KONSTANTIN und METHOD


Lexikon des Mittelalters:
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Konstantin und Method, hl.
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Über das als 'Lehrer der Slaven' in die Geschichte eingegangene Brüderpaar aus Thessalonike berichten ausführlich die altslavische Vita Constantini (VC) und Vita Methodii (VM), die beide byzantinisch hagiographischen Mustern folgen. Als Verfasser der vielleicht zunächst griechsich aufgezeichneten VC gilt Method, während die VM von einem Schüler Methods, vielleicht Clemens von Ochrid, stammt. Unter den lateinischen Quellen verdient die sog. 'Legenda italica' Leos von Ostia (spätes 9. Jh.; BHL 2073) besondere Erwähnung. Das Brüderpaar, einer hohen Beamten-Familie entstammend, genoß eine ausgezeichnete Ausbildung in Konstantinopel im Umkreis des Patriarchen Photios. Der ältere Bruder Method (* um 815) bekleidete zunächst hohe Verwaltungsämter, bevor er in das Kloster Polychronion im Marmarameer eintrat (VM, IV 6), während Konstantin (* 826/827) als versierter Theologe an Glaubensgesprächen mit Arabern anläßlich einer Gesandtschaft an den abbasidischen Kalifen Mutawakkil betreffs Gefangenenaustausches (VC, VI; Dölger, Reg. 451) teilnahm. Über seine theologische Disputation mit den judaisierenden Chazaren in der Hauptstadt des Reiches am Westufer des Kaspischen Meeres (Dölger, Reg. 458) verfaßte Konstantin ein dem Patriarchen und dem Kaiser zugedachtes Memorandum (in VC, X auszugsweise aufgenommen). Eventuelle kirchliche Weihen vor der Slavenmission sind umstritten. 862 bat der slavische Herrscher an der Morava, Rastislav, Kaiser Michael III. um Entsendung von Lehrern, die unter aanderem in der Lage sein sollten, byzantinische Gesetzbücher ins Slavische zu übertragen. 863 wurde eine byzantinische Delegation zu Rastislav entsandt (Dölger, Reg. Nr. 463), an deren Spitze Konstantin und Method standen, die dank ihrer Abstammung aus Thessalonike die Sprache der südslavischen Makedonen/Bulgaren beherrschten. Zum Zwecke der schriftlichen Fixierung der zu übersetzenden Texte hatten sie zuvor das glagolitische Alphabet (Alphabet, III, IV) geschaffen. Wegen Differenzen mit dem im Gebiet Rastislavs bereits vor ihrer Ankunft tätigen lateinischen Klerus beschlossen Konstantin und Method 866, ihr Wirken nach Pannonien zu Fürst Kocel zu verlagern. Wenig später gingen sie über Venedig (Dreisprachenhäresie) nach Rom, um ihre Unternehmungen zu legitimieren, möglicherweise neue Mitarbeiter zu gewinnen und die Unterstützung des Papstes zu erbitten. Aus diesem Schritt sowie aus dem Briefverkehr Papst Nikolaus' I. und Patriarch Photios' (Grumel-Darrouzès, Nr. 472), wird ersichtlich, daß das Tätigkeitsgebiet des Brüderpaares, X meg6lh Morabta, innerhalb des Illyricums lag. Archäologische Funde in Mähren (Umkreis von Nitra) bezeugen bereits im 9. Jh. eine christliche Kultur, deren Blüte jedoch in die 1. Hälfte des 9. Jh., also vor Ankunft der Brüder, fällt. Die überwiegende Zahl der Forscher hält an der Tradition der kyrillomethodianischen Mission Mährens fest. Dagegen spricht unter anderem ein Hinweis bei Konstantinos Porphyrogennetos (De adm. imp., 13 und 40; Litavrin-Novosel'cev 52, 164), wonach Großmähren sich am mittleren Lauf der Donau, beim Zusammenfluß der Sava, befinde. Diese Lokalisierung bestätigt auch die Nestorchronik (Povest' vremennych let) siehe auch 898 (Lichacev I, 21ff.), ist jedoch bis heute strittig.
Konstantin starb in Rom unter dem Mönchsnamen Kyrillos am 14. Februar 869. Method wurde von Papst Hadrian II. zum Erzbischof von Sirmium geweiht und in seinen Sprengel, sein bisheriges Tätigkeitsgebiet in Süd-Pannonien und an der Donau, zurückgeschickt. Die fortdauernden Spannungen mit dem lateinischen Klerus führten zur zeitweisen Gefangenschaft Methods in Süd-Deutschland (vermutlich Reichenau). Erst 873 wurde Method, dank wiederholter Ermahnungen Papst Johannes' VIII. befreit; dabei wurde ihm auferlegt, von der Liturgie in slavischer Sprache Abstand zu nehmen. Nach Photios' Wiedereinsetzung als Patriarch (Oktober 877) unternahm Method 881/882 (eventuell erst 883) eine letzte Reise nach Konstantinopel, deren Ziele aus der Vita (VM, XIII) nicht klar hervorgehen (Gewinnung neuer Mitarbeiter für das Übersetzungswerk? Überreichen der Reliquien des Papstes Clemens?). Fest steht, daß Method auf der Durchreise Bulgarien besuchte und mit dem Fürsten Boris I. zusammentraf. Nach dem Tode Methods (6. April 885) fanden seine Schüler Zuflucht in Bulgarien.
Das Lebenswerk der Lehrer der Slaven bestand in der Einführung des Slavischen als liturgische Sprache (Kirchenslavische Sprache und Literatur), wobei dies nicht Ausdruck der offiziellen Missionspolitik des byzantinischen Staates und der Kirche war, sondern der persönlichen Initiative und Überzeugung der Brüder entsprang (Vavrínek). Zu diesem Zwecke übertrugen sie das Evangelium (VC, XIV 14), das Psalterium (älteste Handschriftensammlung 10.-11. Jh.) sowie die für den liturgischen Gebrauch notwendigen Perikopen des AT (Parimejnik = profhtolAgion). Umstritten bleibt, ob die vollständige Übersetzung des AT - außer den Makkabäerbüchern (VM, XV 1) - auf Method und seine Mitarbeiter zurückgeht. Gemäß ihrer Herkunft und Erziehung besteht kein Zweifel, daß Konstantin und Method nach byzantinischem Ritus zelebrierten. Method soll slavische liturgische Gedichte zu Ehren des hl. Demetrius verfaßt haben, was eine slavische Übersetzung des Hirmologions voraussetzt (VM, XV 4). Ob die Übertragung liturgischer Texte westlicher Herkunft (Kiever Blätter, kürzlich aufgefundenes sinaitisches Missale) auf die kyrillomethodianische Epoche zurückgeht und somit im Umkreis von Method auch der römische Ritus in Anwendung kam, bleibt umstritten. Vermutl. auf M. geht eine Ermahnung an den Herrscher zurück, die im Clozianus-Homiliar aus dem 11. Jh. aufgenommen wurde. Unter den Übersetzungen aus dem Griechischen ins Slavische, die die Slavenlehrer anfertigten, ragt das Nomokanon in 50 Titeln des Patriarchen Johannes Scholastikos hervor (VM, XV 4). Umstritten bleibt der Hinweis in VM, XV 4 auf die Übersetzung von 'Väterbüchern' (vielleicht »Dialogi« Gregors des Großen nach der griechischen Übersetzung Papst Zacharias', Mitte 8. Jh. [BHG 1446-1448]). Zur Festigung der Kirchenorganisation übersetzte Method eine unter dem Titel 'Zakon sudnyj ljudem' (lex iudicialis de laicis) bekannte Kompilation aus der 726 erlassenen Iklog\ tqn nAmwn. Vor Beginn der Slavenmission verfaßte Konstantin einen griechischen Bericht über die Auffindung der Reliquien des hl. Clemens Romanus, der als slavische Übersetzung 'Slovo na prenesenie mostem sv. Klimenta' ab dem 15. Jh. hs. erhalten ist. Auf die Slavenlehrer geht wahrscheinlich auch der Anfang einer slavischen Chronographie zurück, die die Povest' vremennych let übernahm.
Während die VM bereits im 'Uspenskij Sbornik' (12.-13. Jh.) erhalten ist, begegnet die ältere VC erst in Handschriften ab dem 15. Jh. sowie in Auszügen in kroatisch-glagolitischen Breviarien aus dem 14. Jh. Das Gedächtnis des hl. Konstantin/-Kyrill am 14. Februar wird bereits im altslavischen Assemani-Evangeliar (2. Hälfte 10. Jh.) sowie im altrussischen Ostromir-Evangelium (1056/57) genannt. In kroatisch-glagolitischen Missalen und Breviarien ist ein Fest der hl. Kyrill und Method am 14. Februar seit dem 14. Jh. bezeugt. Konstantin gilt auch als der Verfasser einer Vorrede (Proglas) zu der Evangelienübersetzung, die nach dem Muster des byzantinischen zwölfsilbigen Verses angefertigt wurde. Diese Vorrede gilt als das erste Denkmal der Verskunst bei den Slaven.

Ch. Hannick