Das Geldwesen im Mittelalter – Kredite früher und heute

Mit der Zunahme der städtischen Wirtschaften und der daraus resultierenden Ausweitung der Fernhandelsverträge kam es bereits im Mittelalter zu einem Anstieg des Kreditwesens. Sehr zum Leidwesen der Kirche, jedoch wurden Kredite nunmehr von allen Bevölkerungsschichten in Anspruch genommen. Viele Bauern hatten aufgrund von Missernten große finanzielle Probleme aber auch Kaufleute und Handwerker mussten sehr häufig Kredite aufnehmen, da sie von zahlungsunwilliger Kundschaft arg in Bedrängnis geraten waren. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Kredite waren jedoch auch Seuchen, wie die Pest, und auch Kriege.

Auch der Adel war gezwungen Geld auszuleihen

Von den Veränderungen des Geldwesens im Mittelalter war jedoch auch der Adel mehr und mehr betroffen. Dessen Lebensstandard konnte ohne die Aufnahme von Krediten nicht mehr gehalten werden, zudem sorgten auch die zahlreichen Kriege dafür, dass mehr und mehr Geld benötigt wurde.

Bezogen auf Gewerbe und Handel war es im Mittelalter üblich, dass der Produzent oder der Verkäufer von Waren die hierfür benötigten Rohstoffe als Kredit bekam. So erhielt der Schneider beispielsweise Tücher und Garn, der Metzger Schlachtvieh, Viehborg genannt. Nach dem Verkauf des Endproduktes, des fertig genähten Anzugs oder des Verkaufs des Fleisches, wurde der Kredit dann zurückgezahlt. Darüber hinaus wurden viele sogenannter Barattgeschäfte getätigt, d. h., es fand ein Tausch von Waren statt, um so die Schwierigkeiten beim Münzhandel und auch den Kapitalmangel zu umgehen.

Die reinen Darlehensgeschäfte wurden später dann von den Juden eingeführt und im ausgehenden Mittelalter von den Lombarden und dem Bürgertum übernommen. Möglich wurden diese Geschäfte auch deshalb, weil die bis dato als Wucher bezeichneten Darlehensgeschäfte nun zulässig waren, da der Einkommensausfall (lucrum cessans) beim reinen Verleihen von Waren oder dem Viehborg in keinem Vergleich zum möglichen Gewinn bei Verleihung von Geld stand. Die Zinsen für die Kredite waren jedoch extrem hoch. Um 1200 betrug der Zinssatz rund 20 Prozent, im 14. Jahrhundert zwischen 5 und 10 Prozent. Heutzutage finden sich jedoch deutlich günstigere Kredite.

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