An Ottos Stelle erhob die Kaiserin-Witwe
Agnes, Vormünderin des jungen Königs
HEINRICH IV., den Grafen Rudolf von
Rheinfelden (1057-1080) zum
Herzog. Nach einem freilich ziemlich späteren Berichte von geringer
Glaubwürdigkeit soll er ein Sohn des Grafen Kuno von Rheinfelden,
eines Bruders des Herzogs Theoderich von Ober-Lothringen, und der Gräfin
Ida von Habsburg gewesen sein; anderen Nachrichten zufolge war seine
Vaters-Schwester die Mutter des dem Königshause nahe verwandten Markgrafen
Udo von der Nordmark. Bedeutende Erbgüter
Rudolfs
lagen zwischen dem Juragebirge und den Alpen innerhalb der Saone,
dem Bernhardsberge und der Brücke zu Genf, so dass die Abstammung
seiner Familie aus dem Königreich Burgund sehr wahrscheinlich ist.
Diese Beziehung zu Burgund, dessen Verwaltung
Rudolf
zugleich mit dem Herzogtum Schwaben erhielt, vielleicht auch
das verwandtschaftliche Verhältnis mögen auf obigen Entschluß
der Kaiserin-Witwe gewirkt haben. Um den Herzog nach enger an ihr Haus
zu fesseln, verlobte sie ihm ihre älteste erst 12-jährige Tochter
Mathilde, ließ dieselbe sogleich
nach Schwaben bringen und dem Bischof Rumold von Konstanz zur weiteren
Erziehung übergeben. Kaum mit ihr im Jahr 1059 vermählt, wurde
Rudolf
bereits im folgenden Jahre Witwer
und erhielt bald darauf die Hand von Adelheid,
der Tochter des Markgrafen Odo von Savoyen-Turin, einer Schwester von König
HEINRICHS IV. Braut Bertha.
So wurde er doppelt mit dem Könige verschwägert .
Zufolge einem etwas späteren Berichterstatters,
dem Abt Ekkehard von Aura (+ nach 1125), hatte Kaiser
HEINRICH III. dem Grafen Berchtold dem Bärtigen von Zähringen
eine Anwartschaft auf Schwaben verliehen und ihm zum äußeren
Zeichen dieser Verheißung seinem Ring eingehändigt, allein Rudolf
raubte bald nach des Kaisers Tod die Prinzessin
Mathilde und heiratete sie. Mit der Kaiserin wieder ausgesöhnt,
wurde er von derselben mit dem Herzogtum belehnt, während Berchtold
umsonst den Ring vorwies, zur Entschädigung jedoch eine Anwartschaft
auf Kärnten und nach dessen Erledigung im Jahre 1061 dieses Herzogtum
mit der Markgrafschaft Verona verliehen erhielt. Gegen die Glaubwürdigkeit
dieser Erzählung, besonders hinsichtlich des Ringes und der Entführung
der kaiserlichen Tochter, sind übrigens mancherlei Zweifel geltend
gemacht worden.
Von Herzog Rudolf
selbst wird in den ersten Jahren seines Regiments keinerlei Beteiligung
an den Angelegenheiten des Reiches erwähnt, möglich, dass er
durch die Verwaltung Burgunds zu sehr in Anspruch genommen wurde. Noch
der Vermittlung seiner ihm stets wohlwollenden Schwiegermutter hatte er
es ohne Zweifel zu verdanken, dass seinem Sohne
Berchtold schon als Kind die Nachfolge im Herzogtum zugesichert
wurde. Nach dem Sturze dieser seiner Gönnerin dürfte er zunächst
vom Hofe ferngehalten worden sein. Später suchte ihn, wie es scheint,
Erzbischof Adalbert an seine Interesse zu fesseln, wenigstens erhielt Rudolfs
Bruder, Adalbero, ein Ungeheuer an Leibesumfang und Eßlust,
seither Mönch von St. Gallen, im Sommer 1065 zum allgemeinen Ärgernis
das Bistum Worms und etwa um dieselbe Zeit der Herzog für sich selbst
die Abtei Kempten. Allein für die Dauer vermochte Adalbert
auch ihn nicht zu gewinnen, denn unter den geistlichen und weltlichen Fürsten
des Reiches, welche, die Erzbischöfe von Köln und Mainz an der
Spitze, im Januar 1066 zu Tribur vom Könige die Entfernung Adalberts
erzwangen, wird auch Rudolf
als besonders eng mit Anno vereint erwähnt. Noch einige
Male, so bei der Verleihung des Herzogtums Bayern an Welf IV., den Sohn
des Markgrafen Azzo von Este, an Weihnachten 1070, wird zwar seiner vermittelnden
Tätigkeit beim Könige gedacht; allein bald trat eine Spannung
zwischen den Schwägern ein. Von Widersachern Rudolfs
benachrichtigt, dass dieser gegen ihn und das Reich Feindseliges im Sinn
habe, lud HEINRICH den Herzog wiederholt
vor den Hof, sich allda zu rechtfertigen, doch wußte die Kaiserin-Witwe,
welche auf die Bitte Rudolfs
aus Italien
den 25. Juli 1072 in Worms eintraf, denselben von allem Verdacht der Schuld
zu befreien, so dass er in Frieden entlassen wurde. Freilich nahm er die
Überzeugung mit, der König habe seinen Groll gegen ihn nicht
aufgegeben, warte vielmehr nur die Gelegenheit zur Rache ab, und so kam
es, dass schon gegen Ende des Jahres, während ganz Sachsen in aufrührerischer
Stimmung war, eine Erhebung Rudolfs
befürchtet wurde. Übrigens gelang es noch, ihn von den Waffen,
den König von einem ungestümen Vorgehen gegen ihn abzuhalten,
und am Palmsonntag (24. März) 1073 nahm HEINRICH
zu Eichstätt oder Augsburg ihn, sowie andere verdächtige Große,
wieder zu Gnaden an.
Aus der Harzburg, in welcher er von den sächsischen
Aufrührern belagert, entkommen, bat HEINRICH
den 18. oder 19. August 1073 zu Spieskappel (bei Ziegenhain) Rudolf
und andere Fürsten fußfällig um Beistand, allein dieselben
kamen ihm nur in ungenügender Weise entgegen. Von Rudolf
insbesondere
wurde meist geglaubt, dass er ein geheimes Einverständnis mit den
Sachsen unterhalte; auch war er schon damals mit dem neuen Papst Gregor
VII. in enger Verbindung und bestrebt, eine Unterwerfung des Königs
unter die päpstlichen Anforderungen zu bewirken. Daher erhielt er
von Gregor am 1. September des Jahres reichliches Lob gespendet, zugleich
aber die Aufforderung, nach Rom zu kommen, um allda mit seiner Schwiegermutter
Agnes,
mit
Beatrix von Tuszien und einigen gottesfürchtigen Männern gemeinsam
über die Bedingungen einer dauernden Aussöhnung zwischen dem
Könige und dem heiligen Stuhle zu beraten.
Die vom Könige zu Verhandlungen mit den Sachsen
nach Gerstungen gesandten Abgeordneten: die Erzbischöfe von Mainz
und Köln, die Bischöfe von Metz und Bamberg, die Herzoge
Rudolf, Gozelo von Nieder-Lothringen und Berchtold kamen nach
dreitägiger Besprechung (20.-22. Oktober) in treuloser Weise mit denselben
insgeheim überein, es sei die Absetzung HEINRICHS
und die Wahl eines neuen Königs in Betracht zu ziehen. Ja, die Versammlung
war bereit, Rudolf alsbald auf den
Thron zu erheben, doch er erklärte, die Krone nur annehmen zu wollen,
wenn sie ihm, ohne dass er sich des Treuebruchs schuldig mache, durch allgemeine
Fürstenwahl ordnungsgemäß übertragen werde, eine Erklärung,
welche deutlich bewies, dass er der Annahme keineswegs abgeneigt sei. Die
Erbitterung zwischen HEINRICH und Rudolf
wurde noch gesteigert, als bald darauf ein Angeber letzterem eröffnete,
der König habe ihn zu seiner Ermordung gedungen. HEINRICH
hielt den Herzog, übrigens wohl zu Unrecht, für den Anstifter
der gewiß unwahren Sache und war willens, sich selbst mit ihm im
gerichtlichen Zweikampf zu messen; doch brachte man unter Hinweisung darauf,
dass dies des Königs nicht würdig sei, von seinem Vorhaben ab.
Im Zusammenhang mit der erzählten Angelegenheit
berief zwar der Erzbischof von Mainz die Fürsten aus dem ganzen Reich
in seine Residenz, um in gemeinschaftlicher Beratung Rudolf
zum König zu wählen; allein HEINRICH
wußte durch sein Erscheinen in Mainz einen solchen Beschluß
zu verhindern, und noch einmal schloß sich Herzog
Rudolf seinem Schwager vollständig an. Als der König
im Jahr 1075 aus ganz Deutschland ein gewaltiges Heer zur Bekämpfung
der Sachsen sammelte, welche nach dem Abschluß des für ihn schimpflichen
Gerstunger Friedens vom 2. Februar 1074 zu übermütiger Gewalttat
vorschritten, fand sich, wie die Herzoge Berchtold und Welf, auch Herzog
Rudolf, verletzt durch das einseitige Vorgehen der Sachsen bei
jenem Frieden, im Heer ein und entwickelte eine ganz besondere Tätigkeit
für des Königs Sache. Er war es, welcher dem letzteren am 9.
Juni 1075 zu einem plötzlichen unerwarteten Angriffe auf die bei Homburg
an der Unstrut lagernden Sachsen bestimmte, eine Aufforderung, wofür
ihm HEINRICH zeitlebens dankbar zu
bleiben versprach. In der lange schwankenden, mörderischen Schlacht,
welche zugunsten des Königs ausfiel, brachte nur der Beistand Herzog
Welfs mit seinen Bayern die Schwaben, über welche die Feinde so mächtig
einstürmten, dass sie schon zurückzuweichen begannen, wieder
zum Stehen. Von ihren Großen fielen unter anderen zwei Söhne
des königlichen Rats, Graf Eberhard von Nellenburg; Rudolf
selbst, auf dessen Haupt sein Vetter, Markgraf Udo von der Nordmark, einen
kräftigen Streich führte, verdankte sein Leben mehr als einmal
nur seiner starken Rüstung.
Im Februar 1076 sprach Papst Gregor VII. den Bann über
den König aus, entsetzte ihn des Thrones und entband alle seine Untertanen
ihres Eides. Schnell waren die drei oberdeutschen Herzoge bereit, sich
von dem Könige loszusagen; sie blieben von den Versammlungen fern,
welche
HEINRICH ausschrieb, verständigten
sich mit den Bischöfen von Salzburg, Würzburg, Passau und Metz
und verkehrten ununterbrochen mit Gregor. Wohl nicht später als in
der Mitte Septembers hielt diese päpstliche Partei, während in
Sachsen der Aufstand allgemein wurde, zu Ulm eine Zusammenkunft und beschloß
allda, zur Hebung der Wirren auf den 16. Oktober nach Tribur einen allgemeinen
Fürstentag auszuschreiben. Aber auch an letzterem Orte wurde nur eine
weitere allgemeine Fürstenversammlung in Augsburg auf den 2. Februar
1077 verabredet, wo nach dem Urteile des Papstes, welchen man bitten wollte,
selbst zu erscheinen, die Sache des Königs, wenn er sich zuvor Lösung
vom Banne erwirken könnte, entschieden werden sollte. Der König
gestand alles zu, beschloß aber, dem Papste, von dessen Anwesenheit
in Deutschland in einer Fürstenversammlung er das Schlimmste für
seine Zukunft befürchtete, zuvorzukommen. Er eilte über den Mont
Cenis nach Italien, da die genannten Herzoge die Alpenpässe in ihren
Ländern sorgfältig hüteten, wie denn zum Beispiel Bischof
Dietrich von Verdun, der dem König nach Italien folgen wollte, von
Graf Adalbert von Calw ergriffen, beraubt und erst nach längerer Zeit
gegen Lösegeld aus seiner Gefangenschaft freigelassen wurde. HEINRICH
erlangte zwar im Januar 1077 zu Canossa durch die tiefste Demütigung
für sich und seine getreuen Räte die Lösung vom Bann; allein
seine Gegner in Deutschland, nicht gewillt, sich ihm wieder zu unterwerfen,
trafen allerlei Gegenanstalten. Gegen die Mitte Februar traten der Erzbischof
von Mainz und die Bischöfe von Würzburg und Metz, sowie RUDOLF,
Welf und Berchtold nebst einigen schwäbischen Herren in Ulm zusammen
und bestimmten auf den 13. März einen großen Reichstag nach
Forchheim, bei welchem zu erscheinen Herzog Rudolf,
der zum mindesten seit dem Tage zu Tribur nach der Krone strebte und dessen
Aussichten auf dieselbe in Ulm wohl ziemlich sich befestigt hatten, den
Papst noch besonders aufforderte. So wurde RUDOLF
auf
dem Pilatushofe zu Forchheim den 15. März des Jahres unter wesentlicher
Mitwirkung der päpstlichen Legaten von einer beträchtlichen Anzahl
deutscher Fürsten, zuerst von den, übrigens nicht zahlreich vertretenen
geistlichen, voran den Erzbischof von Mainz, und nach einigen Verhandlungen
auch von den weltlichen, einstimmig zum Könige gewählt
und von dem umstehenden Volk durch Zurufen als solcher anerkannt. Doch
mußte er jedem Erbrecht seiner Kinder an die Krone ausdrücklich
entsagen und die Besetzung der Bistümer durch freie kanonische Wahlen
gestatten. Nachdem er am 26. des Monats zu Mainz von Erzbischof Siegfried
gekrönt worden [die Krone, mit welcher RUDOLF
gekrönt
wurde, soll er sich bereits vorher im geheimen im Kloster Ebermünster
an der Ill habe schmieden lassen.], eilte er nach Schwaben. Er berührte
hier Eßlingen, feierte den Palmsonntag (9. April) in Ulm, Ostern
in Augsburg, dessen Bürgerschaft und Bischof jedoch innerlich an HEINRICH
festhielten; dann zog er über Ulm und Reichenau, Konstanz, dessen
Bischof, ein heftiger Gegner der päpstlichen Partei, sich auf eine
benachbarte Burg des Grafen Otto von Buchhorn flüchtete, und später
nach Zürich.
Sehr bald zeigte sich übrigens, dass RUDOLFS
Sache
in Deutschland im Grunde doch wenig Anklang fand, und insbesondere in seinem
eigenen Herzogtum, welches in Kürze ein greulich verheerter Hauptschauplatz
des Kampfes um das Königtum werden sollte, erhielt er gegen sein Erwarten
wenige Anhänger. Auf der Seite König
HEINRICHS, des bewährten Gönners der Schwaben, für
welchen die noch immer kräftigen Erinnerungen an das alte Kaisertum
sprachen, standen zum Beispiel Graf Eberhard IV. der Bärtige von Nellenburg,
des Königs vertrauter Ratgeber, welcher schon durch Papst Alexander
II. gebannt worden war, Graf Friedrich von Staufen, Markgraf Diepold von
Giengen, Graf Otto von Buchhorn, Egino, Hunfried, Beringer von der ACHALMER
Grafenfamilie, ferner die Bischöfe von Konstanz, Augsburg, Speier
und Straßburg, welche letzterer gleichfalls zur ACHALMER Familie
gehörte, endlich das Kloster St. Gallen mit dem von HEINRICH
im Jahr 1077 eingesetzten Abte Ulrich III., und ferner, so lange
Ulrich auch diese Abtei innehatte, Reichenau. Dagegen hielten zu König
RUDOLF, durch welchen das alte Kaisertum der kirchlichen und
der fürstlichen Gewalt aufgeopfert wurde und für welchen Otto
von Nordheim die mächtigste Stütze war, die zu Schwaben in enger
Beziehung stehenden Herzoge Berchtold und Welf, ferner Graf Hugo
von Tübingen, die Grafen Markward und Ulrich von Bregenz, letzterer
RUDOLFS
Tochtermann, Hartmann von Dillingen-Kiburg, Kuno und Liutold von Achalm
und Wülflingen, Mangold von Veringen, Burchard von Nellenburg, Bruder
des für HEINRICH streitenden Eberhard,
der mächtige Graf Adalbert von Calw, die Bischöfe von Würzburg,
Worms; sodann von Klöstern: Hirsau, welches unter der Leitung seines
Abtes Wilhelm vornehmlich in der nächsten Zeit vorort der für
den Papst wirkenden Klosterreformation wurde, und anfangs auch Reichenau
unter dem Abte Ekkehard aus dem Hause Nellenburg, für welchen, jedoch
nicht auf lange, der bereits genannte Gegenabt Ulrich eingesetzt wurde.
Von Zürich zurückkehrend, hielt
RUDOLF
zunächst
nach Ostern des Jahres einen Fürstentag zu Eßlingen und belagerte
sodann mit seiner zusammengerafften Mannschaft, kaum 5.000 Leuten, die
Burg Sigmaringen. Auf die Kunde, dass König
HEINRICH mit einem überallher, selbst aus Böhmen,
gesammelten Heeres schon die schwäbische Grenze erreicht habe, wollte
er ihm zwar entgegeneilen; allein sein eigenes Heer verweigerte ihm den
Dienst, ja verlangte sogar, dass er Schwaben ohne Schwertstreich räume.
So mußte er über Kloster Hirsau, wo er Pfingsten (4. Juni) feierte,
nach Sachsen ziehen, um, auf dessen Kräfte gestützt, den Krieg
gegen HEINRICH fortzusetzen. Dieser
seinerseits rückte noch vor Pfingsten von Ostfranken und vom Main
her über Eßlingen nach Ulm und versammelte dort einen großen
Reichstag, bei welchem er, mit der Krone geschmückt, auftrat. Zugleich
hielt er nach schwäbischem Recht Gericht über die aufständigen
Herzoge, welche des Lebens, ihrer Würden und Lehen für verlustig
erklärt wurden. Infolge dieses Urteilsspruchs vergabte er einen Teil
der eingezogenen Lehen sogleich an seine Anhänger, während er
die beiden Herzogtümer Schwaben und Bayern vorläufig selbst in
der Hand behielt. Indes zog RUDOLF
gegen Ende Julis mit einem starken sächsischen Heere vor die zu HEINRICHhaltende
Stadt Würzburg, vereinigte sich während der übrigens erfolglosen
Belagerung mit Berchtold und Welf, welche ihm namentlich eine Schar schwäbischer
Ritter zuführten, und näherte sich dem am unteren Neckar in der
Gegend von Ladenburg stehenden Gegner. Mit seiner überlegenen Macht
suchte er vergeblich HEINRICH zum Kampfe
- wie von einer HEINRICH feindlichen
Seite berichtet wird, auch zum Zweikampfe - zu bewegen, allein die Fürsten
auf beiden Fürsten beredeten zur Entscheidung des Thronstreits einen
Fürstentag auf den 1. November und bis dahin Waffenruhe. Sofort zog
RUDOLF
nach
Sachsen, Welf und Berchtold kehrten nach Schwaben zurück, das HEINRICH
unter schrecklichen Verwüstungen durchzogen haben soll. Den angesagten
Fürstentag wußte er zu vereiteln, allein den 12. November erneuerte
der päpstliche Legat in Goslar den Bann gegen ihn. Freilich weigerte
sich der Papst, der HEINRICHS Macht
gewaltiger sah, als er erwartet hatte, lange, dieses Vorgehen anzuerkennen,
und von beiden Parteien während der winterlichen Waffenruhe angegangen,
benahm er sich schwankend und zurückhaltend.
Im nächsten Jahr (1078) wütete der Kampf von
neuem besonders in SW-Deutschland. Im Elsaß besiegte Herzog Berchtolds
Sohn, der junge Berchtold von Zähringen, die unter Führung der
Bischöfe von Basel und Straßburg nach Grafschaften aufgebotenen
Bauern und ließ die Gefangenen entmannen. Das rheinische Franken
durchzogen der alte Berchtold und Welf unter furchtbaren Verwüstungen,
um nach Ostfranken vorzudringen und sich mit dem aus Sachsen heranrückenden
RUDOLFzu
vereinigen. HEINRICH verhinderte dies
zwar den 7. August des Jahres bei Melrichstadt im Würzburgischen durch
einen unerwarteten Angriff auf RUDOLF,
allein an sich war der Erfolg der Schlacht unentschieden und HEINRICHerlitt
empfindliche Verluste, so namentlich durch den Tod seines getreuen Grafen
Eberhard von Nellenburg und des Markgrafen Diepold von Giengen. Auch unterlag
am gleichen Tage ein Bauernheer von gegen 12.000 Mann, welches der König
im Fränkischen ausgerüstet hatte, nach heißem Kampf dem
Heer der beiden Herzoge. Sie wüteten gegen die Besiegten so unmenschlich,
wie der junge Berchtold im Elsaß, und zogen sich sofort unter entsetzlichen
Verwüstungen in ihre Heimat zurück.
HEINRICH
selbst aber drang mit einem neuen Heere, das er in Bayern, Böhmen,
Burgund, Franken und aus seinen Anhängern in Schwaben gesammelt, im
November von Regensburg her in letztgenanntes Land ein, wo es hauptsächlich
den Erbgütern Berchtolds und Welfs galt. Schrecklich wurde, wenigsten
nach den Berichten der Gegenpartei im Lande gehaust. An 100 Kirchen wurden
entweiht, als Pferdeställe und zu noch niedrigeren Zwecken benützt,
die Geistlichen geprügelt, die in den Kirchen geraubten Weiber geschändet,
in Mannstracht und geschoren als Gefangene fortgeschleppt. Im WELFEN-Sitz
Altdorf wurde ein hölzernes Kruzifix zerschlagen, Graf Hugo auf seiner
Burg Tübingen [Der Name wird hier das erste Mal in der Geschichte
genannt.] belagert und zur Unterwerfung gezwungen. Ohne Zweifel wurde damals
dem Grafen Liutold von Achalm als Anhänger RUDOLFS
"Baichilingen" und "Notzingen" und alle dessen würzburgische Lehen
in Ostfranken, mehr als 1.000 Mansen entzogen, wofür der Graf sich
übrigens später durch die Wegnahme von Nürtingen und anderem
rächte. Inmitten dieser Greuel starb den 6. November auf seiner Feste
Lintburg (wahrscheinlich Limburg oberhalb Weilheim) der betagte Herzog
Berchtold, welcher bei dem Anblick der Verwüstung seiner Güter
in Irssin verfallen war. Er wurde im Kloster Hirsau beigesetzt. Ihm folgte
aus König HEINRICHS Heer in raschem
Tode den 13. des Monats vor Tübingen Erzbischof Udo von Trier, der
Bruder des kürzlich gefallenen Grafen Eberhard von Nellenburg.
Um Ostern (24. März) des Jahres 1079 verlieh König
HEINRICH zu Regensburg das Herzogtum Schwaben an den Grafen
Friedrich von Schwaben, verlobte ihn zugleich mit seiner noch im Kindesalter
stehenden einzigen Tochter Agnes und
übertrug ihm den Befehl über ein namentlich aus O-Franken, Bayern
und im Augsburgischen gesammeltes Heer, welches seinen Gegner in Schwaben
bekämpfen sollte. Ihm entgegen erhob die Partei RUDOLFS,
welcher den jungen Berchtold von Zähringen mit seiner Tochter Agnes
vermählte, insbesondere Herzog Welf, RUDOLFS
jungen Sohn Berchtold in
Ulm feierlich zum Herzoge. Nach Welfs Abzug besetzte Herzog Friedrich die
Stadt, mußte sie jedoch wieder räumen, als Welf mit kriegerischer
Macht zurückkehrte. Gleichzeitig mit der Vergebung des Herzogtums
Schwaben hatte übrigens HEINRICH
auch die Abtei Reichenau an seinen treuen Anhänger, den Abt Ulrich
von St. Gallen (seit 1077) verliehen. Verwüstete nun der ZÄHRINGER
die im Breisgau gelegenen Güter St. Gallens und Welf die an die welfischen
Ländereien
grenzenden Besitzungen desselben, so rächte sich Ulrich dafür
dadurch, dass er in Gemeinschaft mit Graf Otto von Buchhorn die Burgen
Markdorf und Kiburg, sowie die Stadt Bregenz niederbrannte.
Die Gegen-Könige selbst hatten gegen den Schluß
des Jahres nach mannigfachen Verhandlungen über eine Ausgleichung
und nach kurzem Waffenstillstand wieder stark gerüstet und HEINRICH
insbesondere machte wahrscheinlich gegen Ende des Jahres einen Streifzug
nach Schwaben. Als sie sich jedoch nunmehr in Thüringen entgegentraten,
war der Ausgang der Schlacht bei Flarchheim vom 27. Januar 1080 für
RUDOLF
günstig.
Für die kommende Fastensynode wurde der Papst wiederum
von beiden Parteien mit Gesandten angegangen, namentlich aber von den Sachsen
mit den schweren Anklagen gegen HEINRICHbestürmt.
So gab er denn sein bisheriges Doppelspiel auf, erneuerte den 7. März
den Bann gegen HEINRICH und verfluchte
zugleich alle seine Anhänger. Jetzt war es vielleicht, dass er seinen
Schützling eine Krone mit der stolzen Inschrift: "Roma dedit Petro,
Petrus diadema Rudolpho" überschickte. Allein dieses Mal verfehlte
der Bannstrahl seine Wirkung: an Pfingsten des Jahres ließ
HEINRICH
zu Mainz durch 19 Erzbischöfe und Bischöfe, deren Beschluß
die anwesenden weltlichen Fürsten beitraten, den Papst absetzen, ja
im Juni wurde zu Brixen unter seiner Mitwirkung durch eine von Deutschland
und Italien besuchte Synode Gregor nochmals abgesetzt, der Erzbischof von
Ravenna, Wibert, ein alter Feind Gregors, zum Papste erwählt, der
Gegen-König
RUDOLF und Herzog Welf und ihr Anhang mit dem Kirchenbann belegt.
Mit einem bedeutenden Heere, in welchem die Bayern und
nach ihnen die Lothringer an Zahl vorherrschten, aber auch Herzog Friedrich
von Schwaben und mehrere schwäbische Bischöfe vertreten waren,
zog HEINRICH im Herbst nach Sachsen,
und den 15. Oktober kam es unweit Hohenmölsen an der Grune
zu einer hitzigen Schlacht. Im ganzen siegten hier die Sachsen und brachten
HEINRICHS Heer in vollständige
Auflösung; allein RUDOLF, der
sich selbst mitten in den Kampf geworfen, verlor die rechte Hand - nach
einer späteren kaum begründeten Angabe durch einen Schlag Gottfrieds
von Bouillon - erhielt einen Stich in den Unterleib und verschied noch
am Schlachttage selbst oder am folgenden Tag. Auf die Nachricht vom Siege
der Seinen sprach er: "Nun werde ich lebend und sterbend gerne dulden,
was der Herr über mich beschlossen hat". Nach einem anderen Bericht
freilich soll er, in den letzten Zügen liegend und schwer atmend,
im Anblick seiner Hand zu den umstehenden Bischöfen gesagt haben:
"Sehet, das ist die Hand, mit welcher ich meinem Herrn HEINRICH
den Eid der Treue geleistet. Ich verlasse jetzt sein Reich und das Leben,
aber ihr, die ihr mich seinen Thron besteigen hießet, sehet wohl
zu, ob ihr mich, der ich eurer Aufforderung folgte, auf den rechten Weg
geführt habt." Beigesetzt wurde er im Dom zu Merseburg, allwo sein
stattliches Denkmal, sowie die abgehauene Rechte noch heute zu sehen sind.
Dass RUDOLF als ein heiliges Opfer
für die Kirche gefallen, wie seine Grabinschrift rühmt, möchte
mit Recht bezweifelt werden; weltlicher Ehrgeiz vor allem dürfte den
früher vom Glück begünstigten Emporkömmling geleitet
haben. So urteilt denn auch ein treuer und leidenschaftlich ergebener Anhänger
König HEINRICHS in dessen etwas
rhetorisch gehaltener Lebensbeschreibung über seinen Gegen-König:
"Er war ein ausgezeichneter Herzog, ein Mann von großem Ansehen und
Lob im ganzen Reich, am Wahren und Rechten eifrig haltend, tapfer in den
Waffen, bewährt in jeglicher Art von Tüchtigkeit, nur die alles
bezwingende Ehrfurcht hat ihn besiegt und zum Verräter an seinem Herrn
gemacht, so dass er die Treue einer ungewissen Ehre nachsetzte."