EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND III TEILBAND 1 Tafel
28-29
Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 1882
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SIGHARDINGER
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Eine der großen bayerischen Adelssippen (allerdings fränkischer Herkunft), seit dem Ende des 9. Jh. (Sigehard I., + 906) durch 2 Jahrhunderte als Grafen im Chiemgau, später auch im Salzburggau, im Pongau, Pinzgau, im Inn-, Eisack- und Pustertal belegt. Anscheinend als Salzburger Amtsträger erwarben sie Besitz in der Mark Österreich und in Kärnten, 1035-1218 übten sie die erbliche Hochstiftsvogtei in Salzburg aus. Die auf den im Ungarnkrieg HEINRICHS III. 1044 gefallenen Pongaugrafen Sigehard VI. zurückgehende Hauptlinie verzweigte sich seit 1070 in die Linie der Grafen von Tengling (seit 1070), Burghausen (seit 1104/18), Schala (seit 1112) und Peilstein (seit 1118), die an der Wende vom 12./13. Jh. ausstarben. Der Großteil des reichen Kärntner Besitzes gelangte über einen Vetter Sigehards VI., Engelbert IV., und dessen Erbtochter Richgard an die SPANHEIMER. Weitere wichtige Verwandtschaftsbeziehungen bestanden zu den ARIBONEN und den vermutlich stammesgleichen EBERSBERGERN. Ein Urenkel Sigehards I., Friedrich, wurde 958 Erzbischof von Salzburg (958-991), dessen Neffe Pilgrim Bischof von Passau (971-991) und als solcher Gegenspieler seines Onkels; Hartwig, ein Sohn von Pilgrims Bruder, dem Chiemgaugrafen Engelbert III., wurde 1022 Bischof von Brixen (1022-1039). Sigehard IX., ein jüngerer Sohn Sigehards VI., war Kanzler HEINRICHS IV. und Patriarch von Aquileia (1068-1077).
Literatur:
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Genealog. Taf. zur ma. europ. Gesch., hg. W. Wegener, 1962-1969, 89-107
[Lit.] - H. Dopsch, Der bayer. Adel und die Besetzung des Ebm.s Salzburg
im 10. und 11. Jh., Mitt. der Ges. für Salzburg. LK 110-111, 1970/71,
134ff. - W. Störmer, Früher Adel, 1973 - U. Meves, Zur Rolle
der Sighardinger für die Sighardinger für die Adelslit. im SO
des Reiches (Adelsherrschaft und Lit., hg. H. Wenzel, 1980) - H. Dopsch,
Gesch. Salzburgs I/1-3, 1981-1984 [Register] - Ders. Die Gründer kamen
vom Rhein (Schatzhaus Kärnten, II, 1991, 43-67.
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R. Wenskus:
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"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel"
Doch noch eine 2. große Familie des Südostens gehört
anscheinend in den Sippenkreis des Lobdengaugrafen Warin, und das sind
die sogenannten ÄLTEREN SIGHARDINGER.
Hier hielten sich nach den vorliegenden Stamm-Tafeln aus dem alten Namenbestand
Sigihart und Eberhard. Als Vater des Kraichgaugrafen
Sigehard, der als Vorfahr angesehen wird, gilt ein Eberhard,
der mit Konsens seines Sohnes 776 in Mannheim tradiert. Hier sind mehrere
Grundherrenfamilien begütert, so dass sichere Zuordnungen nicht möglich
sind. Immerhin finden wir hier Namen des Sippenkreises: Ruthard, Wolfhard,
Richgarda. Neben diesen Tradenten zeugen hier gemeinsam Gerhard, Eberhard
und Liuthard. Ruthard ist mit Sigihard
aber auch in Freimersheim im Wormsgau vergesellt, wo wir weitere
Namen der Verwandten und Verschwägerten finden, darunter den Grafen
Warin. Sigehard
macht hier eine Stiftung für seinen Bruder Isanhard. Im schon aufgeführten
Witegestat (Wittstadt) stoßen wir außer auf Isenhard auch wieder
auf Richard. Dass diese Gruppe eng zusammengehört, ergeben die Verhältnisse
in Bellersheim (nordöstlich Friedberg). Isenhard ist hier ebenso anzutreffen
wie wiederum Eberhard. Dazu
kommen andere Namen der Gruppe: Gerhard mit seinem Bruder Gozart, Regindrut,
die wir als Mutter Reginhards auch in Bretzenheim bei Mainz kennenlernen,
wo wiederum auch Abarhilt, die Frau des Karbacher Richard tradiert. Völlige
Sicherheit erreichen wir an diesem Bellersheim mit der Nennung eines singulären,
wohl noch ad hoc geschaffenen Namens: Stahalhard. Denn dieser führt
uns wieder in die Gegend der Grafschaft
Sigehards. Sigehard
macht nämlich 797 für Stahalhard eine Seelgerätsstiftung
in einem Ort mit dem bezeichnenden Namen Isenheim im Gartachgau, dicht
benachbart dem mehrfach erwähnten Böllinger Hof ("Billingen"),
wo Richard eine curtis hatte. An diesem Ort konzentrieren sich wieder die
Namen des Sippenkreises: Richbert, Eckehart, Willehart, der Vater Adalharts,
vielleicht auch Stainhart, dessen Name wie der Isenharts und Stahalharts
offensichtlich noch als sinnvolle Einheit begriffen wird, und Gisalhart,
der auch im weit entfernten Gartach zu finden ist, von wo eben auch wieder
eine Tradition Stahalharts an Lorsch bekannt ist. Wir wundern uns auch
nicht mehr darüber, dass eben auch Eberhard
hier tradiert. Wenn nun aber zu allem Überfluss der aus Sachsen
wohlbekannte BILLINGE-Name Bruning in Isenheim als Schenker genannt wird,
wird der letzte Zweifel daran ausgeschlossen, dass wir in diesen um Billingen-Böllinger
Hof nordwestlich Heilbronn gruppierten Orten das Nest jener BILLINGE vor
uns haben, die in Bayern als SIGHARDINGER
nach 861 eine so große Rolle spielen sollten.
Wie bei den ADALHARDEN vermissen wir aber auf den 1. Blick auch bei
den SIGHARDINGERN in Bayern die alten
Traditionsnamen der Familienüberlieferung. Freilich könnte man
sich fragen, ob die bayerischen Großen des 8. und 9. Jahrhunderts
mit Namen Billung schon als engere Verwandte der späteren SIGHARDINGER
zu gelten haben, vor allem jener schon zur Zeit Arns an Salzburg schenkende,
denn im Salzburggau waren die SIGHARDINGER
später ja auch Grafen. Dem kann hier nicht weiter nachgegangen werden.
Dass jedoch in dieser Familie ein Nachhall alter Überlieferungen noch
spürbar im Namensgut erkennbar geblieben ist, wird an einem anderen
Sagennamen deutlich.
Unter den Getreuen ARNULFS von Kärnten
wird in enger Verbindung mit dem Salzburggaugrafen Sigihard auch Graf Iring
genannt, der ebenfalls im Salzburggau, aber auch im Donaugau amtierte.
Diese enge Beziehung zu den letzten ostfränkischen KAROLINGERN
setzte sich auch in der Zeit Ludwigs des Kindes
fort: Auf einer Zusammenkunft in Regensburg werden uns neben einer Anzahl
von Bischöfen nur noch die Grafen Liutbold, Sighart und Iring genannt.
912 erscheinen dann beide auf der Reichsversammlung KONRADS
I. in Ulm. Ein Königseintrag im Liber memorialis von Remiremont,
in dem Ludwig das Kind mit seiner Umgebung
aufgeführt wird, nennt auch Yringus. Wie in einem damit verwandten
anderen Eintrag wird hier Iring auch ein Uuichardus erwähnt, ein Name,
der in einem weiteren, K. Schmid besprochenen Königseintrag aus dem
Jahre 861 neben einem Ricchart und mit Bernart, Agenart (Einhard) und Cristien
(Graf Cristan) erscheint. Denn Wichart gehört in ihn sicher hinein.
In Schwaigern und Rumpenheim bereits fanden wir den Namen in Gesellschaft
anderer seiner Glieder. 790 testiert ein Namensträger neben einem
Reginhard. Ein jüngerer Namensvetter ist Zeuge für Egilhard,
dessen Manzipien die für uns bemerkenswerten Namen Salucho und Unwan
tragen. Aber auch Irings Name ist eng mit anderen der Gruppe verknüpft.
Im Jahre 806 ist ein Iring mehrfach Zeuge in Traditionen im Saalegau für
Angehörige der Familie Richards von Karbach, wobei mit ihm Perenhart
und Uuerinhart nebeneinander testieren. Im gleichen Gau finden wir 842
die Zeugenreihe Iring, Uuerinhart, Adalhart und 830 Iring, Eggihart. 822
tradiert Iring in Kissingen, wobei einer seiner Manzipien den BILLING-Namen
Amalung trägt, der sonst südlich des Thüringer Waldes in
der Fuldaer und Lorscher Überlieferung nicht mehr zu finden ist. Entsprechend
heißt eine Unfreie in einer anderen Schenkung Irings im Saalegau,
bei der UUerinhart als Zeuge genannt wird, Abarhilt. Sie hat also dem seltenen
Namen der Frau Richards von Karsbach. Wie wir sehen werden, ist auch in
einer "sächsischen" Familie dieses Traditionskreises mit den Namen
Wichard, Richard, Bernhard usw. der Name Iring als Sohn eines Wirin (=
Warin) noch im 11. Jahrhundert belegt.