachte bedeutenden Landzuwachs am Lechrain und in der nördliche Oberpfalz.