Herzog Ottos II. Söhne traten ein schweres
Erbe an, doch war ihr Weg vorgezeichnet. Beide waren von ihrem Vater frühzeitig
in die Politik eingeführt worden, der ältere hatte sich bereits
in der Kriegsführung bewährt. Für beide waren schon im Knabenalter
Gattinnen auserwählt worden, entsprechend dem doppelpoligen Charakter
der bayerischen Politik, für den in Heidelberg geborenen und im deutschen
Westen beheimateten Ludwig Maria, die Tochter Herzog Heinrichs von
Brabant, für Heinrich Elisabeth,
die Tochter
König Belas IV. von Ungarn,
mit Rücksicht auf Bayerns Interessen im Osten. Im Sommer 1255 begab
sich
Heinrich zum zweiten Male zu seinem Schwiegervater, bei dem
er 1253/54 fast ein Jahr geweilt hatte, um für dasselbe Ziel wie damals
zu wirken, die Gewinnung der Steiermark, die Bela
seit dem mit Ottokar geschlossenen
Frieden von 1254 in der Hand hatte, wie früher ohne Erfolg. Die beiden
Brüder waren gleichberechtigte Erben. Es war ihre Absicht, gemeinsam
zu regieren, wie ihre ersten Regierungshandlungen beweisen. Allein es kam
sehr rasch zu Differenzen. Im Herbst 1254 versprachen sie sich noch gegenseitig,
ihre Herrschaft einträchtig auszuüben. Etwa ein halbes Jahr später,
um Ostern (28. März) 1255, schritten sie überraschend zur Teilung.
Sie betrachteten sichtlich die in ihren Händen vereinigte Gesamtmasse
an Gütern und Rechten als ihr ererbtes Eigentum und verfügten
in diesem Sinn darüber, wie der Bauer über seinen Hof, entsprechend
der Bildung des Territoriums, die persönlicher Leistung zu verdanken
war, und auch veranlasst durch die privaten Erwerbstitel, auf denen große
Teile davon beruhten. Der Vorgang war in Deutschland ohne Vorbild. Es widersprach
dem geltenden Reichsrecht, nach welchem die Fürstentümer unteilbar
waren, doch wurde noch unter ihrer Regierungszeit der Teilungsgrundsatz
von der Reichsgewalt anerkannt. Es wäre politisch sinnvoll gewesen
und hätte dem Land viel Unheil erspart, wenn der eine der Brüder
die Pfalzgrafschaft, der andere das Herzogtum übernommen hätte.
Allein Ludwig war nicht gesonnen, sich auf die Pfalz, obwohl sie
ihm vertrauter war als seinem Bruder, zu beschränken und sich mit
der Pfalzgrafschaft und der mit ihrem Inhaber verbundenen Stellung des
Reichsverwesers bei Thronvakanz und des ersten weltlichen Fürsten
in Deutschland zu begnügen. Da das Herzogtum größer war
als die Pfalzgrafschaft und die Stammgüter barg, begehrte er an ihm
Anteil, und so wurde es zerlegt. Er erhielt zur Pfalzgrafschaft noch das
obere Bayern, Heinrich das niedere. Mit diesen Teilen waren Ober-
und Nieder-Bayern als politische Begriffe geschaffen. Nieder-Bayern war
eine in sich ruhende kompakte Landmasse, ein weites Bauernland zwischen
Freising und Landshut im Westen, Cham im Norden und Reichenhall im Süden,
mit den alten AGILOLFINGER-Gauen und
Herzogs-Pfalzen, mit vier Bischofssitzen mitten im Land oder an der Grenze,
Salzburg, Freising, Regensburg, Passau, deren Inhaber als Reichsfürsten
unabhängig waren und von Österreich und Böhmen umworben
wurden und dort gegen den niederbayerischen Herzog immer Hilfe fanden,
während Ludwig von Ober-Bayern mit Bischöfen weniger zu
rechnen und keine Landesgrenzen gegen sie zu wahren und abzustecken hatte.
Das Niederland war der Erbe der traditionellen bayerischen Ostpolitik,
mit Beziehungen nach Ungarn und Böhmen, mit der Aufgabe, den wichtigen
Grenzübergang nach Böhmen, die Further Senke, zu bewachen. Es
war noch nicht ins Gleichgewicht gekommen, seit vom Block des Mutterlandes
die Marken weggebrochen waren, namentlich seit das Land ob der Enns, bayerisches
Altsiedelgebiet, verlorengegangen war, und besaß das natürliche
Ziel, die Inn-Salzach-Linie wieder zur Mittelachse des Landes zu machen.
Die Teilung hatte schwerwiegende Folgen, deren nächste
darin bestand, dass sich zwei Hauptstädte ausbildeten. An Regensburg,
der bayerischen "houbestat" der Kaiserchronik, waren beide Brüder
interessiert, sie übten dort burggräfliche Rechte aus, und die
inneren Grenzen der Teil-Herzogtümer liefen hart an der Stadt vorbei,
aber es war nicht gelungen, der Stadt ihren alten Charakter zu erhalten.
Heinrich wählte Landshut als Sitz, das schon Vater und
Großvater bevorzugt hatten und für das er im Jahre nach der
Teilung eine in der Forschung vielbeachtete Polizei- und Marktordnung erließ.
Beide Brüder hatten dem Reich und den Nachbarn gegenüber bayerische
Interessen im Auge, aber diese deckten sich nicht. Heinrich hatte
die böhmische und österreichische Frage zu lösen, Ludwig
wurde durch die Pfalz und die staufische
Tradition, um die hauptsächlich er sich annahm, auf die Reichspolitik
hingewiesen. Wie das Ziel, so waren die Kräfte zersplittert, es mangelte
an gegenseitiger Unterstützung und an Einheitlichkeit der Linie. Ein
gemeinsames Anliegen war jedoch die vom Vater bereits eingeleitete Befriedung
des Landes. Die beiden Brüder verglichen sich 1253/55 mit den Bischöfen
von Regensburg und Salzburg, Freising und Passau. Über die Klöster,
die in den Wirren viel gelitten hatten, ergoss sich in den ersten Jahren
ihrer Regierung ein ganzer Segen von Gunsterweisungen. Mit dem Stadtbürgertum
wurden Bindungen hergestellt. Heinrich krönte sein Befriedungswerk
durch einen Landfrieden, den er für sein Herzogtum zusammen mit den
Bischöfen von Passau, Freising und Bamberg im Jahre 1256 errichtete.
Der unberechenbare und gefährliche Nachbar der beiden
Brüder, der in die Südost-Position der BABENBERGER und STAUFER
in ihrem ganzen Umfang einzurücken versuchte und alle Länder
zwischen dem Fichtelgebirge und der Adria in seine ausschweifenden territorialstaatlichen
Pläne einbezog, war Ottokar II. von Böhmen,
Gatte der Schwester Friedrichs des Streitbaren, Margarete
von Österreich. Abgewiesene Erbansprüche auf Bogensches
Gebiet, die vermutlich unter Berufung auf die böhmische Gattin Herzog
Ludwigs erhoben worden waren, mussten ihm den Vorwand zu einem zweiten
überraschenden Einfall geben, der ihn im August 1257, nachdem er sich
im April zuvor des Bischofs von Passau in einem Vertrag versichert hatte,
an der Spitze bedeutender Streitkräfte durch passauisches Gebiet bis
in das Herz Nieder-Bayerns, bis südlich von Landshut, führte.
Der vom Zaun gebrochene Feldzug scheiterte schmählich, dank der Eintracht
und Wachsamkeit der Herzöge. Heinrich stellte den Eindringling
und verlegte ihm den Rückzug, während Ludwig vom Rhein
herbeieilte. Ottokar musste um Waffenruhe
nachsuchen, die ihm gewährt wurde und es ihm ermöglichte, nach
dem salzburgischen Mühldorf auszuweichen. Die Gegner folgten und brachten
ihm beim Innübergang schwere Verluste bei. Er selbst konnte entkommen,
während der größere Teil seiner Truppen in Mühldorf
eingeschlossen wurde und erst nach Annahme der auferlegten Bedingungen
freien Abzug erhielt. Ottokar musste
Neuburg und Schärding preisgeben, auf Ried im Innviertel und auf das
ehemals Bogensche Schüttendorf verzichten, in einem Frieden, den Ludwig,
dessen Kriegstüchtigkeit sich wie 1253 bewährte und die Entscheidung
herbeigeführt hatte, im November 1257 in Cham vermittelte.
Der Einbruch Ottokars,
seine Verbindung mit Salzburg und Passau hatte die Gefahr, in der Nieder-Bayern
schwebte, blitzartig geoffenbart. Trotzdem schwand das Einvernehmen zwischen
den beiden Brüdern,
Heinrich musste fortan die Last der Abwehr
allein tragen, ohne Unterstützung durch Ludwig, der auch durch
seine staufische Restaurationspolitik
in seiner Entschlussfreiheit gehemmt war. Nach seinem Erfolg in Steiermark
hatte Ottokar Schärding zurückgefordert
und mit Krieg gedroht. Heinrich hatte sich abgesichert und noch
im Jahre 1260 Braunau befestigen und dort in kürzester Frist eine
Innbrücke bauen lassen, um einen Brückenkopf und militärischen
Stützpunkt an der Aufmarschstraße ins Land ob der Enns zu gewinnen.
Mit dem Kauf der kraiburgisch-ortenburgischen Eigengüter um Eggenfelden,
Pfarrkirchen, Vilshofen und Griesbach das Jahr zuvor, 1259, und dem Gewinn
der seit langem begehrten passauischen Lehen der BOGENER und ORTENBURGER
im Jahre 1262 waren am unteren Inn klare Machtverhältnisse geschaffen
und schien das passauische Tor für Böhmen geschlossen. Im Salzburger
Bistumsstreit erschien Heinrich in der 2. Hälfte des Jahres
1262, unterstützt von salzburgischen Ministerialen, vor der Stadt,
um Ulrich mit Gewalt zurückzuführen, eroberte den Stadtteil rechts
der Salzach, brannte ihn, nachdem er die Burg nicht nehmen konnte, nieder
und ließ oberhalb von Hallein eine Feste erbauen. Das Jahr darauf
schritt, er noch vor Ablauf des Winters, ein zweites Mal zur Belagerung
der Salzburg, musste aber, als Ottokar anrückte,
davon abstehen, zumal sein rücksichtsloses Eingreifen ein Spaltung
der Bürgerschaft und Ministerialität bewirkt hatte. Die Folge
war ein Aufstand in der Stadt, bei welchem schließlich die Gegner
Philipps die Oberhand behielten und diesen zwangen, die Stadt zu räumen,
so dass im Februar Ulrich an der Seite Heinrichs in Salzburg einziehen
konnte. Nur vier Monate waltete er seines Amtes, dann resignierte er, in
Erkenntnis seiner "Unzulänglichkeit und der menschlichen Bosheit".
Heinrich hatte, obwohl Sieger, die Partie verloren. Der Erfolg Ottokars
schuf eine für Bayern gefährliche Situation. Gedeckt durch
die Kurie, die Bischöfe von Salzburg und Passau und durch seine neue
Stellung im Reich, durch den Rückhalt, den er an RICHARD
VON CORNWALLIS besaß, seit er sich im September 1262 eindeutig
zu ihm bekannt hatte, bereitete Ottokar
einen Schlag gegen Bayern vor, der vernichtend gedacht war. RICHARD
hatte
ihm im Besitz von Böhmen und Mähren bestätigt und ihn mit
Österreich und Steier belehnt. An der Wende des Jahres 1265 übertrug
er ihm das Reichsvikariat rechts des Rheins und damit den Schutz des Reichsgutes
und die Wahrnehmung der königlichen Rechte bis zu seiner Ankunft in
Deutschland. Die Auswirkungen bekamen die beiden
WITTELSBACHER
zu spüren. Der militärische Schlag des Böhmen gegen Bayern
misslang. Er musste über Eger den Rückzug antreten, indes Heinrich
feste
Plätze im Mühlviertel brechen ließ.
Heinrich vermied
eine direkte militärische Begegnung, da er
Ottokar nicht gewachsen war und sein Bruder ihn nicht unterstützte.
Auf eine Mahnung von höchster kirchlicher Seite und unter dem Einfluss
seiner Gattin Kunigunde von Ungarn,
einer Nichte der niederbayerischen Herzogin, ließ sich Ottokar
1267 zu einer Versöhnung mit Heinrich herbei, die
freilich nur vorübergehend war. Als aber dann, nachdem er auch das
Spanheimische Erbe an sich gebracht und Krain und Kärnten gewonnen
hatte, König Stephan von Ungarn
dem böhmischen Druck, der nunmehr von Mähren bis Istrien reichte,
mit Waffengewalt zu begegnen suchte und in Österreich und Steiermark
einbrach, während Herzog Heinrich im Frühjahr 1271 zur
Unterstützung seines Schwagers vom Westen her vorrückte und das
Land ob der Enns von Vöcklabruck bis Wels verheerte, entstand für
Ottokar eine Situation, die zu einem
ernsten Wandel seiner bayerischen Politik führte. Der doppelten Gefahr
nicht gewachsen, verstand er sich zu einem kurzdauernden Frieden mit Ungarn
im Juli 1271, der auch Bayern mit einschloss und der Ausgangspunkt für
eine Sonderabmachung mit Bayern wurde, die bis in die letzten Jahre Ottokars
Bestand war und ihm Rückenfreiheit gegen Ungarn verschaffte.
Auch
Heinrich strebte nach einem Ausgleich. Die Krankheit an der
Nieder-Bayern litt, war nicht bloß Ottokar
und sein Machtstreben allein, sondern der Rückhalt, den der Böhme
an den bayerischen Bischöfen genoss. Im Frieden von Anfang 1273 rückte
Ottokar erstmals, ein Erfolg
Heinrichs,
von den bayerischen Bischöfen ab. Heinrich opferte das ungarische
Bündnis, das als Druckmittel für ihn wertvoll gewesen war, aber
ihn bisher nur Opfer gekostet hatte. Er verzichtete auf territoriale Apirationen
in der gesamten Ländermasse Ottokars,
also auch auf den 1268 ererbten Besitz Friedrichs des Streitbaren von Österreich.
Im einzelnen gab er den ererbten Lehensbesitz um Schüttenhofen und
Winterberg preis, während er seine Güter in der Wachau behauptete.
Ottokar verzichtete seinerseits auf
alle Ansprüche auf Güter und Rechte in den Grafschaften Bogen
und Deggendorf und auf die Burgbezirke Schärding, Floß und Parkstein.
Die Burg Ried im Innviertel blieb in seinem Besitz.
Heinrich erkannte 1273 RUDOLF
VON HABSBURG nicht an. Die Misshelligkeiten wegen der siebenten
Kurstimme, in deren Ausübung er mit Böhmen konkurrierte, gefährdeten
sein böhmisches Bündnis nicht. Im Oktober 1274 traf er sich mit
Ottokar in Pisek. Gleich ihm blieb
er dem Nürnberger Reichstag vom 19. November fern, auf dem unter dem
Vorsitz des Pfalzgrafen, wie es üblich war, wenn ein König Klage
erhob, die Reichsgüterrevindikationen eingeleitet wurden, von denen
Ottokar mit Österreich, Steiermark,
Kärnten, Krain, dem Egerland, der Windischen Mark (= Unterkrain) und
Portenau (Pordenone, westlich von Udine) betroffen war. Damit war die böhmische
Frage, die für RUDOLF eine Existenzfrage
war, aufgerollt. War Ottokar auch nicht
mit Namen genannt worden, so wusste jedermann, dass er gemeint war. Eine
zweite Klage richtete sich direkt gegen ihn, da er noch nicht um Belehnung
nachgesucht hatte. Es wurde entschieden, dass, wer seine Lehennahme ohne
rechtmäßigen Grund über Jahr und Tag versäume, seine
Lehen verwirkt habe. Von dieser Entscheidung war Heinrich mitbetroffen,
da er sich gleichfalls noch nicht hatte belehnen lassen. Dennoch blieb
er wie Ottokar auch dem Würzburger
Reichstag vom 23. Januar 1275 fern. Als ihm daraufhin von RUDOLF
mit
Klage vor dem Fürstengericht gedroht wurde, ließ er sich dazu
herbei, den Augsburger Tag vom Mai 1275 mit Vertretern zu beschicken, im
Gegensatz zu Ottokar, gegen den diesmal
die Entscheidung fiel. In eben dem Augenblick, in dem durch RUDOLF
die Frage der Zukunft des Babenbergischen Erbes noch einmal gestellt wurde
und eine endgültige Entscheidung sich anbahnte, gingen die beiden
wittelsbachischen
Brüder getrennte Wege. Die Gegensätze hatten sich durch Heinrichs
Hinwendung zu Ottokar und infolge
des durch die Wahl RUDOLFS neu belebten
Streites um die beiden Fürstentümer und die daraus fließenden
Rechte, besonders das Wahlrecht, vertieft. Sie führten nach dem Augsburger
Reichstag zu offenen Feindseligkeiten und Raub und Brand auf beiden Seiten.
Es war vorauszusehen, dass Nieder-Bayern wegen seiner für beide Gegner
wichtigen Lage eine entscheidende Bedeutung in der kriegerischen Auseinandersetzung
mit Ottokar zukommen würde. Noch
war der Böhme mächtiger als der König. Heinrich fühlte
sich auf der böhmischen Seite stark und unterschätzte den seinen
Einfluss vorschiebenden König, der die Ausfallbastion gegen Bayern
und geistliche Mauer, die Ottokar im
Westen um seine Länder gezogen hatte, zum Einsturz brachte. Da der
Erzbischof von Salzburg, der neue Patriarch von Aquileja und die Bischöfe
von Bamberg und Passau, sowie Ungarn und Tirol auf die Seite RUDOLFS
traten,
wurde Heinrich allmählich wankend. Auch der Papst mahnte ihn
am 26. September 1274 zum Gehorsam gegen König
RUDOLF. Schließlich entfremdete sich Ottokar
seinen Bundesgenossen selbst im Streit um die Kurstimme. Durch Bemühungen
König RUDOLFS und des Papstes
kam es zu einer Begegnung der beiden Brüder in Nürnberg, die
nach einem am 2. Februar 1276 geschlossenen Waffenstillstand am 29. Mai
1276 in Regensburg zu einem Vergleich führten. Auch als im Juni 1276
über Ottokar die Oberacht ausgesprochen
wurde, trat Heinrich noch nicht aus der Reserve hervor. Erst als
rundum der Abfall von Ottokar einsetzte,
als der Burggraf von Nürnberg im August Eger eroberte, als Ottokar
Kärnten, Krain und die Steiermark verlor und ein völliger
Zusammenbruch bevorstand, erschien Heinrich im September 1276 in
Regensburg in letzter Stunde vor der Eröffnung des Feldzuges vor RUDOLF,
nahm sein Herzogtum von ihm zu Lehen und gab sein Bündnis mit Ottokar
preis, aber nicht ohne sich Vorteile zu wahren, die das eigentliche Ziel
seiner Politik offenbaren. Die Bedingungen Heinrichs waren: sein
ältester Sohn Otto sollte mit Katharina,
der jüngsten Tochter RUDOLFS,
verheiratet werden, die Mitgift 40.000 Mark betragen. Als Pfand forderte
er in Wahrnehmung alter Rechte und Ansprüche das Land ob der Enns.
Ende September musste es ihm RUDOLF
in Passau unter dem Druck der Lage, mit Zustimmung der anwesenden Fürsten,
überlassen, nachdem Heinrich erneut mit Abfall gedroht hatte.
Daraufhin öffnete
Heinrich die Donausperren bei Straubing und
Passau und gab dem König den Weg nach Wien frei, während Ottokar
ihn im Nordosten Böhmens erwartete.
Herzog Heinrich schickte
ein Kontingent zum Reichsheer und rückte selbst ins Land ob der Enns
ein, während RUDOLF
gegen Wien
marschierte, begleitet von Ludwig, der einen wesentlichen Anteil
am militärischen Erfolg hatte, indem er Klosterneuburg im Handstreich
nahm, den Weg zur Stadt damit frei machte und mit anderen Fürsten
den Frieden vermittelte, der am 21. November 1276 zustande kam. Ohne eigentlich
geschlagen zu sein, musste Ottokar,
der über Heinrichs Abfall maßlos enttäuscht war,
Österreich, die Steiermark, Kärnten, Krain und die Windische
Mark, Eger und Portenau herausgeben. Heinrich hatte sein territoriales
Ziel erreicht. Er nahm das von ihm besetzte Gebiet unter seine Verwaltung,
urkundete in Linz, Steyr, Wels und anderen Orten, bestätigte Besitzungen
und verlieh Freiheiten und gab Anweisungen an alle Amtleute im Land ob
der Enns. RUDOLF versuchte wohl einen
Ausgleich zwischen den beiden Brüdern anzubahnen, traf jedoch keine
Anstalten, die Abmachungen von Regensburg und Passau durchzuführen
und Heinrich auf seiner Seite zu halten, sondern ließ alles
offen, so dass Heinrich seine Beziehungen zu Ottokar
nicht aufgab und sich nicht scheute, von ihm schwere Geldsendungen
anzunehmen.
Heinrich glaubte, als der Endkampf herannahte, mit dem
Land ob der Enns ein Faustpfand in der Hand zu haben und nahm eine
durchsichtige Haltung ein. Während Pfalzgraf Ludwig vom Rhein
herbeieilte, hinderte er den Bischof von Basel und schwäbische Hilfstruppen
am Durchzug durch sein Land und stellte es gleichzeitig den Seinen frei,
Ottokar Hilfe zu leisten. Er selbst
nahm wie Ludwig am Kampf, der auf dem Marchfeld bei Dürnkrut
am 26. August 1278 stattfand, nicht teil.
Heinrich sah sich jetzt nur noch einem der beiden
Rivalen gegenüber, dem Sieger, der wohl von Anfang an den Sieg für
sich und sein Haus auszunützen entschlossen war und nicht im entferntesten
daran dachte, die wittelsbachischen
Nachbarn bei der Neuordnung des Südostens zum Zuge kommen zu lassen.
Obwohl sich Heinrich mit seinem Bruder Ludwig in der Handfeste
von Vilshofen vom 23. Oktober 1278 aussöhnte, musste er im Mai 1279
auf das Land ob der Enns verzichten, als König
RUDOLF ihn mit einer Heerfahrt drohte. Was Heinrich blieb,
war am Ende die Braut für seinen Sohn Otto, aber ohne die seinerseits
ausbedungene Mitgift, die jetzt auf 3.000 Mark heruntergesetzt wurde und
für die ihm RUDOLF
einige Burgen und Herrschaften, die Neuburg am unteren Inn,
sowie Freistadt, Klingenberg und Mauthausen in Ober-Österreich nördlich
der Donau als Sicherheit gab. Die territorialen Hoffnungen Heinrichs
zerstoben in nichts. Wie 1246, so ging auch bei der Neuverteilung des Südostens
1282 das wittelsbachische Bayern leer
aus.
Heinrich vermochte sich aus der Umklammerung durch
Österreich, Salzburg, Tirol und den eigenen Bruder nicht mehr befreien.
Am 2. Februar 1290 ist er gestorben, ohne seiner Politik eine neue
Wendung gegeben zu haben. Sein großer außenpolitischer Erfolg
war die Abwehr Ottokars von Böhmen
in den Jahren 1257 bis 1273. In all seinen anderen politischen Plänen
war er gescheitert, in der Kurfrage, im Streit um das fürstliche Erbe,
in seinen großen territorialen Aspirationen. Nicht zuletzt weil ihm
der Erfolg versagt blieb, erscheint er als unzuverlässig und unstet,
als ein Störenfried am Rand der großen politischen Geschehnisse,
als "Ersatz-Kurfürst", als "beharrlicher Zänker", zu Unrecht
Er war nur in seinen politischen Mitteln beweglich und wandelbar, in der
Zielsetzung war es beständig, auch waren seine Ziele klar erkannt
und von der Teilhabe am Ganze und von Bayern her richtig gesehen. Vornehmlich
er hatte die Folgen des Teilungsvertrags mit seiner Fiktion einer bloßen
Nutzteilung und seinen Unklarheiten zu büßen. Sein eigentlicher
Widersacher war sein Bruder, der aus Sorge um seine Machtstellung am Rhein
und im Reich ihn niederhielt, meist auf der Seite seiner Gegner stand,
wie zuletzt noch sein Bündnis mit ALBRECHT
bewies, und es unterließ, im Zusammenwirken mit ihm die großen
Möglichkeiten zum Tragen zu bringen, die die bayerische Vergangenheit
in sich barg.