Steindorff Ernst: Band I Seite 225/Band II Seite 17
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III.

So entäußerte er sich damals fortschreitend auf dem Wege, den er vor drei Jahren zuerst mit der Wiederherstellung des bayerischen Herzogtums betreten hatte, auch des Herzogtums Schwaben, welches er nun schon im siebenten Jahre selbst verwaltete, und übertrug es einem anderen Fürsten, nur freilich einem fremden, der seinem neuen Wirkungskreis von Geburt ebenso wenig angehörte, wie Herzog Heinrich von Bayern, der jüngere LUXEMBURGER, dem seinigen. Es war dies der lothringische Pfalzgraf Otto, wie Erzbischof Hermann von Köln, ein Sohn der ottonischen Mathilde und des Pfalzgrafen Ezzo, dem er überdies in der Pfalzgrafschaft nachgefolgt war. Dem König empfahl sich Otto wohl nicht nur durch seine vornehme Herkunft, seine bisherige Stellung und andere äußere Vorzüge wie seine schöne Gestalt, seltene Ritterlichkeit und dergleichen, sondern vor allem auch dadurch, dass er in dem jüngst zwischen HEINRICH III. und Gottfried von Lothringen entbrannten Kampfe mitsamt seinem Bruder Hermann treu zum König gehalten, ihn wohl auch tatkräftig mit den Waffen in der Hand unterstützt hatte. Mochte demgemäß die Erhebung Ottos zum Herzog von Schwaben Fernerstehenden immerhin als eine Belohnung persönlichen Verdienstes erscheinen, so hatte sie doch unverkennnbar zugleich eine große sachliche Bedeutung als Zeichen, dass der König nach einer neuen Bürgschaft suchte, um sein Ansehen wie bisher über Schwaben behaupten zu können. Denn nahe genug lag die Gefahr, dass bei fortdauerndem Widerstande Gottfrieds und wenn etwa die kaum wiederhergestellte Ruhe von Burgund aufs Neue gestört werden sollte, auch Schwaben in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Indessen, solche Erwägungen waren doch, wenn der König sie überhaupt anstellte, vorwiegend auf die Zukunft gerichtet und sollten sich erst durch den Erfolg als richtig erweisen; unmittelbar dagegen erwuchs dem König durch die Wiederherstellung des schwäbischen Herzogtums ein anderer, gleichfalls sehr erheblicher Vorteil, da Herzog Otto ihm zwei große Erbgüter, welche einst HEINRICH II. seinem Vater Ezzo zum Geschenk gemacht hatte, nämlich die S. Suitbertinsel (Kaiserswerth) und Duisburg, gleichsam als Preis für das Herzogtum überließ. In der Pfalzgrafschaft trat an Ottos Stelle sein Vetter Heinrich.
Aber noch hatte der Erzbischof seine Rede nicht beendet, so erhielt er eine Nachricht, die ihn tief erschütterte, die beiden Versammelten überhaupt große Trauer und Bestürzung hervorrief. Es wurde gemeldet, dass Hermanns Bruder, Herzog Otto von Schwaben, am Tage vorher, den 7. September zu Tomburg, einer pfalzgräflichen Burg in der Eifel, verschieden wäre. Wie es scheint, war der Herzog entschlossen gewesen, an dem friesischen Feldzug teilzunehmen, er war unterwegs zum Heere, als ihn das Geschick erteilte. Was seine Stellung in Schwaben betrifft, so war er noch nicht lang Herzog, aber die Art, wie er gewaltet hatte, trug ihm nur Lob und Anerkennung ein. Die Leiche wurde nach Brauweiler gebracht und in der dortigen Klosterkirche, der Stiftung und Grabstätte des Vaters, des Pfalzgrafen Ezzo, bestattet, indessen nicht vom Erzbischof Hermann - auch nicht auf einen Tag wollte der Kaiser diesen Kirchenfürsten von seiner Seite lassen - sondern durch Bischof Bruno von Toul und im Beisein der ältesten Schwester Richeza, der verwitweten Königin von Polen, welche aus Trauer um den Verstorbenen am Tage des Begräbnisses der Welt feierlich entsagte, ihre gesamten Kostbarkeiten auf den Hochaltar niederlegte und aus Brunos Hand den Schleier empfing.