Im Februar 950 verlieh König
OTTO zu Worms Schwaben mit Churrätien seinem schon
genannten Sohne Liudolf (950-953).
Im
Jahr 930 geboren, hatte dieser seit 946 durch einen feierlichen Eid der
Großen des Reiches die Nachfolge in letzterem zugesichert erhalten.
Seine Vermählung mit der schönen und vielgepriesenen Ida,
für ihn zugleich die Anbahnung des Erwerbs ausgedehnter Güter
und des Vermögens überhaupt, das sein Schwiegervater besaß,
hatte wahrscheinlich im Jahr 947 stattgefunden. OTTO
hatte den Sohn und die Schwiegertochter fortan stets um sich zu haben gewünscht,
doch hatte Liudolf Schwaben, insbesondere
St. Gallen, noch bei Lebzeiten seines Schwiegervaters besucht und aus diesem
Anlaß sich allda allgemeine Liebe erworben.
Da nunmehr sämtliche Herzoge aus des Königs
Familie stammten oder durch Heirat mit ihm verbunden waren und die herzogliche
Würde in Franken wie in Sachsen mit dem Königtum vereinigt worden,
so schien
OTTOS Herrschaft fest gesichert.
Allein schon wieder erhoben sich neue Stürme. Ihr Hauptanstifter war
des Königs jüngerer Bruder, Herzog Heinrich
I. von Bayern, welcher mißgünstige Fürst dem
königlichen Sohne den Untergang bereiten wollte. Nach dem Tode König
Lothars von Italien im Jahr 950 setzte es Markgraf
Berengar von Ivrea, der früher in Schwaben eine Zufluchtsstätte
gefunden und von dort ausgezogen in Italien wieder Fuß gefaßt
hatte, durch, daß er und sein Sohn Adalbert
von den italienischen Großen zu Königen gewählt wurden,
und legte die Witwe Lothars, die Tochter
König
Rudolfs II. von Burgund, die schöne Adelheid,
ins Gefängnis. Da ersah König OTTO die
Gelegenheit, die Dinge in Italien nach seinem Sinne und zu seinen Gunsten
zu ordnen, und traf Vorbereitungen zu einem Zuge dahin.
Liudolf
eilte
ihm ohne Ermächtigung und vorschnell mit einem kleinen schwäbischen
Heere etwa im August des Jahres 951 voraus, um die italienischen Städte
zur Unterwerfung zu bewegen, nebenbei wohl auch um für sich selbst
an Land und Macht zu gewinnen; er hatte jedoch wenig Erfolg, da Heinrichdurch
vorausgesandte Boten vor seiner Aufnahme gewarnt und ihm so überall
Widerwärtigkeiten bereitet hatte, so daß er umkehren und dem
nachkommenden Vater wieder entgegengehen mußte. Noch vor Ablauf des
Jahres verließ er, mißvergnügt über OTTOS
Vermählung
mit Adelheid und den bedeutenden Einfluß
derselben sowohl als Herzog Heinrichs,
ohne Wissen seines Vaters Italien und verständigte sich an Weihnachten
im thüringischen Saalfeld insgeheim mit dem Erzbischof Friedrich von
Mainz und anderen unzufriedenen Fürsten des Reiches. Nachdem OTTO,
mit der italienischen Königskrone geschmückt, im Frühjahr
952 wieder nach Deutschland zurückgekehrt, war Heinrich
unablässig
bemüht, Liudolf aus der Gunst
seines Vaters zu verdrängen, seine Stiefmutter gegen ihn anzustiften
und ihn auf jede Weise zu kränken. Nachbarschaftliche Streitigkeiten
mit dem Oheim, verschiedene Bevorzugungen, welche dieser sich von OTTO
herausschlug,
reizten
Liudolf immer mehr gegen ihn,
und das verbreitete Gerücht, daß die Thronfolge, für die
bisher
Liudolf bestimmt gewesen war,
einem jüngeren Sohne OTTOS zugedacht
sei, brachte ihn auch gegen den Vater auf, bei welchem er sich zurückgesetzt
fand.
In der Fastenzeit des Jahres 953 erhob er sich plötzlich
mit dem lothringischen Herzog Konrad, OTTOS Schwiegersohn,
der dem König wegen der Behandlung Berengars
von Italien grollte und mit Heinrich
bitter verfeindet war; sie riefen ihre Genossen in Franken,
Sachsen, Bayern unter die Fahnen und setzten überall Burgen und Schlösser
in den Kriegsstand. In Mainz erschienen sie selbst bei OTTO,
der sich völlig in ihrer Gewalt befand, mit der Versicherung, daß
sie nicht gegen ihn die Waffen ergriffen hätten, sondern nur gegen
Heinrich,
welchen sie gerne festgenommen haben würden, und erreichten von dem
bedrängten König die Gewährung ihrer Wünsche zugesagt.
Allein sobald OTTO sich wieder frei
sah, nahm er diese Zusage als erzwungen zurück und berief einen allgemeinen
Reichstag zum Gericht über die Aufrührer nach Fritzlar, auf welchem
(vielleicht im Mai) Konrad und Liudolf,
wie es scheint, geächtet und ihrer Herzogtümer entsetzt wurden.
Um so lebhafter entbrannte nunmehr der Kampf, hatte OTTO
zunächst in Lothringen gegenüber von Konrad einigen
Erfolg, so belagerte er doch vergeblich längere Zeit den Sitz des
die Aufrührer stets begünstigenden Erzbischofs Friedrich, Mainz,
welches Liudolf
und Konrad zu ihrem
Hauptwaffenplatz gemacht hatten. Letztere erschienen übrigens selbst
im königlichen Lager und erklärten sich bereit, sich zu unterwerfen,
für ihr Vergehen alles zu erdulden, wenn nur ihre Freunde und Genossen
frei ausgingen, allein ohne Erfolg, da OTTO
auf
deren Auslieferung bestand und Heinrich von
neuem hetzte. Inzwischen hatten die Empörer nicht nur in Sachsen ihre
Partei verstärkt, sondern auch den Pfalzgrafen Arnulf aus der früheren
Herzogsfamilie Bayerns, welchem Heinrich die
Obhut seines Landes anvertraut hatte, gewonnen. In der Nacht nach der vergeblichen
Unterhandlung zwischen Vater und Sohn gingen die OTTOS
Heer
befindlichen Bayern zu Liudolf über,
worauf er mit ihnen nach Bayern aufbrach und im Bunde mit Arnulf sich Regensburgs
und der übrigen festen Plätze des Landes bemächtigte,
OTTO
aber
die Belagerung von Mainz aufhob und ihm nachzog. Der König sah sich
freilich fast in allen Provinzen des Reichs sich die Treue aufgekündigt,
denn auch die Schwaben hingen meist ihrem früheren Herzoge an und
zu OTTO hielten hier fast nur Bischof
Ulrich von Augsburg, sein Bruder Dietbald und Graf Adalbert, der später
nach seiner Burg Marchtal genannt worden ist. Ulrich selbst stieg
zu Roß und verstärkte mit einem Teil seiner Dienstleute das
Heer des Königs, als dieser gerade fruchtlos mit der Belagerung Regensburgs
beschäftigt war, wogegen Arnulf Augsburg ausplünderte und Liudolf
die
bischöflichen Güter großenteils unter seine Freunde als
Lehen austeilte. Während der König für den Winter sich nach
Sachsen zurückgezogen, belagerte der Pfalzgraf im folgenden Jahr den
in der Feste Mantahinga verschanzten Bischof Ulrich. Allein am 6. Februar
überfielen Dietbald und Adalbert plötzlich sein Lager; sie nahmen
seinen Bruder Hermann gefangen und entsetzten die Festung, worauf Ulrich
mit Heeresmacht in Augsburg einzog und die entrissenen Kirchengüter
wieder an sich brachte. Inzwischen machten sich die Ungarn die damalige
Not des Reiches zunutze und fielen in Bayern ein - gegenseitig warf man
sich die Herbeilockung dieser auch jetzt schrecklich hausenden Unholde
vor -, sie wurden jedoch durch Geldzahlungen Liudolfs
westwärts
geleitet und wandten sich bald über den Rhein. Endlich waren die streitenden
Parteien selbst teilweise des Kampfes müde und suchten Frieden. In
Langenzell (westlich von Nürnberg) unterwarfen sich Erzbischof Friedrich
von Mainz und ebenso Konrad; nur
Liudolf,
welcher gleichfalls erschienen, von Heinrich jedoch
aufs neue gereizt worden war, und Arnulf mit seinem Bayern verharrten im
Widerstande. Liudolf
zog sofort nach
Regensburg, der Vater folgte ihm und griff unterwegs die Feste Horsedal
an. Überaus heftig tobte der Kampf um die Mauern, und erst die Nacht
trennte die Streitenden. Es kam nunmehr, gegen Ende Junis, zur Belagerung
Regensburgs, welche viel Blut und bei Gelegenheit eines Ausfalls das Laben
des Pfalzgrafen Arnulf kostete. Nach Verfluß von sechs Wochen fanden
zum zweitenmale Unterhandlungen statt, allein sie zerschlugen sich wie
die früheren. Während Regensburg zu trotzen fortfuhr, zog Liudolf,
sein Geschick von dem der Stadt trennend, nach Schwaben. Der König
folgte ihm wieder. Bei Illertissen traten sich die Heere gegenüber
und waren fast schon im Begriffe, handgemein zu werden, als die Bischöfe
Ulrich von Augsburg und Hartbert von Chur den Vater und den Sohn milder
stimmten und einen Vergleich zustande brachten . Ehe die zu vollständiger
Erledigung der Sache nach Fritzlar berufene Versammlung stattfand, erschien
Liudolf
bei
seinem Vater, der zu Saufeld (dem heutigen Thangelstedt, südlich von
Weimar) jagte, warf sich mit entblößten Füßen vor
ihm nieder und erhielt unter allgemeiner Rührung Verzeihung. Auf dem
Reichstage zu Arnstadt wurde er, gleichwie Konrad, den 17. Dezember 954
noch öffentlich und feierlich begnadigt und im Besitze seiner Eigengüter
gelassen, wogegen er seinem Herzogtum und seinen lehnsherrlichen Rechten
förmlich entsagen mußte.
Sein Vater wies ihm im folgenden Jahr an seiner Seite
einen Wirkungskreis im Slawenkriege an, im Jahr 956 jedoch einen solchen
in Oberitalien, woselbst er gegenüber den Königen
Berengar und Adalbert glänzende
Erfolge erzielte. Allein schon am 6. September 957 raffte ihn zu
Pombia im Gebiet von Novara ein Fieber weg. Seine Leiche fand ihre
Ruhestätte in der St. Albanskirche zu Mainz. Alle Zeitgenossen, Schwaben
wie Sachsen und Italiener, priesen den Dahingeschiedenen und bejammerten
sein frühes Ende. Allem Volke teuer, Gott und allen Heiligen lieb,
mit allen Vorzügen des Geistes und Körpers wie kein anderer Sterblicher
geschmückt erscheint er ihnen. Liudolf
überlebten seine Witwe Ida, welche
erst den 17. Mai 986 starb, und zwei Kinder, Mathilde,
in der Folge Äbtissin von Essen, und Otto,
der spätere Herzog von Schwaben.