Leben im Mittelalter

Heute sehen wir das Leben im Mittelalter oft verklärt romantisch und die Mittelaltermärkte tragen sehr zu dieser Vorstellung bei. Betrachtet man allerdings die Geschichtsdaten, findet man viele Kriege und auch Hungersnöte. Es gab nur Reiche und Arme und die Menschen starben damals auch bereits mit etwa 45 Jahren. Frauenrechte gab es nicht und die Sklaverei gehörte zum Alltag. Die Todesstrafe war „in“ und man dachte sich immer wieder neue, grausame Foltermethoden aus. Die Kirche hatte großen Einfluss auf das Leben und die Menschen flüchteten sich in die Religion, was ihnen oft mit der Leerung ihrer Börsen gedankt wurde. Ablassanträge zur Vergebung der Sünden wurden mit harter Währung unterstrichen und schon kleine Krankheiten konnten schnell zum Tod führen, denn die Mediziner wussten nur wenig vom menschlichen Körper und Viren oder Bakterien kannte man gar nicht. Der Inquisitor kam schon, wenn man verleumdet wurde und so ließen sich unliebsame, aber ehrliche Zeitgenossen einfach mittels Volkshetze aus dem Weg räumen.

Trotz all dieser bekannten Details und dem Beinamen Dunkles Zeitalter ist das Mittelalter heute vor allem wegen der damals modernen Kleidung beliebt. Die bunten Leinenhemden und die aufwendig verzierten, geschnürten Kleider der Damen sind heute wieder sehr modern, auch wenn sie nicht im Alltag getragen werden können. Die Musik des Mittelalters unterstreicht die heute romantische Vorstellung dieser Zeit und Liebeszaubermittel, die mit Achselhaaren, Obst, Brot oder Asche die Liebe der Angebeteten herbeizaubern sollten, sieht man heute mit einem Schmunzeln im Gesicht. Dabei waren Raubehe und Potenztest an der Tagesordnung und von romantischen Liebesgeständnisse dürften die meisten Menschen im Mittelalter nur im Stillen geträumt haben. Medizin und Gesundheitswesen waren so gut wie nicht vorhanden, denn Essensreste und Exkremente kippte man einfach aus dem Fenster auf die Straße. Dass das Mittelalter für uns moderne Menschen – trotz dieser Abscheulichkeiten – so interessant ist, lässt sich rational nur schwer erklären. Sicherlich tragen Schriftsteller und die Filmindustrie dazu bei, dass wir die Grausamkeiten vergessen und unser Augenmerk eher auf die sicher auch vorhandene liebliche Seite des Mittelalters konzentrieren.

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