Nur wenige Ehen der STAUFERINNEN
wurden
glücklich oder auch nur gut, keine aber ist so dunkel und verworren
wie die der Beatrix.
Beatrix
wurde von den Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit heimgesucht. Ihr
Leben verband sich schließlich auf Umwegen mit dem Gegner ihres Vaters
und Geschlechts, dem WELFEN OTTO IV. Obwohl
sie mit ihm nur knapp einen Monat verheiratet war, kann ihr Leben nicht
losgelöst von dem OTTOS erzählt
werden.
Sie wurde vermutlich ein Jahr nach der Vermählung
PHILIPPS
mit Irene 1198 geboren. Sie war es,
die der Vater 1203 dem Papst Innozenz III. zur Verlobung mit dessen Neffen
anbot, um eine Versöhnung der STAUFER
mit den Päpsten herbeizuführen. Noch einige Male erscheint danach
Beatrix
als Objekt politischer Erwägungen. PHILIPP
versprach nach dem Feldzug gegen Thüringen 1204 Beatrix
dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, der ihn bei dem Kriegszug
unterstützt hatte. PHILIPP aber
zögerte, sein Versprechen aufrechtzuerhalten, Charakter und Lebensart
des bayerischen Pfalzgrafen stießen ihn ab. Cäsarius von Heisterbach
beschreibt
Otto in seinem "Dialogus
miraculorum" als einen hartherzigen und jähzornigen, wilden und zügellosen
Menschen.
Im Frühjahr 1208 wurde im Zusammenhang mit den in
Rom zwischen dem Papst und den Abgesandten König
PHILIPPS
geführten Verhandlungen der frühere Heiratsplan,
König
PHILIPPS Tochter Beatrix
und den Neffen des Papstes betreffend, wieder aufgegriffen. Einen
Monat später, am 21. Juni überfiel Pfalzgraf Otto von Wittelsbach
aus Rache für die Auflösung der Verlobung mit Beatrix
in Bamberg
König PHILIPP und
tötete ihn.
Nach der Ermordung PHILIPPS
war
OTTO IV. der alleinige König.
Auf dem Reichstag in Frankfurt am 11. November 1208 wurde er wiedergewählt.
Auf diesem Reichstag führte der Bischof von Speyer, Heinrich von Scharfenberg,
die 10-jährige Beatrix vor die
Versammlung der Fürsten, erinnerte an die Untat des Königsmordes
an PHILIPP, und Beatrix
erbat weinend von dem Feind ihres Vaters und Geschlechts Schutz
und Hilfe. Die Versammlung forderte Vergeltung für die Bluttat. Beatrix
wurde von OTTO in Obhut
genommen und nach Braunschweig gebracht. OTTO
IV. hatte sich unter dem Vorwand
solcher Hilfeleistung für die Tochter seines ehemaligen Widersachers
eines Faustpfandes gegen die
STAUFER
versichert, die staufische Beatrix
sollte ein Garant für seine Herrschaft in Deutschland und im Imperium
sein, zumal zwei ihrer Schwestern bedeutenden Herrscherhäusern verlobt
waren. Eine Rolle spielte auch OTTOS
Absicht auf das sich in verworrenem Zustand befindliche Byzantinische Reich,
denn die Mutter der Beatrix war eine
Tochter des Kaisers von Byzanz.
OTTO IV. wurde 1182
als Sohn Heinrichs des Löwen geboren, war also zwei Jahre
jünger als PHILIPP VON SCHWABEN.
Diesem,
einem zartem, blonden, milden, liebenswürdigen, gebildeten und frommen
STAUFER
war
der WELFE in jeder Hinsicht gegensätzlich,
nämlich groß von Gestalt, ungewöhnlich kräftig, schroff
und derb, stolz und nach Kampf und Abenteuern begierig. Den Deutschen galt
er als landfremd, war er doch in England von seinem kinderlosen Oheim Richard
Löwenherz erzogen und verwöhnt worden.
OTTO war einer der
Ritter gewesen, die Richard Löwenherz als
Geiseln stellte, als er die Geldforderungen nach der Gefangennahme durch
HEINRICH
VI. einzulösen hatte;
OTTO
war damals, noch sehr jung, auf dem Trifels festgehalten worden. 1196 von
Richard
Löwenherz mit dem aquitanischen Herzogtum und der
Grafschaft Poitou beschenkt, nahm OTTO
an
der Seite der Engländer am Kriegszug gegen den französischen
König Philipp II. August teil. Schon in den Jahren des
Krieges zwischen PHILIPP VON SCHWABEN
und OTTO hatte der auf Frieden bedachte
PHILIPP
eine Verbindung seiner Tochter Beatrix
mit dem WELFEN erwogen; dieser Plan
war vom Papst gefördert worden, aber nicht weiter gediehen.
Auf einer Versammlung am Sonntag nach Pfingsten 1209
in Würzburg, ein Jahr nach PHILIPPS Ermordung,
wurde von den Reichsfürsten der Wunsch einer Verlobung
OTTOS
mit
der staufischen Beatrix öffentlich
geäußert. Da entschied sich
OTTO.
Er reichte vor der Fürstenversammlung Beatrix
den Verlobungsring, küßte sie als seine Braut und
sagte zu den Versammelten: "Schaut eure Königin; ehrt sie, wie ihr
gebührt!"
Ihre Jugend - sie war 11 Jahre alt - verhinderte
die Eheschließung, die erst unter dem Druck der Verhältnisse
nach drei Jahren überstürzt vollzogen werden sollte.
OTTO kehrte aus Italien
zurück, verwüstete das Land des abgefallenen Landgrafen von Thüringen
und drang bis Weißensee vor, das er belagerte. Während der Kampfhandlungen
um Weißensee schloß OTTO
am 22. Juli 1212 in Nordhausen in aller Eile und unter großer Prachtentfaltung
die Ehe mit Beatrix.
OTTO mußte während der Belagerung des ihm hartnäckig
trotzenden Weißensee die Nachricht erhalten haben, dass der 18-jährige
FRIEDRICH am 1. Mai in Genua gelandet
war. Um sich gegen FRIEDRICH Krone
und Reich zu sichern, erfolgte die überstürzte Vermählung
OTTOS
mit Beatrix
am 22. Juli 1212, doch
kaum einen Monat nach der Hochzeit starb
Beatrix
am
11. August. Das Faustpfand war OTTO aus
der Hand geglitten.
OTTO zog sich nach
der Niederlage bei Bouvines (27. Juli 1214) mit seiner zweiten Gemahlin,
der
brabantischen
Maria, in sein ihm
verbliebenes braunschweigisches Stammland zurück.
Er starb auf der Harzburg. Das Ende des ungestümen
WELFEN
war düster. "Von einem unsagbaren Weltschmerz befallen", heißt
es in den Annalen des Abtes Albrecht von Stade, "so dass er seinen Köchen
befahl, sie sollten auf seinen Nacken treten" (in collum suum conculbarent),
starb er am 19. Mai 1218 im Alter von 36 Jahren. Die letzten irdischen
Worte, die er vernommen, waren das Lied "Mitten wir im Leben sind vom Tod
umfangen", das, nachdem alle bis auf die Priester und seine Gattin das
Sterbegemach verlassen hatten, gesungen wurde.
Einzelne Chronisten berichten, OTTO
habe
sterbend den Wunsch ausgesprochen, seine Gebeine nach Rom zu bringen, damit
der Papst ihn vom Banne löse. Dies sei auch geschehen, bevor er im
Dom St. Blasien von Braunschweig bestattet wurde, wo vier Jahre vor ihm
seine erste Gemahlin, die staufische Beatrix,
beigesetzt worden war. Jetzt ruhen OTTO
und Beatrix in dem von Herzog Anton
Ulrich 1707 für die Angehörigen seines Hauses angelegten Sammelgrab.
Auf dessen Messingplatte stehen auch die Namen OTTO
und der Beatrix verzeichnet.
OTTO war bis 1212
in kurzer Ehe von wenigen Tagen mit Beatrix der
Älteren, einer Tochter König
PHILIPPS VON SCHWABEN vermählt gewesen. Am 19. Mai 1214
verlobte sich OTTO
in Maastricht mit
Maria,
der Tochter Heinrichs I. von Brabant, und feierte bald darauf in Aachen
die Hochzeit.
Herzog Heinrich I. unterstützte seinen Schwiegersohn
OTTO,
der bei Bouvines geschlagen worden war und gebrochen und hilflos nach Köln
kam. Hier machte OTTOS zügellose
Gemahlin, eben die brabantische Maria,
so große Spielschulden, dass OTTO
unter dem Vorwand, er gehe auf die Jagd, aus der Stadt ritt und seine in
Köln verhaßt gewordene Gemahlin ihm heimlich in Pilgertracht
nach Braunschweig folgte. Diese brabantische Maria
mag
den letzten Lebensjahren des gebrochenen und verzweifelten
WELFEN
OTTO IV. wenig Glück gebracht haben.